Als der Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung ein paar Dutzend Meter über dem Boden schwebt, wird es so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann, ohne sich anzuschreien. Der Wind der Rotorblätter kommt stark und unvermittelt, wirbelt den Anwesenden Laubblätter ins Gesicht. Es naht die Rettung aus der Luft - eine Übung von Einsatzkräften am Wochenende am Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).
Plötzlich erkennt man vom Boden: Da hängen zwischen den Bäumen zwei Menschen in der Luft, nur mit einem dünnen Seil am Hubschrauber befestigt. Während die Beiden da so hängen, fliegt der Hubschrauber schwungvoll weg. Die Menschen unten an der Seilwinde schaukeln einige Meter hin und her. Es sieht ein bisschen so aus wie in einem Action-Film.
Rettungskräfte trainieren Luftrettung regelmäßig
Christoph 54 heißt der Freiburger Rettungshubschrauber mit Fünfblattrotor und 90 Meter langer Seilwinde. Wenn er im Einsatz ist, müssen alle Handgriffe sitzen. Insgesamt fliegt die Freiburger Luftrettung bis zu 1.500 Mal pro Jahr. In etwa 70 Fällen kommt dabei die Seilwinde zum Einsatz.
Alle sechs Monate werden daher unterschiedliche Szenarien geübt, so wie am Samstag am Schluchsee. Dort haben die DRF Luftrettung Freiburg und die Bergwacht Schwarzwald mit Rettungshubschrauber und Seilwinde trainiert mit Unterstützung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
Der Schluchsee bietet für Rettungskräfte gute Bedingungen, um Einsätze sowohl auf dem Wasser als auch im felsigen Gelände trainieren zu können. Sie proben unter anderem auch die sogenannte Kapp-Rettung. In diesem Szenario sollen Einsatzkräfte verunfallte Kletterer von einem Felsen retten. Ein Einsatz, der besonders viel Präzision verlangt.
"Die Schwierigkeit ist, dass wir gefesselt sind. Der Hubschrauber ist also fest mit der Felswand verbunden", sagt Pilotin Adriana Langer. Sobald die Winde unten ist, müsse sie neben der Rettung selbst auch auf Auf- und Abwinde achten, um mit dem Hubschrauber sicher in der Luft zu stehen.
Am Rettungshubschrauber baumeln? Wie ein Bürojob!
Bernd Schneider hat keine Höhenangst. Eher hat die Höhenangst Angst vor Bernd Schneider. Könnte man meinen, wenn man ihn über seine Arbeit reden hört. Schneider ist Bergretter der Bergwacht Schwarzwald und fliegt häufiger Einsätze, bei denen er an der Seilwinde hängt. Er vertraue seinen Kollegen, kenne sie gut. Jeder wisse, was man kann, sagt er.
Das ist ein ganz normales Arbeitsgefühl, wie wenn man morgens ins Büro geht.
Was tun, wenn der Patient Höhenangst hat?
Für die zu rettenden Patientinnen und Patienten ist die Windenrettung natürlich nicht so alltäglich wie für Bernd Schneider. Was also tun, wenn mal jemand Höhenangst hat? Bergretter Till Sondermann kennt die Lösung: "Gut zureden, sich einfühlen und so die Angst nehmen. 100 Prozent kann man das natürlich nicht. Wobei in der Situation bei den Meisten schon Adrenalin aufkommt, was hilft, die Angst zu überwinden", sagt er. So sei es noch nie passiert, dass ein Patient nicht mitfliegen wollte, erzählt Till Sondermann.