Besonders viele Wasservögel gibt es derzeit im Ermatinger Becken (Kanton Thurgau). Der Naturschutzbund NABU am Bodensee bittet daher derzeit um besondere Rücksicht. Denn bis zu 15.000 Höckerschwäne, Schnatterenten und Blässhühner, zudem bis zu 4.000 seltene Kolbenenten schließen sich laut NABU während der Mauser im Sommer in der geschützten Flachwasserzone zwischen der Insel Reichenau und Konstanz zu Gruppen zusammen.
Der niedrige Pegel macht es den Vögeln schwerer
Wo das Wasser um diese Jahreszeit normalerweise bis in den Schilfgürtel reicht, ist es in diesem Jahr trocken, sagte Lisa Maier vom Nabu Bodenseezentrum dem SWR. "Diese Flachwasserzonen spielen eine große Rolle während der Mauser, weil dort Nahrung relativ leicht verfügbar ist und die Vögel vor Störungen weitgehend geschützt sind", so die Vogelexpertin. Diese Verstecke könnten die Tiere in diesem Jahr wegen der Trockenheit weniger gut nutzen.
Wasservögel in der Mauser: Federn zum Fliegen fehlen
Abheben können die Vögel bei Gefahr derzeit nicht, denn in der Mauser verlieren sie auch ihre Schwungfedern, also die Federn, die sie zum Fliegen brauchen. Und bis die nachgewachsen sind, dauert es einige Wochen. Für die Tiere ist diese Zeit daher kritisch. Wenn die Vögel aufgescheucht werden, kann das ernsthafte Folgen für sie haben. Deshalb sollten Wassersportler sich diesen Vogelgruppen nicht nähern, also Abstand zum Schilf halten und die Naturschutzgebiete beachten, so der NABU.
Störungen beeinträchtigen die Vögel langfristig
Damit die Federn nach einigen Wochen wieder vollständig erneuert sind, brauchen die Vögel viel Energie, so Maier. Wenn sie dann auch noch vor störenden Wassersportlern über den See flüchten müssen, verbrauchen sie zusätzlich viel Kraft: "Das kann zu einer schlechteren Fitness der Vögel für das ganze kommende Jahr führen". Das könne sich im schlimmsten Fall auf die Überlebens-Chancen der Tiere im Winter auswirken.
Der Bodensee ist ein wichtiges Mausergebiet
"Der Bodensee hat immer eine große Bedeutung für Wasservögel, aber zur Zeit der Mauser spielt er eine besonders große Rolle", so Maier. Gerade seltene Arten wie die Kolbenenten finden in den Flachwasserzonen Unterschlupf. Das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried zwischen Insel Reichenau und Konstanz sei das zweitgrößte Mausergebiet für die Enten in Süddeutschland.