Das Fachmagazin "velobiz" spricht von einem "Paukenschlag": Die beiden wichtigsten Verbände der Zweiradbranche, der "Verband ZIV – die Fahrradindustrie" (ehemals Zweirad-Industrieverband) und der „Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad“, beenden ihre Zusammenarbeit mit der internationalen Fahrradmesse "Eurobike". Hinter beiden Verbänden stehen über 240 Mitgliedsunternehmen der Fahrradbranche. Die "Eurobike" wird seit 2022 gemeinsam von der Messe Friedrichshafen und der Messe Frankfurt organisiert; zuvor hatte sie seit Anfang der 1990er Jahre auf dem Messegelände Friedrichshafen viele Hunderttausende Besucher aus aller Welt an den Bodensee gelockt.
Kein gemeinsamer Nenner mit Messen in Friedrichshafen und Frankfurt
Man erkläre die Gespräche über die zukünftige Ausrichtung der Fahrradmesse "Eurobike" für gescheitert und nehme nicht mehr daran teil: Die gemeinsame Pressemitteilung des Verbandes "ZIV - Die Fahrradindustrie" und des Verbandes "Zukunft Fahrrad" lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Man habe sich bei der Diskussion über die Zukunft des internationalen Branchentreffs nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen können. Den Branchentreff organisiert die Messe Friedrichshafen in jährlichem Turnus gemeinsam mit der Messegesellschaft Frankfurt auf dem Frankfurter Messegelände.
Beide Branchenvereinigungen verweisen auf ihren "10-Punkte-Plan Eurobike 2026". Darin war unter anderem die geplante Auslagerung der schnellen Elektro-Bikes und der Lastenräder kritisiert worden. Außerdem hatten die Verbände – offenbar vergeblich – gefordert, "Alltagsmobilität, Freizeit und Sport" gleichwertig zu inszenieren. Und schließlich: Die "Eurobike" solle nicht auf Flächen-Maximierung setzen, sondern vielmehr den so genannten „A-Marken“, die höhere Qualitätsmerkmale aufweisen, mehr Platz einräumen.
Messe Friedrichshafen: "Nehmen das überrascht zur Kenntnis!"
Man nehme die Ausstiegsentscheidung der Verbände "mit Respekt zur Kenntnis, wenngleich sie uns in dieser Form überrascht hat," heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Messe Friedrichshafen. Gleichwohl schimmert in der Stellungnahme ein ordentliches Maß an Unverständnis über den "Eurobike"-Abschied der beiden Branchenverbände durch: Man habe mit beiden Vereinigungen "einen intensiven und konstruktiven Austausch" gepflegt und "viele Anregungen in die Weiterentwicklung der Messe" aufgenommen. Wichtige Botschaft: Die Existenz der internationalen Fahrradmesse sei nicht gefährdet: "Wir sehen keine Gefahr für die Eurobike", heißt es in der Stellungnahme der Messe Friedrichshafen.
Stehlen asiatische Aussteller den deutschen Unternehmen die Show?
Brancheninsider erklären in Hintergrundgesprächen ergänzend, wo der Hase zwischen Eurobike-Veranstaltern und Branchenverbänden tatsächlich im Pfeffer liegt: Da ist einmal der Besucher-Rückgang der Eurobike um satte 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der einige Aussteller nervös werden lässt. Hinzu kommt der Charakter der "Eurobike" als Welt-Leitmesse der Fahrrad-Unternehmen, darunter auch viele Hersteller aus dem asiatischen Raum, die den deutschen "A-Marken" zu weilen die Show stehlen. Die Veranstalter wollen dagegen auch den Gästen aus Fernost ein attraktives Ausstellungsumfeld auf der "Eurobike" bieten.
Fahrradbranche kämpft mit vollen Lagern und Rabattschlachten
Und schließlich leidet die Branche seit Ende der Corona-Zeit an massiven Überschüssen: Die Lagerräume der Unternehmen sind voll mit Fahrrädern; auf dem Fahrradmarkt spielt sich seit längerem eine harte Preis- und Rabattschlacht ab. Vor diesem Hintergrund wünschen sich, heißt es aus Insiderkreisen, vor allem die Mitgliedsunternehmen der deutschen Branchenvertreter eine stärkere Fokussierung der "Eurobike" auf ihre eigenen Angebote.