Große Freude bei Überlinger Vogelschützern: Die ersten Waldrapp-Küken des Jahres sind geschlüpft. Das teilte das Waldrappteam dem SWR mit. Nach rund 28 Tagen Brutzeit seien die ersten Schnäbel zu sehen - weitere Küken würden in den kommenden Tagen erwartet. "Die ersten Schnäbel haben aus dem Nest gelugt", berichtet Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrappteam.
Die Beobachtung sei nicht einfach: In den ersten Tagen würden die Küken eng von den Elternvögeln gehütet und gewärmt, so Schmalstieg. Erst nach einigen Tagen werden die Küken aktiver und bewegen sich im Nest. Der Waldrapp, ein vom Aussterben bedrohter Zugvogel, wird am Bodensee gezielt wieder angesiedelt.
Drei aktive Nester - Hoffnung auf zwölf Jungvögel
Insgesamt brüten die Waldrappe in diesem Jahr in drei Nestern. Das Waldrappteam rechnet mit drei bis vier Küken pro Nest. Das Problem war in diesem Jahr, dass nur drei Weibchen nach Überlingen zurückgekehrt sind. Ein viertes Weibchen befindet sich derzeit allein in der Schweiz. Eine Umsiedlung nach Überlingen scheiterte an fehlender Genehmigung des Schweizer Bundesamts für Umwelt.
"Das war sehr schade, weil wir so kein viertes Nest haben", berichtet Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrappteam. "Trotzdem bin ich zufrieden, dass wir wieder drei Nester haben und wir hoffen jetzt auf eine erfolgreiche Saison in der Felsnische".
Rückblick: Ein harter Rückschlag für das Waldrappteam im Vorjahr
Im vergangenen Jahr waren ebenfalls zwölf Küken geschlüpft - doch nur zwei überlebten. Die übrigen zehn Jungvögel starben oder gelten als vermisst. "Das war ein großer Rückschlag, ein ganzer Jahrgang ist uns da verloren gegangen", so Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrappteam. Dennoch zeigen sich die Vogelschützer optimistisch.
Seit Jahren läuft das Wiederansiedlungsprojekt am Bodensee eigentlich mit Erfolg. Die Tiere haben im vergangenen Jahr erstmals die Felsnische zwischen Überlingen und Sipplingen selbstständig angenommen und dort komplett sich selbst überlassen gebrütet. Auch die Zahl der Tiere hatte stetig zugenommen. Die Hoffnung liegt nun auf einer stabilen Population in der Bodenseeregion - mit mehr überlebenden Jungvögeln und langfristigem Bruterfolg.