In Lindau sind jetzt 90 Werke von Pablo Picasso zu sehen. Gezeigt werden im Lindauer Stadtmuseum "Cavazzen" bis November Zeichnungen und Keramiken, die der spanische Künstler in sechs Jahrzehnten schuf. Die meisten stammen aus privaten Sammlungen und sind sonst nicht öffentlich zu sehen.
Der Rottenburger Picasso-Kenner Roland Doschka hat die Leihgaben vermittelt. Der 85-Jährige kuratiert seit 2011 äußerst erfolgreiche Ausstellungen zur Klassischen Moderne in Lindau. Sie zogen bisher mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher an. Werke von Pablo Picasso waren bereits 2011 und 2016 in Lindau zu sehen.
Picasso ist einer der einflussreichsten und innovativsten Künstler gewesen, die es in der Kunstgeschichte je gab. Und ich glaube, wir könnten -zig Picasso-Ausstellungen machen, man würde immer wieder was Neues entdecken.
Picasso zeichnete Szenen vom Stierkampf, Faune und Tanzende
Vor intensiv dunkel farbigen Wänden, rot und grün, inszeniert sind beispielsweise eine Frauenbüste, die Picasso als 13-Jähriger mit Bleistift und Kohle vollendet zeichnete, drei Figuren, die er zum Spielen mit seinen Kindern aus Karton ausschnitt und bemalte, und eine Serie kleinformatiger Schwarz-Weiß-Szenen eines Stierkampfes, den Picasso nicht als Schauspiel, sondern als Tragödie empfand.
Den Zeichnungen sind große bemalte Teller, Krüge und Vasen gegenübergestellt. Nackte Tanzende zum Beispiel - die Gesäße genau dort, wo die Vase ausladend wird. Pablo Picasso sei in den späten 1940er-Jahren, als er nach Vallauris zog, in einer Keramikwerkstatt erstmals mit Ton in Berührung gekommen, sagt Sophie Sümmermann, die die Ausstellung gemeinsam mit Roland Doschka kuratiert hat.
Anfänglich malt er auf Keramikteller und Platten und Krüge und dann geht das aber weiter. Es entstehen nicht nur Zeichnungen auf Objekten, sondern die Objekte werden eigentlich zu Formen, zu Tieren, zu Fabelwesen, zu Figuren, zu Tanzenden und das kann man hier ganz schön erleben.
"Picasso. Handmade" ist die erste Sonderausstellung im umfassend sanierten Lindau Stadtmuseum. Der "Cavazzen" war mehrere Jahre deshalb nicht zugänglich.
Für die Eröffnung der Ausstellung war ein Teil der Lindauer Insel gesperrt, es gab eine Videoprojektion vor dem "Cavazzen" und Live-Musik. Laut Stadt kamen rund 2.500 Menschen zur Vernissage.