In Oberschwaben wird es kein Biosphärengebiet geben. Das hat am Donnerstag der Leiter des Steuerungskreises, Timo Egger, dem SWR gesagt. Nachdem mehrere Kommunen aus dem Prüfprozess ausgestiegen waren, wollten auch viele verbliebene Gemeinden nicht mehr weitermachen.
Egger hatte die Entscheidung mit in Gang gebracht. Er hatte die verbliebenen Kommunen in einem Anschreiben gebeten, bis Donnerstag rückzumelden, ob sie weiter dabei sind. Aber der Rücklauf war wohl überschaubar, das Biosphärengebiet Oberschwaben wird nicht kommen. Zum einen sei die Entscheidung der politischen Großwetterlage geschuldet und zum anderen hätten die Interessensgruppen sehr gute Arbeit geleistet, erklärt Timo Egger.
Kein Biosphärengebiet: Umweltschützer sprechen von einer verpassten Chance
Der Naturschutzbund NABU bedauert, dass in Oberschwaben kein Biosphärengebiet entstehen wird. Es sei eine verpasste Chance, sagte der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle gegenüber dem SWR.
Millionen an Fördermitteln werden der Region damit entgehen.
Biosphärengebiete seien Modellgebiete für nachhaltige Entwicklung. Sie brächten Akteure aus dem Naturschutz, Tourismus und der Landwirtschaft zusammen. Besonders in Oberschwaben seien mit Blick auf den natürlichen Klimaschutz sowie die Renaturierung von Mooren und Feuchtwiesen die Herausforderungen groß. Es sei bedauerlich, dass offenbar eine kleine Gruppe einflussreicher Landeigentümer mit ihrem Druck auf die kommunalen Politikerinnen und Politiker die restliche Bevölkerung um diese Chance gebracht habe.
Aus dem baden-württembergischen Umweltministerium hieß es: Man respektiere die Entscheidung der Region, den Prüfprozess zu beenden. Das Land habe von Anfang an zugesichert, dass die beteiligten Kommunen selbst über eine Teilnahme an einem Biosphärengebiet entscheiden können.
Aus unserer Sicht wäre es eine große Chance für die nachhaltige Regionalentwicklung gewesen.
Auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald seien die Biosphärengebiete so attraktiv, dass Kommunen neu beigetreten sind oder es anstreben.
Kreisbauernverband Allgäu-Oberschwaben erleichtert über Aus von Biosphärengebiet
Dagegen zeigte sich Franz Schöneberger, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Allgäu-Oberschwaben, überrascht und erleichtert. Landwirte und Großgrundbesitzer hatten befürchtet, dass sie in einem Biosphärengebiet nicht mehr so wirtschaften dürfen wie bisher. Ein Biosphärengebiet habe Vorteile, aber auch viele schwierige kritische Themen. Darum wäre es die schlechtere Möglichkeit gewesen.
Wir sind froh, weil das Biosphärengebiet uns in den Chancen eingeengt hätte.
Bad Wurzach stieg als erstes aus Planungen für Biosphärengebiet aus
In dem Gebiet von Ostrach bis Leutkirch und von Wangen bis Bad Buchau sollten vor allem Moore und Naturschutzgebiete geschützt werden. Doch das größte Moorgebiet bei Bad Wurzach fiel schon mal raus, weil auch Bad Wurzach aus dem Prüfprozess ausgestiegen war. Gegen das Projekt waren vor allem Land- und Forstwirte. Sie befürchteten zu strenge Umweltschutzauflagen, zu viel Bürokratie.