In dieser Woche entscheidet der Kreistag im Bodenseekreis, welcher Bieter künftig den insolventen Klinikverbund Medizin Campus Bodensee (MCB) übernehmen soll. Schon vor der großen Entscheidung am Mittwoch hat das Thema den Gemeinderat in Friedrichshafen und den Kreistag Ravensburg beschäftigt.
Dieser beschloss am Dienstagabend die rechtlichen Grundlagen für eine mögliche Übernahme des Medizin Campus Bodensee durch den kreiseigenen Klinikverbund Oberschwabenklinik (OSK).
Der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen hatte bereits am Montag einstimmig entschieden, die Sanierung des Klinikums auch unter einem neuen Träger finanziell zu unterstützen - mit mindestens 44 Millionen Euro.
Zukunft des Medizin Campus Bodensee: Das stellen sich die Bieter vor
Zur Auswahl als künftiger Träger des Medizin Campus Bodensee stehen zwei Bieter: Zum einen handelt es sich eben um den Klinikverbund Oberschwabenklinik aus dem Kreis Ravensburg, zum anderen um die Schweizer AMEOS Gruppe. Beide haben laut den Sitzungsvorlagen unterschiedliche Pläne für die Standorte in Friedrichshafen und Tettnang.
Sollte die Oberschwabenklinik den Zuschlag erhalten, würde sie sich umbenennen und künftig Oberschwaben-Bodensee-Klinik (OBK) heißen: Ihr Konzept setzt auf ein Zusammenspiel der Krankenhausstandorte im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis. Das Klinikum Friedrichshafen würde rund 220 Betten halten. Am Aus für das Krankenhaus Tettnang ändert sich nichts. Die Oberschwabenklinik sieht jedoch eine Nachnutzung des Krankenhauses mit einem Medizinischen Versorgungszentrum und ambulanten Operationen vor.
Die AMEOS Gruppe hingegen konzentriert sich auf den Standort Friedrichshafen. Die bisherigen Leistungen sollen bestehen bleiben und ausgebaut werden. Geplant sind rund 340 Betten. Nach eigenen Angaben wäre die Ameos Krankenhausgesellschaft in Friedrichshafen kein kommerzieller Betreiber sondern gemeinnützig.
Ein Krankenhausbetrieb in Tettnang ist in den Plänen der Gruppe nicht vorgesehen. Eine Nachnutzung ist vertraglich nicht geregelt. In einer Pressemitteilung weist die AMEOS Gruppe jedoch auf ihre Pläne hin: Man wolle in Tettnang "umfassende ambulante medizinische Angebote etablieren, damit die wohnortnahe Gesundheitsversorgung langfristig sicher ist".
Klinik Friedrichshafen - neues Krankenhaus soll gebaut werden
Beide Bieter setzen auf einen Klinikneubau in Friedrichshafen. In beiden Konzepten sind zudem Gelder vom Bodenseekreis und der Stadt Friedrichshafen eingeplant. Während der Bodenseekreis bei der Oberschwabenklinik noch Plätze im Aufsichtsrat besitzen würde, gäbe es diese bei der AMEOS Gruppe nicht.
Landrat gibt Empfehlung für künftigen Krankenhaus-Träger ab
Schon vor der Kreistagssitzung haben sich Politiker aus der Region zu der Abstimmung geäußert. Der Landrat im Bodenseekreis Luca Wilhelm Prayon (CDU) spricht sich für einen Zusammenschluss mit der Oberschwabenklinik aus. In einer Pressemitteilung betont er unter anderem die kommunale Trägerschaft. Zudem würden die Oberschwabenklinik und der bisherige Medizin Campus Bodensee künftig nicht mehr in Konkurrenz zueinander stehen. Als Landrat ist er allerdings selbst nicht stimmberechtigt.
Für die Oberschwabenklinik als Bieter möchte sich auch die SPD-Kreistagsfraktion aussprechen. Nur ein Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft biete eine hochqualifizierte stationäre Versorgung, bei der nicht immer wieder Renditeerwartungen im Hintergrund mitentscheidend seien, hieß es in einer Pressemitteilung.
Auch der Gemeinderat in Tettnang (Bodenseekreis) bevorzugt eine kommunale Lösung. In einer Stellungnahme hatten sich die Abgeordneten an den Kreistag gewandt. Darin werben sie dafür in der Entscheidung, die künftige Rolle des Standortes Tettnang mitzubedenken.