Polizei warnt vor Betrügern im Internet

Immer mehr Menschen im Bodenseekreis werden Opfer von Anlagebetrug

Beim Geldanlagenbetrug über das Internet meldet das Polizeipräsidium Ravensburg steigende Fallzahlen. Ein Schwerpunkt ist Überlingen, wo viele wohlhabende Menschen ihren Ruhestand erleben.

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Von Autor/in Thomas Wagner

Kriminelle Banden zocken immer häufiger Bürgerinnen und Bürger aus dem Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg im Internet ab. Im Bodenseekreis liegt nach Ermittlerangaben die Schadenssumme zwischen Januar und August bei 3,5 Millionen Euro, mehr als im gesamten Vorjahr. In Baden-Württemberg verzeichnen die Behörden einen Anstieg der Fallzahlen beim Online-Anlagenbetrug um über 400 Prozent auf über 1.000 gemeldete Fälle. 

In diesem Fall sind die Ermittlungsakten längst noch nicht geschlossen: Eine 27-jährige Frau aus dem Bodenseekreis gerät über Facebook an eine WhatsApp-Gruppe von - angeblich - besonders gewieften Fachleuten mit guten Tipps zur Geldanlage. Insgesamt 70.000 Euro überweist die Frau auf ein spezielles Konto, garniert von hohe Rendite-Versprechungen. Und dann das bittere Ende: Das Geld verschwindet auf Nimmerwiedersehen; die Frau stellt Strafanzeige. Die Ermittlungen laufen.

Dating-Portal als Geld-Falle

Ein anderer Fall: Ein Mann, Mitte 50, wiederum aus dem Bodenseekreis, verliebt sich im Internet über ein so genannten Dating-Portal in ein junges Mädchen aus Fernost. Das Problem dabei: So hübsch die Asiatin auf Fotos und Videos auf erscheinen mag, so groß ist ihr Geldbedarf. Um die 800.000 Euro überweist der Mann auf ein ausländisches Konto. Erst allmählich dämmert es ihm: Mit der großen Liebe wird es nichts. Stattdessen ist er einer Betrügerbande aufgesessen.

Beide Fälle haben sich, so Temesgen Asefaw, Experte für Wirtschaftskriminalität beim Polizeipräsidium Ravensburg, erst in jüngster Zeit ereignet. Und seine Aktenordner geben den Stoff her für viele Geschichten ähnlicher Art. Denn: Die Fallzahlen für Anlagebetrug im Internet gehen sprunghaft in die Höhe, ebenso wie die Schadenssumme. Im Bodenseekreis wurden allein von Januar bis August Betroffene um eine Summe von 3,5 Millionen Euro gebracht - mehr als im gesamten Jahr 2024. "Und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich darüber liegen," sagt Temesgen Asefaw. Denn viele Betroffene bringen ihren Schaden aus einem Schamgefühl heraus gar nicht zur Anzeige.

Zunehmend jüngere Menschen von Anlagebetrug im Internet betroffen

Dabei macht Temesgen Asefaw zwei Trends aus: Die Schadenssumme als Folge von Online-Anlagenbetrug steigt rasant an. "Und die Betroffenen werden immer jünger", so der Ermittler. Früher waren es vor allem ältere Menschen, die mit dubiosen Renditeversprechen im Internet geködert und geprellt wurden. "Heute sind es auch die 18- bis 30-Jährigen", stellt Asefaw fest - genau jene Altersklasse, die sich besonders häufig auf sozialen Netzwerken im Internet bewegt. Daraus ergebe sich auch eine gewisse Anfälligkeit.

Doch auch ältere Menschen werden durch derlei Machenschaften häufig um ihr Erspartes gebracht. Ein Hotspot, aus dem besonders viele Anzeigen eingingen, sei Überlingen im westlichen Bodenseekreis - genau jene Stadt, die besonders attraktiv ist als Alterswohnsitz für wohlhabende Ruheständler aus allen Ecken der Republik. Und die sind nach den Erkenntnissen der Polizei auch eine potenzielle Beute für Anlagenbetrüger.

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Mit einer gezielten Informationskampagne will das Polizeipräsidium Ravensburg dagegenhalten. Denn: Ist ein Geldbetrag erst einmal überwiesen, sind die Bandenmitglieder, die hinter dem Betrug stehen, auch schnell über alle Berge. Und die Fahndungserfolge nach häufig aus dem Ausland agierenden Internet-Betrügern halten sich in sehr überschaubaren Grenzen, geben die Ermittler vor Ort zu.

Daher setzen sie auf Prävention: Betroffene sollen „den Braten riechen“, wenn ihnen ein verdächtiges Angebot begegnet. Verdachtsmomente sind: Hohe und unrealistische Rendite-Versprechen bei angelegten Geldbeträgen. "Das geht ab 10 Prozent aufwärts los", so Thomas Wurst von der Kriminalprävention Friedrichshafen. Auch wenn eine Anlage in Krypto-Währungen empfohlen wird, sollte man vorsichtig sein. 

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Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild

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