Treffpunkt der Afrikanischen Community

"Die meisten sind keine Dealer" - Sozialarbeiter wollen Bild vom Stühlinger Kirchplatz in Freiburg ändern

Zwei Sozialarbeiter unterstützen in Freiburg die afrikanische Community am Stühlinger Kirchplatz. Sie helfen den Menschen anzukommen. Ihre Botschaft: Die meisten sind keine Dealer.

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Von Autor/in Damian Correa Koufen

Ababacar Kébé und Nelson Momoh arbeiten an einem Ort, den viele Menschen in Freiburg meiden: Seit fünf Jahren helfen sie Menschen auf dem Stühlinger Kirchplatz bei der Suche nach Arbeit oder einer Ausbildung. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist Aufklärung: Sie wollen den Freiburgerinnen und Freiburgern deutlich machen, dass der überwiegende Teil der Menschen aus der afrikanischen Community auf dem Platz nicht mit Drogen dealt.

Kébé und Momoh gehen fast jeden Tag in den Park am Stühlinger Kirchplatz

Wenn sich Ababacar Kébé und Nelson Momoh am Stühlinger Kirchplatz der Gruppe von Afrikanerinnen und Afrikanern nähern, werden sie meist freudig erwartet. Die meisten kennen die beiden Sozialarbeiter und begrüßen sie per Handschlag. Seit fünf Jahren gehen Kébé und Momoh fast jeden Tag in den Park.

Sie haben über die Zeit Vertrauen aufgebaut, auch weil sie sich mit vielen von der Gruppe in ihrer Muttersprache unterhalten können. Die Community kommt überwiegend aus Westafrika. Kébé ist aus dem Senegal und spricht Wolof, eine der häufigsten Sprachen in Senegal und Gambia. Die Länder, wo die meisten der Afrikanerinnen und Afrikaner auf dem Platz herkommen.

Nelson Momoh und Ababacar Kebe vom Verein "CaPoA"
Ababacar Kébé und Nelson Momoh im Stühlinger Kirchplatz: "Die Leute vertrauen uns".

Stühlinger Kirchplatz oft in den negativen Schlagzeilen

Der Stühlinger Kirchplatz ist in den vergangenen Jahren immer öfter in die Schlagzeilen geraten: Vor allem wegen des Drogenhandels, der offen auf dem Platz ausgetragen wird.

Als sich der Konflikt in den vergangenen Jahren zuspitzte, hätten viele Menschen aus Afrika das in ihrem Alltag gemerkt, erzählt Momoh: "Man hat gespürt, wenn man einkaufen geht, dass man anders beobachtet wird", erzählt er. Die beiden Sozialarbeiter wollten dem wachsenden Misstrauen etwas entgegensetzen, so Momoh.

Für ihn und Kébé war das im Jahr 2020 der Grund, den Verein "Capoa" zu gründen, "Cooperation and Progress of Africans". Ein wichtiger Teil der Arbeit: Vermittlung und der regelmäßige Austausch mit der westafrikanischen Community auf dem Stühlinger Kirchplatz.

Der Stühlinger Kirchplatz im Winter
Bei gutem Wetter lockt der Stühlinger Kirchplatz auch im Winter Menschen an.

Die allermeisten kommen zum Freunde Treffen, nicht zum Dealen

Der Großteil der Menschen dort habe mit dem Drogenhandel nichts zu tun, erzählt Momoh: "Viele sind Afrikaner, die arbeiten und nach dem Feierabend hier chillen wollen". Der Platz sei vor allem wegen der Nähe zum Bahnhof ein idealer sozialer Treffpunkt für die Community.

Die Gruppe sei heterogener, als viele Menschen in Freiburg denken würden: Viele der Leute würden aus dem Umland zum Platz kommen, zum Beispiel aus Lenzkirch oder Offenburg. Es seien auch Frauen und manchmal Kinder dabei. Viele machen eine Ausbildung, manche arbeiten, andere haben keinen Job, sagt Momoh.

Osmuan Bojang vom Kirchplatz: "Die meisten von uns sind keine Kriminellen"

Einer der Menschen, die regelmäßig auf einer der Bänke am Stühlinger Kirchplatz sitzen, ist der 32-jährige Osmuan Bojang aus Gambia. Er könne es verstehen, wenn Anwohnerinnen und Anwohner des Platzes misstrauisch seien, erzählt er. Was sollten sie auch denken, wenn sie immer wieder von Menschen angequatscht würden, die ihnen Drogen verkaufen wollen?

Der 32-jährige Bojang sitzt im Sommer fast jeden Tag am Stühlinger Kirchplatz.
Der 32-jährige Osmuan Bojang sitzt im Sommer fast jeden Tag am Stühlinger Kirchplatz. Bei gutem Wetter ist er auch im Winter da.

Er würde sich trotzdem eine andere Wahrnehmung des Platzes wünschen: Es seien nur einige wenige aus der Community, die kriminell seien oder Drogen verkaufen würden. Der Stühlinger Kirchplatz sei für ihn wie ein "Zuhause", ein Ort, an dem er Freunde treffen könne. Trotzdem fühle er sich manchmal schuldig, wenn sich die Anwohnerinnen und Anwohner unwohl fühlen. Zum Beispiel, wenn jemand aus der Gruppe die Musik zu laut aufdreht.

Bojang erzählt, er fühle sich in Freiburg wohl. Er habe auf seinem Weg von Afrika nach Europa viel gesehen. Freiburg sei "eine gute Stadt". Es gebe immer wieder Leute, die ihnen Hilfe anbieten würden. Er habe viele deutsche Freunde in der Stadt. Bojang würde gerne eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner oder Maurer machen. Aktuell hat er aber ein Problem mit seinem Pass.

Ich will, dass die Menschen in Freiburg wissen, dass der überwiegende Teil von uns normale Leute sind. Wir haben auch Familien, Schwestern, Omas, Opas. Wir sind keine Kriminellen.

Kébé und Momoh helfen bei Suche nach Ausbildung oder Arbeitsstelle

In ihrem Büro unterstützen Ababacar Kébé und Nelson Momoh Menschen vom Stühlinger Kirchplatz wie Osmuan Bojang, eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Mehrmals in der Woche bieten sie eine ganztägige, offene Sprechstunde an. Beide leben schon seit mehr als 30 Jahren in Deutschland und wollen es Menschen, die jetzt kommen, leichter machen.

Sie helfen auch anderen Leuten aus afrikanischen Ländern mit der deutschen Bürokratie: Anträge stellen, Formulare ausfüllen, Mails an das Amt schreiben. Oft ist es in der Sprechstunde voll.

Sozialarbeiter Nelson Momoh in der Sprechstunde von CaPoA
Nelson Momoh hilft im Büro von "Capoa" einem Mann mit einer Abrechnung.

Zusammenarbeit mit Arbeitgebern im Raum Freiburg

Der Verein hat in den letzten Jahren viele Kontakte zu Firmen in der Region geknüpft, erzählt Kébé. Immer wieder vermitteln die beiden Jobs. Zuletzt sind etwa drei Jugendliche und eine Frau aus Gambia und Guinea mit ihrer Ausbildung fertig geworden und arbeiten jetzt als Altenpflegerinnen und Altenpfleger.

Eine besondere Herausforderung sei es, Menschen ohne Arbeitserlaubnis zu helfen. Diese Leute seien anfälliger dafür, ins Drogenmilieu abzurutschen. Es sei ein wichtiges Ziel, Menschen gleich nach ihrer Ankunft in Freiburg aufzufangen, sagt Kébé.

Momoh: Stimmung hat sich gebessert

Auf dem Kirchplatz haben die beiden viel erreicht. Die Stimmung gegenüber der afrikanischen Community auf dem Stühlinger Kirchplatz habe sich gebessert, erzählt Momoh.

Anwohnerinnen und Anwohner würden ihnen immer wieder sagen, dass es auch für sie ein gutes Gefühl sei, wenn die beiden auf dem Platz sind. Für die beiden Sozialarbeiter eine zusätzliche Motivation, weiterhin regelmäßig in den Park zu gehen und sich für ein differenzierteres Bild vom Stühlinger Kirchplatz einzusetzen.

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