Besonders Fischer sehen ihn als große Gefahr für die heimischen Fischarten im Bodensee: den Kormoran. Jetzt soll aber die Zahl der gefräßigen Vögel stark zurückgegangen sein, heißt es von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) mit Sitz in Reichenau (Kreis Konstanz).
Die OAB berichtet, dass der Bestand an Brutpaaren bei den Kormoranen seit 2023 um ein Viertel abgenommen habe - von knapp 1.600 auf 1.150. Auch bei den überwinternden Vögeln gebe es seit einigen Jahren keinen weiteren Anstieg. Das würden verschiedene Monitoring-Programme zeigen. Die OAB erfasst eigenen Angaben nach in ihren Monitoringprogrammen alle Wasservögel am Bodensee von September bis April im monatlichen Rhythmus seit über 60 Jahren.
Finden Kormorane zu wenig Fische im Bodensee?
Die OAB-Experten gehen davon aus, dass es weniger Kormorane sind, weil es weniger Fische im Bodensee gibt. Vor allem das überraschende Verschwinden der Stichlinge könnte demnach ein Grund für den Rückgang der Vögel sein, die sich von Fisch ernähren. Seit Jahren beschäftigt sich die Politik mit einem möglichen Kormoran-Management, um die Zahl der Kormorane einzudämmen. Ihre Zahl war in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Eigentlich stehen Kormorane unter Naturschutz, doch ihr Bestand hat in den 2010er-Jahren deutlich zugenommen. Seit 1997 brüten die Vögel laut OAB am See.
Konflikt um fischfressende Vögel am Bodensee tobt seit Jahrzehnten Eingeölte Eier, Scheinwerfer und Abschüsse - Wie die Zahl der Kormorane reduziert werden soll
Fischräuber oder schützenswerter Vogel? Und wie viele verträgt das Ökosystem Bodensee? Der Kormoran wird hier emotional diskutiert. Und bisherige Versuche, die Zahl der Vögel einzuschränken, scheiterten.
Im kommenden Jahr soll ein Pilotprojekt zur Eindämmung des Kormoran-Bestandes starten. Dabei werden die Eier der Vögel per Drohne in den Nestern mit Öl eingesprüht, damit sie nicht ausgebrütet werden können. Auch angesichts der neuen Zahlen will das Umweltministerium an dem Pilotprojekt festhalten, wie eine Sprecherin erklärte. Im kommenden Jahr soll auch wieder eine offizielle Brutbestandserfassung durch die Landesanstalt für Umwelt erfolgen.
Vogelexperten halten Kormoran-Abwehr mit Drohnen für wirkungslos
OAB-Vorstand Gernot Segelbacher hält den Drohnen-Eingriff dagegen aus verschiedenen Gründen für unnötig. Mit dem Fluggerät komme man nicht so einfach an die Nester in den Bäumen. In den Schutzgebieten seien auch andere Vögel, was zu relativ großen Kollateralschäden führen könne.
"Wir haben einen massiven Störeffekt auf andere brütende Vogelarten", so Segelbacher. Außerdem würden seit Jahren um die 800 Kormorane geschossen. "Alle diese Abschüsse hatten keinen Effekt." Da stelle sich natürlich die Frage, was der Eingriff in ein paar Kolonien bringen solle.