Wie sieht ein Wurmloch aus? Diese Frage hat sich der heute 19-jährige Janosch Homolya aus Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt. Am Schülerforschungszentrum Südwürttemberg entwickelte er eine Software, die ein solches Wurmloch sichtbar macht. Sein Projekt brachte ihm den ersten Platz bei "Jugend forscht" und gibt Einblicke in die Geheimnisse des Universums.
Junger Forscher mit Leidenschaft für das Universum
In seinem Zimmer deutet zunächst nichts auf ein außergewöhnliches Hobby hin: Eine Gitarre in der Ecke, ein paar Skateboards und ein Schreibtisch mit Computer. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt kleine Raumschiffe, die von der Decke baumeln - ein erster Hinweis auf Janosch Homolyas Leidenschaft für das Universum, Zeitreisen und theoretische Physik.
Mit gerade einmal 19 Jahren hat der frischgebackene Abiturient etwas erreicht, wovon viele nur träumen können: Er hat eine eigene Software entwickelt, die Wurmlöcher simuliert - und damit den ersten Platz beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" gewonnen.
Ein Wurmloch - was ist das?
Wurmlöcher seien Abkürzungen durch die Raumzeit, erklärt Janosch im SWR-Interview. "Wenn man eine große Entfernung zurücklegen will, könnte man theoretisch den Raum krümmen und einen Tunnel schaffen, der zwei weit entfernte Orte verbindet." Diese Idee basiert auf den Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein. Wurmlöcher existieren bisher nur in der Theorie - sie wurden in der Realität noch nie beobachtet.
"Dem Ganzen liegen die richtigen physikalischen Grundprinzipien zugrunde", erklärt Janosch. Ob es Wurmlöcher tatsächlich gibt, ist schwierig zu sagen - möglich wäre es. Und wenn es sie gibt, dann müssten sie nach den Regeln von Einstein ungefähr so aussehen, wie er es simuliert hat.
Wissenschaft trifft auf Science-Fiction
Inspiriert vom Film "Interstellar" von Regisseur Christopher Nolan begann Janosch vor zwei Jahren, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen: Wie würde ein Wurmloch aussehen, wenn man es sehen könnte und wenn man hindurch fliegt? Seine Antwort darauf ist eine Software, die mithilfe unzähliger Gleichungen und Variablen die Lichtstrahlen in einem Wurmloch zurückverfolgt und auf die Weise visualisiert, was ein Betrachter sehen würde.
"Es tauchen coole, anschauliche Effekte auf", erzählt Janosch. Man sieht durch den Tunnel des Wurmlochs, kann den Startpunkt hinter sich lassen und sich dem Ziel nähern. Die Simulation wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film und lässt die Betrachter förmlich durch das Universum fliegen.
Eine preisgekrönte Simulation durchs Weltall
Das aufwendige Projekt machte Janosch am Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau, wo er zwei Jahre an seiner Simulation forschte. Der Einsatz hat sich gelohnt: Beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" belegte er den ersten Platz. Doch für Janosch steht nicht nur der Erfolg im Mittelpunkt, sondern vor allem die Faszination an der Wissenschaft. "Es geht darum, sich für etwas zu begeistern, auch wenn es vielleicht nicht sofort praktisch relevant ist", sagt er.
Richtig relevant ist es jetzt nicht, aber es ist einfach super interessant. Und das Interesse und die Faszination daran, das ist ja irgendwo die Grundlage der Wissenschaft.
Auch wenn es manchmal schleppend war und zwischendrin auch besonders anstrengend: Immer wieder neu motiviert habe ihn, wenn dann mal ordentliche Bilder rausgekommen seien, so der 19-Jährige. "Dass es irgendwann mal funktioniert hat - das war der Grund, warum ich weitergemacht und immer wieder Spaß dran gefunden habe".
Hohe Physik auch Laien verständlich machen
Für die meisten ist die hohe Physik, mit der Janosch forscht, unverständlich. Über das komplexe Thema kann er sich trotzdem mit fast allen unterhalten, sagt er. Wichtig sei es, die Inhalte auf einem niedrigeren Niveau erklären zu können. So hatte er zum Beispiel auch bei einem Besuch an einer Grundschule viel Spaß daran, Kindern sein Projekt vorzustellen. "Da kann ich natürlich nicht die ganzen mathematischen Dinge dahinter erklären. Aber Grundlagen - das geht schon."
Im Oktober beginnt Janosch sein Physikstudium an der Universität Ulm. Sein Ziel: weiter forschen und irgendwann promovieren. Ein echtes Wurmloch wird er in seinem Leben vermutlich trotzdem nicht sehen. "Vielleicht braucht es noch sechs bis sieben Generationen an Wissenschaftlern, bis wir wirklich verstehen, wie Wurmlöcher funktionieren - oder ob sie überhaupt existieren", meint er.
Dennoch zeigt seine Arbeit, wie Wissenschaft und Faszination Hand in Hand gehen können - und wie junge Menschen wie Janosch bereits jetzt die Grenzen des Vorstellbaren erweitern.