Die "Evangelische Freikirche Riedlingen" im Kreis Biberach bleibt im Visier des baden-württembergischen Verfassungsschutz. Ein Prediger der Gemeinde vermische "christlich-fundamentalistische Ansichten" mit der Ablehnung des Staates, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2024 für Baden-Württemberg. Auch die "Baptistenkirche Zuverlässiges Wort" in Pforzheim wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
Gefahr der Radikalisierung anderer Kirchenmitglieder
Die "Evangelische Freikirche Riedlingen" wird seit Mai 2022 vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Ihr Prediger Jakob Tscharntke vermische "christlich-fundamentalistische Ansichten mit der Ablehnung des Staates und demokratisch legitimierter Entscheidungen". Aus Sicht des Verfassungsschutzes bestehe außerdem die Gefahr, dass durch die große Reichweite der Gemeinde im Internet auch zuvor nicht extremistisch eingestellte Kirchenmitglieder radikalisiert werden. Der YouTube Kanal der Gemeinde hat rund 23.000 Abonnenten.
2024 berichtete der SWR über Freikirchen im Land, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden:
Nach Einschätzung der Evangelischen Landeskirche habe sich Tscharntke seit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen 2015/2016 und dann noch einmal verstärkt während der Corona-Pandemie radikalisiert. Seine Predigten seien immer wieder von Verschwörungsmythen geprägt.
Vom Pfarrer der Evangelischen Landeskirche zum freikirchlichen Pastor
Tscharntke war bis Mitte der 90er-Jahre Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, verließ die Kirche aber nach Querelen mit der Kirchenleitung und wirkt seitdem als freikirchlicher Pastor. Im Sommer 2024 habe es einen Richtungsstreit innerhalb der Riedlinger Gemeinde gegeben, der sich aber nach einer angekündigten Auszeit von Tscharntke für ihn entschieden habe. "Seine extremistischen Positionen bleiben somit prägend", so der Verfassungsschutz.
selbsternannte Baptistenkirche in Pforzheim auch unter Beobachtung
Im Visier des Verfassungsschutzes ist in Baden-Württemberg auch die selbsternannte"Baptistenkirche Zuverlässiges Wort“ in Pforzheim. Die Gemeinde steht seit Frühjahr 2023 unter Beobachtung. Kritisiert wird im aktuellen Verfassungsschutzbericht eine "massive Queerfeindlichkeit, die unverhohlen in öffentlich frei zugänglichen Reden gepredigt wird." Außerdem äußere sich die Gruppierung antisemitisch, frauen- und demokratiefeindlich.