Die Schweizer AMEOS Gruppe wird neuer Träger des insolventen Medizin Campus Bodensee mit Sitz in Friedrichshafen. Das hat der Kreistag des Bodenseekreises am Mittwochabend nach zweieinhalbstündiger Debatte in namentlicher Abstimmung entschieden. 30 Kreisrätinnen und Kreisräte stimmten für AMEOS als neuen Eigentümer. Nur 27 votierten für den Oberschwabenklinikverbund (OSK) mit Sitz in Ravensburg. Die OSK kommt damit beim Medizin Campus Bodensee nicht zum Zug.
Landrat Prayon: "Enttäuschung ist groß!"
"Die Enttäuschung ist schon groß", sagte der Landrat des Bodenseekreises, Luca Wilhelm Prayon, nach der Abstimmung. Er hatte sich zuvor für die "kommunale Lösung", also für ein Zusammengehen mit der Oberschwabenklinik des Kreises Ravensburg ausgesprochen. "Das wäre für uns und die Region die bessere Lösung gewesen", so Prayon. Nun sei aber ein "demokratischer Entscheid" getroffen worden - und auch AMEOS stehe für eine gute medizinische Versorgung.
Der Abstimmung vorausgegangen war eine zweieinhalbstündige, kontroverse Debatte darüber, wer zukünftiger Träger des Friedrichshafener Klinikums werden soll. Es war im vergangenen Jahr in eine Planinsolvenz geraten. Die CDU-Fraktion zeigte sich in der Frage gespalten. Die Freien Wähler sprachen sich mehrheitlich für AMEOS aus, ebenso wie die FDP und die AfD. SPD und Grüne stimmten für ein Zusammengehen mit der OSK.
Pro und contra für AMEOS und Oberschwabenklinik
In der Aussprache stießen die Argumente, die einerseits für AMEOS und andererseits für die Oberschwabenklinik sprachen, diametral aufeinander. Für AMEOS spreche ein besseres gesundheitliches Angebot - und auch die Tatsache, dass das Unternehmen einen geplanten Klinik-Neubau ohne finanzielle Zuschüsse des Bodenseekreises stemmen wolle, so die Befürworter der AMEOS-Lösung.
Gegen AMEOS wurde das Argument vorgetragen, dass es sich um ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen handele, das vor allem seine eigenen Profitinteressen im Auge habe. So stünden an anderen AMEOS-Standorten die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten immer wieder in der Kritik. Und: AMEOS habe keine verbindliche Perspektive für die Zukunft des Campus-Standortes Tettnang vorgelegt, so die Kritiker.
Die Befürworter einer Übernahme durch die Oberschwabenklinik hingegen begründeten ihre Haltung so: Durch das Zusammengehen mit Friedrichshafen könne Gesundheitsvorsorge arbeitsteilig und damit effizienter als bisher angeboten werden. Ein solcher kommunaler Klinikverbund sei zudem im Sinne der geplanten Gesundheitsreform des Bundes. Und schließlich: Die Oberschwabenklinik wolle den Standort Tettnang als ambulantes Operationszentrum weiterbetreiben.
Oberschwabenklinik wollte hohen Zuschuss für Klinik-Neubau
Gegen die OSK als neuer Eigentümer des angeschlagenen Friedrichshafener Medizin Campus Bodensee wurde angeführt, dass deren Konzept eine Verlagerung medizinischer Angebote von Friedrichshafen nach Ravensburg und Wangen (beides Standorte der OSK) vorgesehen hatte. Zudem hätte der Bodenseekreis für einen geplanten Klinikneubau in Friedrichshafen einen Zuschuss von rund 100 Millionen Euro bereitstellen müssen.
Wir müssen jetzt mit AMEOS sprechen – und zügig mit den weiteren Schritten vorankommen.
Das Votum des Kreistages für den AMEOS-Konzern in der Schweiz und gegen die Oberschwabenklinik des Kreises Ravensburg gilt als große Überraschung. Sowohl in Ravensburg als auch in Friedrichshafen hatten sich die Betriebsräte für ein kommunales Zusammengehen ausgesprochen.
Und dennoch blickt Landrat Luca Wilhelm Prayon in die Zukunft: "Wir müssen jetzt mit AMEOS sprechen – und zügig mit den weiteren Schritten vorankommen.“ Als nächster Schritt muss nun der Gläubigerausschuss der Übernahme zustimmen, was nach Angaben des Landrates als Formsache gilt.
Erste Reaktion von der Oberschwabenklinik
Noch am Mittwochabend reagierte die Oberschwabenklinik mit einer Pressemitteilung. Man respektiere die Entscheidung, hieß es. Der Ravensburger Landrat Harald Sievers erklärt darin, die Oberschwabenklinik bleibe ein leistungsfähiges Unternehmen mit klarer Verantwortung für die medizinische Versorgung im Landkreis Ravensburg. Der Geschäftsführer der Oberschwabenklinik, Franz Huber betont in der Mitteilung, die OSK werde weiterhin an der Versorgung im Bodenseekreis mitwirken, beispielsweise über ihre Medizinischen Versorgungszentren in Friedrichshafen und Tettnang.