Neurologische Rehabilitation für Kinder und Jugendliche

Erstes pädiatrisches Exoskelett Deutschlands: Aus dem Rollstuhl auf die Beine

Im Hegau-Jugendwerk Gailingen steht Kindern mit neurologischen Erkrankungen erstmals ein pädiatrisches Exoskelett zur Verfügung. Was bewirkt die robotische Gehilfe im Alltag?

Teilen

Stand

Von Autor/in Esther Leuffen

Als erste Reha-Klinik in Deutschland und im gesamten deutschsprachigen Raum setzt das Hegau-Jugendwerk in Gailingen (Kreis Konstanz) nach eigenen Angaben ein pädiatrisches Exoskelett in der Therapie für Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen ein. Pädriatisch bedeutet: Es ist speziell für Kinder entwickelt. Die robotische Gehhilfe unterstützt Kinder, die normalerweise im Rollstuhl sitzen, erstmals selbstständig zu stehen und zu gehen.

Robotische Gehhilfe speziell für Kinder mit neurologischen Erkrankungen

Das Exoskelett Atlas 2030 wurde von einer spanischen Robotikfirma speziell für Kinder mit neurologischen Erkrankungen entwickelt. Zielgruppe sind Kinder mit einer Körpergröße von etwa 90 bis 140 Zentimetern. Die robotergestützte Konstuktion umfasst den Körper vom Rumpf bis zu den Füßen und verfügt über acht aktive Gelenke, die die Funktion menschlicher Muskeln nachahmen. Die spanische Robotik-Ingenieurin Elena Garcia-Armada war mit ihrem weltweit ersten anpassungsfähigen Roboter-Exoskelett für Kinder 2022 als Finalistin für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

Robotische Gehilfe für Kinder ein Quantensprung in der Rehabilitation

Stefan Daub leitet die Physiotherapie im Hegau-Jugendwerk. Er lernte die Technologie auf einer internationalen Tagung kennen und setzte sich danach für die Anschaffung in Gailingen ein.

Die robotische Gehhilfe ist ein Quantensprung in der Rehabilitation

Laut dem Hegau-Jugendwerk zeigen Studien, dass die robotische Gehhilfe die Mobilität verbessert, also die Beweglichkeit, aber auch die Motorik stärkt, nachhaltigen Kraftaufbau fördert und Spastiken, also unkontrollierte Muskelspannungen, reduzieren kann. Durch die begleitende Software ließen sich Fortschritte wie Schrittzahlen erkennen und dokumentieren. Außerdem könnten die Therapeutinnen und Therapeuten direkt vor dem Kind interagieren; Motivation, Aufmerksamkeit und Interaktion stiegen so deutlich.

Diese gesundheitlichen Effekte wirkten sich auch positiv auf schulische Aufmerksamkeit und soziale Teilhabe aus, heißt es aus Gailingen. Das Exoskelett ist zudem an unterschiedliche Krankheitsbilder und Wachstumsphasen anpassbar und kann so bei verschiedenen Kindern im Hegau-Jugendwerk eingesetzt werden.

Die robotische Gehilfe für Kinder und Jugendliche kostet 190.000 Euro und konnte nur durch Spenden angeschafft werden. Der Einsatz soll mit umfangreichen Studien begleitet werden.

Neurologische Rehabilitation im Hegau-Jugendwerk

Das Hegau-Jugendwerk GmbH in Gailingen liegt rund 20 Kilometer vom Bodensee entfernt. Es wurde als bundesweite Modelleinrichtung speziell für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit neurologischen Erkrankungen gegründet - also für die Behandlung von Erkrankungen von Gehirn und Nerven. Es verfügt insgesamt über 203 Betten. Träger ist der Gesundheitsverbund des Landkreises Konstanz.

Das Angebot des Hegau-Jugendwerks reicht von der Frührehabilitation bis zur schulischen und beruflichen Wiedereingliederung. Durch Rooming-In und Angehörigenzimmer können Eltern und Geschwistern während der Rehabilitation mit vor Ort sein. Auch sie bekommen Unterstützung und Beratung für den Alltag mit einem erkrankten Familienmitglied.

Konstanz

Trotz Übernahme-Aus des Herz-Zentrums Bodensee Herzchirurgie soll in Konstanz bleiben

Die Übernahme des insolventen Herz-Zentrums Bodensee ist gescheitert. Der Klinikverbund des Kreises Konstanz will dennoch an Plänen für eine eigenen Herzchirurgie in Konstanz festhalten.

Konstanz

Versorgung künftig im Klinikum Trotz Insolvenz des Herz-Zentrums: Herzchirurgie bleibt in Konstanz

Die Herzchirurgie in Konstanz ist gerettet. Nach der Insolvenz des privaten Herz-Zentrums werden Herzpatienten künftig im Klinikum Konstanz behandelt. Das Land hat zugestimmt.

Singen

Bleibende Schäden und Behinderungen Klinik in Singen macht mit Puppe auf Folgen von Schütteltrauma aufmerksam

Am Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen gibt es jetzt eine sogenannte Schüttelpuppe. Die Baby-Puppe soll zeigen, welche Schäden bleiben können, wenn kleine Kinder geschüttelt werden.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Esther Leuffen
SWR-Redakteurin Esther Leuffen Autorin Bild

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!