Die Welt wäre heute eine andere, wäre Georg Elser mit seinem Vorhaben erfolgreich gewesen. Am 8. November 1939 verübte der Schreiner aus Königsbronn (Kreis Heidenheim) einen Sprengstoffanschlag auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München. Doch das Attentat scheiterte knapp. Am 9. April 1945, also vor 81 Jahren, wurde Elser von den Nationalsozialisten hingerichtet.
Der Ravensburger Musiker Michael Moravek hat unter dem Namen "Georg" ein Musikalbum über das Leben Elsers aufgenommen. Es wird am 10. April veröffentlicht. Die Musik hatte Moravek bereits für ein Theaterstück über Elsers Leben geschrieben.
Postkarte aus München als Thema für Song
Der erste Song des Albums "Postkarte aus München" beginnt mit den Worten "Ich grüße dich aus München. Es ist hier sehr schön." Doch bald zeigt sich, dass hier nicht um einen harmlosen Urlaubsgruß geht, wenn es weiter heißt: "Der Tyrann ist tot."
Elser schreibt an seinen Vater über ein geglücktes Attentat auf Adolf Hitler. Also anders als in Wirklichkeit. Jedoch haben Zollbeamte bei Elsers Fluchtversuch in Konstanz Richtung Schweizer Grenze neben Teilen eines Zünders tatsächlich auch eine unbeschriebene Postkarte vom Münchener Bürgerbräukeller bei ihm gefunden. Im Verhör sagte Elser, dass er die Karte seinem Vater schreiben wollte. Für den Musiker Michael Moravek eine entscheidende Leerstelle in Elsers Biographie.
Mich hat interessiert als Songwriter: Was hätte er geschrieben?
Elser plante Attentat auf Hitler alleine
Moravek sagt, dass Elser zu seinem Vater ein schwieriges Verhältnis hatte. Vor seiner Festnahme in Konstanz sei sich Elser sicher gewesen, dass sein Vorhaben geglückt sei. Ein fataler Irrtum, wie wir heute wissen. Die Bombe ging erst hoch, als Hitler den Bürgerbräukeller bereits verlassen hatte.
Elser war ein Einzelgänger, über sein Vorhaben hatte er mit niemandem gesprochen. Moravek hat sich daher für seine Songs überlegt, wie er die Lücken in Georg Elsers Biographie füllen kann.
Was fühlt so ein Mensch? Wie kommt ein einfacher Handwerker, der sehr talentiert ist, dazu zu sagen, das wird nicht gut. Das geht nicht gut, wie das läuft mit den Nazis.
Das habe Moravek sehr bewegt. Er begann damit, mehr über Elsers Leben zu recherchieren. Mit dem Regisseur und Schauspieler Bernd Wengert aus Konstanz entwickelte er zunächst das Theaterstück "13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte", das seit zwei Jahren an verschiedenen Orten aufgeführt wird. Moravek schrieb dafür die Songs, die er bei den Aufführungen auf einer Gitarre auch spielt und singt. Ein Album wollte er daraus ursprünglich nicht machen, weil er die Songs für zu schwergängig hielt. Bandkollegen und Theaterbesucher, die nach den Liedern fragten, stimmten ihn um.
Mischung der Musikstile auf Elser-Album
Die Songs des Bühnenstücks und zwei zusätzliche nahm Michael Moravek mit seiner Band Electric Traveling Show in einem Studio in der Nähe von Ravensburg auf. Moraveks Musik ist eine Mischung aus Genres wie Americana, Country und Blues. In den meisten Songs ist auch eine Zither zu hören. So eine hatte sich auch Georg Elser gebaut, als er im KZ Dachau einsaß, wie Moravek herausgefunden hat. Besonders für Moravek bei diesem Album war, dass er erstmals auf Deutsch singt. Bisher waren alle seine Alben auf Englisch. Das sei für ihn eine große Umstellung gewesen, sagt er.
Einige der Texte zeigen auch die Widersprüchlichkeit des Nazi-Regimes auf. Etwa im Stück "Knochenbrechen". Darin heißt es: "Und sie herzen ihre Kinder. Kämmen durch das wilde Haar. Sagen: 'Ich liebe dich für immer.' Und am Morgen sind sie wieder da und brechen dir die Finger." Die Beschäftigung mit solchen Themen hätten ihm einige schlaflose Nächte beschert, sagt Moravek. Auch wenn die Geschichte Georg Elsers eine sehr politische ist, eine spezielle Zielgruppe oder einen aktuellen zeitgeschichtlichen Grund für dieses Album sieht Moravek nicht. Ihn interessiere beim Songwriting die Inspiration und das sei bei der Geschichte von Georg Elser der Fall gewesen.
Georg Elser lebte und arbeitete auch am Bodensee
Der Kunstschreiner Georg Elser hatte auch einige Bezüge zur Bodenseeregion. Sieben Jahre lang war hier sein Lebensmittelpunkt. In den 1920er- und 1930er-Jahren arbeitete er bei Unternehmen am Bodensee, unter anderem beim Flugzeugbauer Dornier in Friedrichshafen-Manzell.
Als Schreinergeselle war er außerdem in verschiedenen Betrieben tätig - in Bernried bei Tettnang, Konstanz, Meersburg und Bottighofen (Schweiz). In Konstanz trat er auch dem Rotfrontkämpferbund bei, dem paramilitärischen Wehrverband der Kommunistischen Partei Deutschlands. An seine Flucht und Verhaftung in Konstanz erinnert dort ein Denkmal. Außerdem ist ein Platz in Konstanz-Petershausen nach ihm benannt.