Die Dimensionen der Weltraummission LISA klingen spektakulär. Im Weltraum sollen drei Satelliten ein gigantisches Dreieck bilden. Jeweils 2,5 Millionen Kilometer voneinander entfernt, messen sie mithilfe eines am Bodensee entwickelten Lasersystems den Abstand zueinander. Das Ziel: sogenannte Gravitationswellen erfassen. So sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein tieferes Verständnis des Universums erhalten.
Firma vom Bodensee auf Lasertechnik spezialisiert
Entstehen soll das dafür notwendige Lasersystem bei der Firma SpaceTech aus Immenstaad (Bodenseekreis). Nach Unternehmensangaben ist es mit einem Volumen von rund 250 Millionen Euro der größte Auftrag in der Firmengeschichte. Für Geschäftsführer Wolfgang Pitz ist es ein Meilenstein: "Bisher waren wir Lieferant für Teile von komplexen Instrumenten, jetzt bauen wir selbst ein äußerst komplexes Instrument."
Erfahrung im Bereich der Laserabstandsmessung hat das Unternehmen aus Immenstaad am Bodensee bereits seit über 15 Jahren gesammelt. Auch an der Mission GRACE war es beteiligt. Hier ging es um die Messung des Abstandes von zwei Satelliten, die rund 220 Kilometer auseinander liegen.
Weltraummission LISA: Grenzen der Technik ausreizen
Die Weltraummission LISA allerdings hat vollkommen neue Dimensionen. Die Satelliten sind um ein Vielfaches voneinander entfernt. Das Projekt müsse an die Grenzen des technisch machbaren gehen, sagt der Projektleiter bei SpaceTech Kolja Nicklaus. Die Herausforderung bestehe darin, unglaublich kleine Veränderungen zu messen. Sie würden sich im subatomaren Bereich bewegen. Doch auch darüber hinaus muss vieles mitbedacht werden: Wie verhalten sich Materialien im luftleeren Raum, wie wirkt sich Strahlung aus. Viele Tests seien notwendig, damit alles im All klappe.
Forscher wollen Ursprung des Universums auf den Grund gehen
Für die ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell ist es eine der ambitioniertesten Missionen der Raumfahrt überhaupt. Es geht um die großen wissenschaftlichen Forschungsfragen: Wie ist das Universum entstanden und wie entwickelt es sich? Dahinter steht das Konzept der Raumzeit. Große Massen im All können dabei sogenannte Gravitationswellen auslösen, etwa wenn zwei schwarze Löcher verschmelzen. Breiten sich diese Energiewellen aus, stauchen und strecken sie den durchquerten Raum. Genau deshalb ist das Messen des Abstandes der Satelliten zueinander entscheidend.
Wissenschaftler wollen das Unbekannte im All sichtbar machen
Die Hoffnung ist groß, dass die Forschungsmission neue Einblicke in den Weltraum ermöglicht. "Wir kennen heute aktuell nur fünf Prozent der Bestandteile des Universums (…) Und LISA ist ein großer Schritt dahin, diese restlichen 95 Prozent genauer auf die Spur zu kommen", so Projektleiter Kolja Nicklaus. Bis dahin allerdings gibt es noch viel zu tun. Der Zeitplan steht: 2035 sollen die Satelliten der Weltraummission LISA ins All starten.