Oberrieder Kinderrechtler zum Weltkindertag 2026

Warum Kinder den Friedensnobelpreis verdienen - Kinderrechtler Bernhard Hanel im Interview

Alle 2,4 Milliarden Kinder sind für den Friedensnobelpreis 2026 nominiert. Die Idee dazu hatte Kinderrechtler Bernhard Hanel aus Oberried. Im Interview erzählt er warum.

Teilen

Stand

Von Autor/in Paulina Flad

Unternehmer, Gründer, Spielplatzkünstler - es gibt viele Begriffe, mit denen man Bernhard Hanel aus Oberried (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) beschreiben könnte. Am besten trifft es aber wahrscheinlich Kinderrechtler. Seit über 30 Jahren gestaltet Hanel Spielplätze für Kinder. Sogar in Kriegsgebieten stehen Spielplatzcontainer seines Vereins.

2023 hat er das Weltkinderforum in Davos (Schweiz) gegründet, als Gegenentwurf zum Weltwirtschaftsforum, das dort jährlich stattfindet. Hanels neustes Projekt: Der Friedensnobelpreis für alle Kinder dieser Welt. Nominiert ist seine Initiative schon. Am 9. Oktober wird der Preisträger oder die Preisträgerin bekannt gegeben.

Im Interview mit SWR Aktuell erzählt Bernhard Hanel warum Kinder seiner Meinung nach den Friedensnobelpreis bekommen sollten, was Erwachsene von Kindern lernen können und wie uns Kinder helfen können, die Zukunft neu zu denken.

SWR Aktuell: Herr Hanel, warum haben alle Kinder den Friedensnobelpreis verdient?

Bernhard Hanel: Bei meinen vielen Projekten auf der ganzen Welt habe ich erlebt, dass Kinder immer zusammenkommen. Alle Kinder würden zu jedem Moment miteinander spielen. Also ein palästinensisches Kind würde mit einem israelischen Kind spielen, ein ukrainisches mit einem russischen.

Nach dem Bosnienkrieg habe ich in Sarajevo den ersten multiethnischen Kindergarten mit aufgebaut. Natürlich war es den Kindern da egal, ob bosnisch, kroatisch oder serbisch. Die großen Gräben, die gibt es ja erst bei uns Erwachsenen.

Aus diesem Gedanken kam mir dann die Idee, es wäre doch mal spannend, denen den Friedensnobelpreis zu geben, die eigentlich friedfertig auf die Welt kommen und diese friedfertige Welt auch erwarten dürfen. Und auch erwarten dürfen, dass sie eine für sich wirklich gestaltbare Zukunft haben.

Wenn es nach Kinderrechtler Bernhard Hanel aus Oberried geht, haben alle Kinder einen Friedensnobelpreis verdient.
Wenn es nach Kinderrechtler Bernhard Hanel aus Oberried geht, haben alle Kinder einen Friedensnobelpreis verdient. Jasper Walter Bastian

Was wollen Sie damit bewirken?

Hanel: Ich finde, Rainer Maria Rilke hat das so toll gesagt vor 100 Jahren. Der hat gesagt: Die wichtigste und königliche Aufgabe des nächsten Jahrhunderts wird es sein, eine freie und gute Kindheit zu schaffen. Darauf müssen wir unseren Blick richten.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Kinderrechte?

Hanel: Ich sehe in Kindern so ein großes und teilweise auch unerschöpfliches Potenzial, das gesellschaftlich noch überhaupt nicht wirklich anerkannt und gesehen wird. Auch, was die Frage der Einbindung von Kindern betrifft. Das wird schon mehr, aber es ist immer noch sehr gering und auch nicht auf Augenhöhe. Wir Erwachsene haben die Erfahrung. Aber Kinder haben das Potenzial, visionsoffener und freier in die Zukunft zu denken und auch agieren zu können.

Ich sehe in Kindern so ein großes und teilweise auch unerschöpfliches Potenzial, das gesellschaftlich noch überhaupt nicht wirklich anerkannt und gesehen wird.

Was können Erwachsene von Kindern lernen?

Hanel: Dass Kinder immer wieder die Möglichkeit haben zu sagen: Morgen kann alles anders sein. Morgen können wir alles ändern. Wir Erwachsenen sind ja teilweise schon so geprägt von unseren Vorstellungen. Ein tolles deutsches Wort übrigens "Vorstellung". Also wir stellen immer alles vor und wir transportieren auch unsere Stapelkrisen in die Zukunft rein, sodass wir gar nicht mehr frei sind, für eine Vision und eine wirklich neu gedachte Zukunft.

Da könnten wir von den Kindern so unendlich viel lernen. Wir transportieren ja heute mehr denn je die Geschichte des Misslingens. Wir erzählen uns immer, was nicht gelingt. Um wieder weiterzukommen müssen wir wieder unbedingt in die Geschichte des Gelingens kommen, glaube ich. Und dabei können uns die Kinder so unglaublich helfen. Mit dieser Gabe die Zukunft nicht als zugestellten Raum zu erleben, sondern als einen offenen Möglichkeitsraum.

Sind Kinder mutiger als Erwachsene?

Hanel: Ja, total, aber immer mit der Voraussetzung, dass wir sie wirklich Kind sein lassen. Kindheit heißt nicht nur, sie vorbereiten aufs Erwachsenenleben, sondern Kindheit heißt, dass wir den Kindern den Rahmen, die Unterstützung, die demütige Hilfe geben, so groß zu werden, dass sie in ihre eigenen Potenziale kommen, in ihre eigenen Stärken.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?

Hanel: Dass wir den Kindern und dem Aufwachsen eine ganz andere Wertigkeit geben, dass wir dem Thema eine große Bühne geben. Das versuche ich gerade mit dem World Child Forum und auch der Friedensnobelpreis-Initiative für alle Kinder der Welt. Dass da eine größere Aufmerksamkeit da drauf liegt.

Hat sich schon was bewegt?

Hanel: Ja, es bewegt sich immer was. Man begegnet ja auch immer so wahnsinnig vielen tollen Menschen und tollen Initiativen. Aber es bricht noch nicht so ganz durch und es gibt ja auch viele Stellen, wo es sich nicht wirklich bewegt. Also, wenn wir nur auf die Bildung gucken. Da wünsche ich mir schon ein anderes Tempo und auch mehr Mut und auch mehr Lust am Scheitern und Ausprobieren.

Auch das ist ja eine kindliche Qualität. Dieses einfach zu sagen: Ich probiere das jetzt aus und dann falle ich hin und dann stoße ich mich an und dann geht es aber auch wieder weiter. Da können wir wirklich ganz viel aus diesem kindlichen Bewusstsein lernen.

Einstein wurde immer wieder gefragt: 'Ja, wie kam das denn, dass er auf so viele spannenden Ideen und Erkenntnisse kam?' Und er hat immer geantwortet: 'Ja, weil ich ein Kind geblieben bin. Weil ich halt immer suchend, immer neugierig, immer wieder verwerfend und wieder neu die Sachen angeguckt habe.'

Weltkindertag 2026 Was sich Kinder und Jugendliche für ihre Zukunft wünschen

UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk haben mehr als 1000 Kinder befragt: Sicherheit, Gerechtigkeit und Mitsprache gehören zu ihren Wünschen.

Müllheim, Denzlingen

Bewegungsangebote für Kinder Stadtplanung: Was sind uns Spielplätze wert?

In Müllheim gibt es wenige Spielplätze, dafür investiert die Stadt gezielt in deren Modernisierung. Denzlingen hat überdurchschnittlich viele, sucht aber noch Wege zur Finanzierung.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Paulina Flad
Foto von Paulina Flad

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!