Im Kunstmuseum Ravensburg ist seit Freitag eine Doppelausstellung zu sehen: Zum einen eine raumgreifende Filminstallation mit dem Titel „The Unfinished Conversation“, zu deutsch die unvollendete Unterhaltung, des in Ghana geborenen britischen Künstlers John Akomfrah. Zum anderen eine Schau über Druckgrafik des Expressionismus.
Akomfrahs Themen sind Rassismus, Migration, Identität
Das Werk von John Akomfrah wird inzwischen weltweit gezeigt. Er gilt als einer der großen Videokünstler der Gegenwart. Seine vielschichtigen Film- und Videoinstallationen behandeln Themen wie Rassismus, koloniales Erbe, Migration und Identität.
Jetzt präsentiert das Kunstmuseum Ravensburg auf drei Leinwänden eine seiner großen Collagen, nämlich "The Unfinished Conversation". Sie war bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen und befindet sich unter anderem in der Sammlung der Tate Britain in London und im MoMA New York.
Film ist Hommage an den Soziologen Stuart Hall
Die Collage aus Fotos, Musik, aktuellem Film- und Archivmaterial ist eine Hommage an Akomfrahs Mentor und Freund, den 2014 verstorbenen Soziologen und Kulturtheoretiker Stuart Hall. Sein undogmatisches, also aufgeschlossenes Denken über Rassismus, Klasse und Identität gilt bei Kunstexperten als wegweisend.
Die 45-minütige Filminstallation "The Unfinished Conversation" verbindet die Lebensgeschichte von Stuart Hall mit politischen Ereignissen in Großbritannien der 1980-er Jahre und der Weltgeschichte. Es geht aber auch um ganz existenzielle Themen wie Geburt, Trauer, Schönheit, Gewalt - vermittelt durch eindringliche Bilder.
Speziell begleitend zur Filminstallation von Akomfrah gibt es im Erdgeschoß des Kunstmuseums einen „Conversation Room“. Dort sind Texte und Bücher ausgelegt, auch viele Kinderbücher.
Ausstellung "Under Pressure" mit Druckgrafik des Expressionismus
Das Eindringliche, Ausdrucksstarke ist auch Kennzeichen der zweiten Ausstellung im oberen Stockwerk des Kunstmuseums: Druckgrafik des Expressionismus mit dem mehrdeutigen Titel "Under Pressure", also unter Druck. Die hauseigene Sammlung "Selinka" umfasst zahlreiche hochkarätige Druckgrafiken. Zu sehen sind Holzschnitte, Radierungen und Lithografien aus der Zeit des Expressionismus, also Anfang des 20. Jahrhunderts.
Expressionismus: Klare Linien und große Kontraste
Bezeichnend für die Grafiken sind klare Linien, große Kontraste in Schwarz-Weiß, aber auch kräftige Farbfelder mit einer großen Ausdruckskraft. Vertreten sind unter anderem Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel Otto Müller, Ernst-Ludwig Kirchner, Franz Marc und Wassily Kandinsky. Ihre Motive sind oft Akte, Porträts, Badeszenen und Landschaften.
In der Ausstellung werden auch die verschiedenen Drucktechniken erklärt und es wird auf die Geschichte und Entwicklung des Holzschnitts näher eingegangen.