Wartezeiten von bis zu zwei Stunden

Gedränge und aggressive Stimmung: Einige Besucher des Seenachtfests in Konstanz kritisieren Heimfahrt

Nach dem Ende des diesjährigen Konstanzer Seenachtfests gibt es deutliche Kritik. Einige Besucher berichten von Wartezeiten von bis zu zwei Stunden am Bahnhof und Gedränge.

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Von Autor/in Esther Leuffen

Zehntausende Menschen haben am vergangenen Wochenende friedlich auf dem Konstanzer Seenachtfest gefeiert. Doch jetzt kritisieren einzelne Besucher, es habe Probleme bei der Abreise vom Konstanzer Bahnhof gegeben. Die Polizei hatte eine insgesamt positive Bilanz gezogen.

Kritik an langen Wartezeiten am Konstanzer Bahnhof nach dem Seenachtfest

So sei es zu Wartezeiten am Bahnhof von bis zu zwei Stunden gekommen, schildern Seenachtfestbesucher in E-Mails an den SWR. Außerdem seien Züge ausgefallen. Die Rede ist des Weiteren von dichtem Gedränge, Frust und aggressiver Stimmung. Von einer Gruppe, die mit mehreren Erwachsenen und drei Kindern das Seenachtfest besuchte, heißt es: "In der Menge wurde es unruhig: Vor allem kleine Kinder, Menschen im Rollstuhl und Menschen mit Gehhilfen fühlten sich sichtbar unwohl."

Die Mischung aus Müdigkeit, Frust und Wut führte zu lautstarken Unmutsäußerungen.

Ein anderer Besucher schreibt in einer E-Mail: "Besucher, die der Aufforderung nachgekommen waren, mittels ÖPNV anzureisen, mussten mehrere Stunden dicht gedrängt warten, bis ihnen der Zugang zu den Zügen gewährt wurde." Grundsätzlich sei klar, dass man bei der Rückfahrt mit dem "Seehas" etwas Geduld mitbringen müsse. Das sei von früheren Besuchen durchaus bekannt gewesen.

Grund für lange Wartezeiten wohl Signalstörung bei Radolfzell

Laut des Bahnbetreibers SBB war eine Signalstörung bei Radolfzell (Kreis Konstanz) der Grund dafür, dass sich die Seehas-Züge um bis zu 30 Minuten verspäteten. Dadurch könne der Eindruck entstanden sein, dass Züge ausgefallen seien. Tatsächlich seien aber alle acht Sonderzüge gefahren - sogar in maximaler Sonderlänge mit jeweils acht Waggons, teilte ein Sprecher der Schweizerischen Bundesbahnen Deutschland (SBB Deutschland) dem SWR mit. Außerdem habe zusätzliches Personal auf eine gute Auslastung jedes Waggons geachtet.

Der Veranstalter KLE Seenachtfest, bei dem auch mehrere Beschwerden von Besuchern eingingen, sagte auf Anfrage dem SWR, Wartezeiten am Bahnhof von bis zu zwei Stunden seien einfach zu lang. Auch bei einer Großveranstaltung, bei der viele Besucher zu ähnlichen Zeiten abreisen wollten. Das Bahnhofskonzept sei jedoch von Bundespolizei, Deutscher Bahn und SBB Deutschland ausgearbeitet worden, als Veranstalter setze man dies nur um.

Neu sei in diesem Jahr gewesen, dass Besucher, die mit einem Sonderzug zum Konstanzer Seenachtfest angereist seien, für die Rückfahrt einen separaten Sammelpunkt vor dem Einkaufszentrum LAGO gehabt hätten. Sie seien, um die Lage zu entzerren, unabhängig vom allgemeinen Warteplatz vor dem Bahnhof zur Abfahrt ihres Sonderzuges geleitet worden.

Sicherheitskonzept rund um den Bahnhof beim Seenachtfest

Wie in den Jahren zuvor seien im Rahmen des Sicherheitskonzeptes die Zugänge zum Konstanzer Bahnhof durch die Marktstättenunterführung gesperrt worden, teilte die Bundespolizei auf SWR-Anfrage mit. Die Reisenden seien durch Absperrungen zu einem zentralen Warteplatz auf dem Bahnhofsvorplatz geleitet worden. Dies stelle ein "deutlich geringes Gefahrenpotenzial für die Reisenden dar", als "dass Reisende auf dem Bahnsteig gedrängt warten oder durch die schmale Unterführung zu den Zügen gelangen mussten", heißt es in einer Mitteilung. Der Zugang zum Bahnsteig sei dann über die Bundespolizei gelenkt worden.

Das bestätigt auch die Landespolizei. Es habe vom Warteplatz nur einen Zugang zum Bahnhof gegeben. Die Beamten vor Ort hätten die Lage insgesamt als ruhig wahrgenommen. Die Stimmung sei der Lage angemessen gewesen, teilte ein Sprecher dem SWR mit.

Unmut der Wartenden trotz Lautsprecherdurchsagen

Auch laut Bundespolizei war die Stimmung "grundsätzlich unter den Wartenden gut gewesen". Gegenüber Bundespolizisten seien aber vereinzelt "Unmutsäußerungen" wegen der Wartezeiten gemacht worden. "Durch Lautsprecherdurchsagen und persönliche Gespräche der Beamten mit den Reisenden konnten die Maßnahmen der Bundespolizei transparent gemacht werden." Die Durchsagen seien durch die Bahn erfolgt. Allerdings kritisiert ein Festbesucher, diese seien kaum verständlich gewesen.

Unverständliche Lautsprecherdurchsagen halfen auch nicht.

Einer der Seenachtfestbesucher schilderte zudem, dass eine Frau vorn an der Absperrung zusammengebrochen und kein Sanitäter greifbar gewesen sei. Die Bundespolizei bestätigt einen Vorfall unter den Wartenden: "Uns ist in der Abreisephase ein Fall einer Frau bekannt, die wegen Kreislaufproblemen von Beamten der Bundespolizei erstversorgt wurde. Die Hinzuziehung des Rettungsdienstes war nicht erforderlich. Sie konnte ihre Reise selbstständig fortsetzen", heißt es in der Mitteilung.

Abschließend gibt die Bundespolizei zu bedenken, dass bei einer zeitlich geballten Abreise vom Festgelände mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Wartezeiten unumgänglich seien. Der Auftrag der Bundespolizei sei es, die Sicherheit aller Reisenden zu gewährleisten. Durch Kommunikation und lageangepasstem Verhalten versuche man, auf Andrang und Wartezeiten zu reagieren. So seien etwa die Zugänge zum Bahnsteig nach und nach geöffnet worden.

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Autor/in
Esther Leuffen
SWR-Redakteurin Esther Leuffen Autorin Bild

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