Für viele Campinggäste in Markdorf (Bodenseekreis) war es ein unsanftes Erwachen. Gegen 8 Uhr morgens am 26. Juni 2024 stand plötzlich der Campingplatz Wirthshof unter Wasser. Zuvor hatte es starke Regenfälle gegeben, überall hieß es "Land unter". Am Campingplatz trat der Bach, der um diese Jahreszeit normalerweise kaum Wasser führte, über das Ufer.
"Das war eine kleine Flutwelle", erzählt Claudius Wirth, einer der Geschäftsführer. Er leitet den Campingplatz mit seinem Bruder in dritter Generation.
Schlamm in den Rohren und eine überflutete Elektrik
Ratlosigkeit und Existenzängste seien aber schnell praktischen Fragen gewichen, berichtet der Campingplatzbetreiber. Allein drei Wochen habe es gedauert, bis der Schlamm weggebaggert war. Die Wasserrohre mussten gespült und die geflutete Elektrik überholt werden.
Bis die Arbeiten an den erneuerten Stellplätzen aber richtig anfangen konnten, dauerte es bis Mitte Januar 2025. "Erst dann hatten wir grünes Licht von den Versicherungen", so Wirth. Durch den milden Winter seien die Arbeiten aber gut vorangekommen, sie zogen sich dennoch bis Ende Mai und damit in die neue Saison hinein.
Am Hochwasserschutz habe man bisher noch nicht arbeiten können. "Was wir dürfen und können, wissen wir noch gar nicht", sagt Wirth. Zunächst müsse er ein Gutachten im Auftrag der Stadt Markdorf abwarten. Denn die Maßnahmen müssten koordiniert werden, damit das Wasser nicht im schlimmsten Fall durch Hochwasserschutz auf andere Grundstücke geleitet werde.
Überschwemmtes Bachbett ausgebaggert
Der Bach wurde allerdings bereits wieder ausgebaggert. "Jetzt ist der Bach sowieso völlig ausgetrocknet", beruhigt er. Gäste könnten also beruhigt wieder in Markdorf campen. "Das Schwierigste damals war, allen Gästen abzusagen". 170 Stellplätze waren nicht mehr nutzbar. In den Wochen und Monaten danach mussten 9.600 Buchungen abgesagt werden.
Bis auf wenige Ausnahmen hätten ihn von den Gästen aber nur verständnisvolle Antworten erreicht. Und in diesem Jahr genießen seit Anfang Juni wieder die gewohnte Zahl von Campern die Sonne auf dem Wirthshof.
Ortsmitte von Oberteuringen überschwemmt
Überschwemmt wurde damals im Juni 2024 auch die Ortsmitte von Oberteuringen im Bodenseekreis – mit schweren Folgen unter anderem für die örtliche Apotheke, Geschäfte und Arztpraxen. Auch in zahlreiche Wohnungen und Keller war das Wasser eingedrungen. Rund 220 Tonnen Müll fielen allein in der Gemeinde an, im ganzen Bodenseekreis wurden Schäden in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro gemeldet.
Von den Überflutungen in der Innenstadt von Oberteuringen berichtete damals der SWR live, Martin Hattenberger war vor Ort:
Nach dem Hochwasser hatte Oberteuringen Maßnahmen zum Schutz auf den Weg gebracht. Unter anderem soll künftig ein so genanntes Starkregen-Management dafür sorgen, dass besser auf solche Unwetter reagiert werden kann.
Singener Theater Färbe immer noch nicht bespielbar
Immer noch nicht in Betrieb ist das Theater "Die Färbe" in Singen am Hohentwiel. Das Gebäude wurde vor ebenfalls einem Jahr bei dem Unwetter überflutet. Die Bühne des Theaters muss nun umfangreich saniert werden.
"Das war ein ganz enormer Umbau, es war noch mehr kaputt, als wir befürchtet hatten", bedauert Theaterleiterin Cornelia Hentschel. Das meiste, was neu gebaut werden müsse, werde für die Zuschauenden nicht zu sehen sein: "Vieles ist unter Putz und Boden verborgen".
Theater musste auf andere Spielstätte in Singen ausweichen
Nur die neuen Fliesen im Zuschauerraum verraten dann noch, dass hier umfangreich saniert wurde. Bis dahin sind die Theaterproduktionen an eine andere Spielstätte in Singen umgezogen. "Die Stadt Singen ist uns toll entgegengekommen", freut sich Hentschel.
Die Stadt habe sogar eigene Veranstaltungen verlegt, um den Spielbetrieb des Theater zu sichern. Denn nicht nur Aufführungen, sondern auch die Proben benötigten alternativen Raum.
Weniger Zuschauer nach dem Umzug
Die Aufführungen seien an der neuen Spielstätte aber nicht genauso gut besucht worden. "Die Leute sind einfach ein Kneipentheater gewohnt", vermutet Hentschel. Normalerweise werde man im Theater "Die Färbe" vor der Vorstellung bewirtet. Diese Wohlfühlatmosphäre sei weggefallen, was sich in geringeren Besucherzahlen niedergeschlagen habe. Dabei biete der Ersatzspielort aus kreativer Sicht durchaus Vorteile: "Wir haben dort einen größeren Bühnenraum und viele Möglichkeiten, diesen zu gestalten."
Zurzeit spielt "Die Färbe" auf einer Freilichtbühne neben dem alten Theater. Dafür benötige man nur die sanitären Anlagen, die bereits wieder vollständig in Stand gesetzt seien. Zum Start der neuen Spielzeit am 14. September wird das Theater aber dann wieder auf die Bühne in den sanierten Räume zurückkehren, hofft Hentschel.