In unserer Sommerreportage-Serie "Raus in die Region" hat SWR-Reporter Florian Peking aus dem Studio Friedrichshafen sich umgesehen und ganz unterschiedliche Menschen rund um Beuron (Kreis Sigmaringen) getroffen.
Die Kletterenthusiastin ist begeistert von den steilen Felsen des Donautals
Gleich an der Straße neben einer steilen Haarnadelkurve treffen wir Katja Schaudt. Sie ist begeisterte Kletterin und engagiert sich mit einer Gruppe von Gleichgesinnten dafür, dass die Felsen von Sportbegeisterten sicher genutzt werden können. Auch jetzt würde sie am liebsten hoch hinaus auf einen der Felsen, die über uns thronen: "Ich will gleich gar nicht weiterfahren". Die Felsen sind eines der ältesten Kletterreviere in Deutschland, erklärt sie, und sie waren für sie ein wichtiges Argument, in die Gegend zu ziehen.
30 der 300 Felsen seien für Klettertouren freigegeben, erklärt sie. Für jeden Schwierigkeitsgrad sei etwas dabei, die Touren sind mit Schwierigkeitsgrad angeschrieben und mit Sicherungspunkten versehen. Dreimal die Woche sei sie am Felsen. "Man vergisst einfach alles andere beim Klettern, das ist Meditation in der Bewegung", schwärmt Schaudt. Und von oben habe man immer eine besonders schöne Sicht auf das Tal mit der Donau.
Der Bootsverleiher wartet auf schlechteres Wetter
Ganz unten, direkt am Fluss, wartet Ricardo Süßmuth auf uns. Normalerweise wäre er mitten in den Sommerferien gerade beschäftigt damit, Kanus auszuleihen und Schwimmwesten auszugeben. Er betreibt das Familienunternehmen "Donautal Touristik", das Kanu-Touren von Beuron flussabwärts anbietet. "Das Besondere bei uns ist, dass Touristen sich einfach ihr Boot ausleihen können und es dann an irgendeinem der Ausstiege weiter unten abgeben können – je nachdem, wie lange sie eben paddeln möchten", erklärt er.
Derzeit hätten die Boote aber nicht einmal einen Fingerbreit Wasser unter dem Kiel. Es ist Niedrigwasser, die Boote können nicht starten. Der Pegel der Donau ändere sich schnell. Oft könne Süßmuth erst am Abend vorher sagen, ob Touren stattfinden können. Hat es abends mindestens 53 Zentimeter Wasser am Messpunkt, könnten sich die Touristen auf eine Fahrt zwischen den Felsen freuen.
Beten, arbeiten und lesen im Donautal
Pater Albert Schmidt hat sein Leben ganz der Religion gewidmet. Er ist Mönch im Kloster Beuron. Gut gelaunt führt er uns in einen kleinen Raum gleich neben dem Kreuzgang im Inneren der Klosteranlage. 31 Benediktiner lebten hier, erklärt er, einer davon ist Novize, also noch kein fertiger Mönch. Die Benediktiner gestalten ihre Tage nach den Prinzipien des Ordens: "Die meisten Menschen kennen 'ora et labora', bete und arbeite, aber der dritte Punkt, lies, ist genauso wichtig". Dafür haben die Mönche eine Bibliothek mit 450.000 Büchern – und einen eigenen Klosterverlag. Der ist einer der Arbeitsbereiche, in denen sich die Mönche betätigen. Außerdem gibt es beispielsweise den Klostergarten oder die Bewirtung von Gästen.
Denn im Kloster Beuron im Kreis Sigmaringen können Pilger und andere Gäste auch übernachten. Das Kloster bietet außerdem Seminare für unterschiedlichen Themen an. Vornehmlich ist das Kloster dann ein Ort, an dem die Menschen Stille suchten. Tritt man ein, hallt jeder Ton, es riecht nach altem Gemäuer und von außen dringt kaum ein Geräusch nach innen. "Gerade erst hat mich ein Gast gefragt, ob er für eine Woche sein Handy in meinem Büro liegen lassen kann", erzählt Pater Albert. Da sei es dann geblieben, für den Gast sei das eine Befreiung gewesen. Das einzig laute Geräusch ist dann die Glocke, die die Mönche zum Gebet in die Kirche ruft:
Nachts allein im Donautal
Wenn es Abend wird, kann das Abenteuer im Wald erst beginnen. Auf den Trekkingcamps des Naturparks Obere Donau kann im Wald gecampt werden – und das legal. "Wir erreichen damit die, die nicht illegal im Wald schlafen wollen, oder das schon machen würden, sich aber lenken lassen", lacht Bernd Schneck. Er ist Geschäftsführer des Naturparks Obere Donau. Er findet, dass so ein Naturerlebnis der beste Weg zum Naturschutz ist. Denn ein Erlebnis in der Region abseits des üblichen Komforts gebe es ansonsten selten.
Trotzdem müssen Besucherinnen und Besucher nicht auf alles verzichten, es gibt eine Feuerstelle, ein paar Bänke und 50 Meter entfernt eine Toilette in einem kleinen Häuschen. Die Menschen wüssten das zu schätzen: "Erfahrene Förster haben mir erzählt, dass es noch nie Probleme mit Müll gab." Um einen der Plätze an geheimem Ort kümmert sich Harald Kaut. "Junge Leute machen das ganz bewusst, sie kommen mit Bus und Bahn und schlafen dann hier, um möglichst wenig negativen Einfluss zu haben". Und können dann mit ein bisschen Glück in Stille und Mondschein vielleicht noch besser schlafen.