Auf dem Roßkopf bei Freiburg sind am Mittwochvormittag zwei alte Windräder gesprengt worden. Seit 2002 standen sie auf dem 737 Meter hohen Freiburger Hausberg. Nach zwei Jahrzehnten in Betrieb haben sie nun ausgedient. Ihren Job übernehmen zwei neue, deutlich größere und leistungsfähigere Windräder.
Zweimal machte es Rums, dann waren die Windräder Geschichte
Ein kurzer ohrenbetäubender Knall, dann ist der erste knapp 100 Meter hohe Windradturm langsam umgekippt, wie ein gefällter Baum. Etwa zehn Minuten später dann der Zweite. Laut der Spezialfirma, die im Vorfeld alles exakt berechnet und vorbereitet hatte, lief alles perfekt nach Plan. Auch Lukas Schuwald von der Ökostromgruppe Freiburg, die die Windräder auf dem Roßkopf betreibt, spricht von einer "perfekten Sprengung".
Die Anlage ist perfekt gefallen, so wie sie fallen muss, genau ins Fallbett rein. Keine Bäume wurden beschädigt. Das ist als Bauherr immer erleichternd, wenn es klappt.
Vor der Sprengung wurden bereits die Rotorblätter und die Naben abmontiert, sodass nur noch die Betontürme der beiden Windräder übrig waren. Mittels Kernbohrungen und Sägeschnitten seien die zwei alten Anlagen außerdem vorgeschwächt worden, damit genau berechnet werden konnte, wie und wohin die Türme fallen, so die Ökostromgruppe Freiburg.
Warum eine Windrad-Sprengung am Roßkopf nicht ganz einfach ist
Am Roßkopf sei es schwierig zu sprengen, erklärt Lukas Schuwald von der Ökostromgruppe. Es gebe viel Besuchsverkehr. Deswegen wurde das Gebiet rund um die Windräder schon mehrere Stunden vor der Sprengung am Mittwoch weiträumig abgesperrt.
Sämtlich Wander- und Mountainbikewege konnten nicht genutzt werden. 20 Sicherheitsposten waren im Einsatz. Außerdem waren Wärmebilddrohnen unterwegs und kontrollierten das Gebiet auf Menschen und Tiere. "Erst wenn im Umkreis von 100 Metern niemand mehr ist, kann gesprengt werden", so Schuwald.
Ab 15 Uhr sollen die öffentlichen Wege wieder freigegeben werden. Waldbesucherinnen und -besucher werden allerdings dazu angehalten, das Gelände in den nächsten Tagen zu meiden. Denn der Roßkopf-Gipfel wird in den nächsten Wochen eine Baustelle bleiben. Bis die Windradtürme und ihre Fundamente weg sind.
Betonreste der beiden Windräder werden recycelt
Nach 23 Jahren waren die alten Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer. Seit August 2025 sind sie nicht mehr in Betrieb. Die gesprengten Türme werden komplett zurückgebaut. "Bagger zerkleinern noch die Betonreste am Boden. In einer Woche sieht man hier überhaupt nichts mehr", sagt Lukas Schuwald.
Die Betonreste würden entweder im Straßenbau wiederverwendet werden oder für neue Kranstellflächen, erklärt Schuwald. Und weiter: "Wir bauen am Roßkopf ja drei neue Anlagen und da werden dann die neuen Bauflächen befestigt mit dem Beton der alten Anlagen."
Neue Windräder nur ein paar hundert Meter entfernt
Bereits vor einem Jahr wurden zwei alte Windräder am Roßkopf gesprengt. Ersetzt werden die ingesamt vier alten Anlagen von zwei neuen, deutlich größeren und leistungsfähigeren Windrädern.
Die stehen auch schon und sind seit ein paar Wochen in Betrieb. Die neuen Anlagen sind mit 229 Metern etwa 100 Meter höher als ihre Vorgänger und erzeugen laut Ökostromgruppe Freiburg Strom für mehr als 6.000 Haushalte.
Außerdem sind drei weitere Anlagen auf dem Roßkopf geplant und auch schon genehmigt. Sie sollen ab 2028 zusätzlich rund 10.000 Dreipersonen-Haushalte mit Ökostrom versorgen.