Der Betrieb der Klinik Tettnang (Bodenseekreis) wird zum 31. Mai eingestellt. Das teilt der Klinikverbund Medizin Campus Bodensee (MCB) mit.
Betroffen von der Schließung sind 325 Beschäftigte. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und andere notwendige Vereinbarungen seien bereits terminiert, heißt es vom MCB.
Mehrere Abteilungen der Klinik sind schon geschlossen
Das Aus der Klinik Tettnang kommt nicht ganz überraschend. Bereits im Januar hatte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) dem SWR gesagt, dass er für den Klinikstandort keine Zukunft sehe. Im Januar war die Innere Medizin geschlossen worden und seit diesem Monat gibt es auch keine Geburtsstation mehr in Tettnang.
Eigentlich sollte das Krankenhaus sogar schon Ende April geschlossen werden, wie es in der Mitteilung heißt. Allerdings überbrücke die Stadt Friedrichshafen "trotz eigener klammer Kassen" den nach wie vor defizitären Krankenhausbetrieb der Klinik Tettnang für einen Monat finanziell.
Schließung der Klinik Tettnang muss vielleicht sogar vorgezogen werden
Trotzdem kann es laut MCB sein, dass die Klinik noch vor dem 31. Mai den Betrieb einstellen muss. "Sollte in den kommenden Wochen nicht mehr ausreichend Personal in der Klinik Tettnang im Dienst sein, müssen wir die Schließung möglicherweise sogar vorziehen", sagt Geschäftsführer Jan-Ove Faust.
Seit der Schließung der Inneren Medizin in Tettnang seien einige Mitarbeiter ans Klinikum Friedrichshafen gewechselt, so eine MCB-Sprecherin. Auch an der Oberschwabenklinik sind bereits Beschäftigte aus Tettnang eingestellt worden, sagte ein OSK-Sprecher.
Nach Angaben des MCB waren die Mitarbeitenden der Klinik Tettnang über die geplante Schließung im Januar informiert worden. Der Klinikverbund verweist auf die "immer schiefere Finanzlage der Klinik". Ein Betriebsrat der Klinik Tettnang dagegen sagte dem SWR, dass die Mitarbeitenden keineswegs bereits im Januar über die Schließung informiert worden seien.
Beschäftigte hoffen auf neues Konzept am Standort
Die Stimmung in der Klinik sei nach der Nachricht über das Aus anders als sonst. Einige Beschäftigte hofften jetzt darauf, weiter in Tettnang arbeiten zu können, sollte die Oberschwabenklinik (OSK) den MCB übernehmen, so der Betriebsrat. Die OSK plant ein ambulantes Operationszentrum in Tettnang.
Hintergrund der Schließung ist die anstehende Umstrukturierung des insolventen Klinikverbundes, der sich bis Ende 2025 in Trägerschaft der Stadt Friedrichshafen befand.
Keiner der Investoren will Klinik als Krankenhaus weiterführen
Aktuell läuft die Suche nach einem Investor. Man habe den Betrieb der Tettnanger Klinik bis 1. Juni sichern wollen, um "einem möglichen Investor keine Steine in den Weg zu legen", so der MCB. Jedoch sehe keiner der beiden im Bieterverfahren verbliebenen Investoren eine Weiterführung der Klinik Tettnang als Krankenhaus vor.
Mitte Mai soll Klarheit herrschen, wer den Medizin Campus übernimmt. Am 13. Mai entscheidet der Kreistag in öffentlicher Sitzung über die künftige Trägerschaft. Dann soll auch klar sein, ob die Klinik Tettnang komplett geschlossen wird oder ob dort - so wie es das Konzept OSK vorsieht - ein ambulantes Operationszentrum entsteht. Für den Fall, dass der neue MCB-Eigner kein Interesse am Klinikareal zeigt, hat sich die Stadt Tettnang ein Vorkaufsrecht gesichert.