Knapp ein Jahr nach dem Zugunglück bei Riedlingen (Kreis Biberach) mit drei Toten und zahlreichen Verletzten ist die Ursache geklärt. Der Unfall sei durch einen Hangrutsch infolge von Starkregen ausgelöst worden, heißt es in einem Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) in Bonn. In Riedlingen bleiben die Ereignisse vom 27. Juli für immer in schmerzlicher Erinnerung.
Starkregen unterspült Böschung und löst Hangrutsch aus
Der Zug ist an jenem Tag auf der Bahnstrecke Ulm-Sigmaringen unterwegs. Zuvor hatte es stark geregnet. Die Sicht ist schlecht. Eine Böschung wird unterspült, Erdreich und Schlamm rutschen auf die Gleise. Der Regionalzug, der mit etwa 150 Stundenkilometern unterwegs ist, springt gegen 18 Uhr in der Nähe des Riedlinger Stadtteils Zell-Bechingen aus den Gleisen. Der Triebwagen prallt gegen einen Baum. Waggons türmen sich auf oder liegen neben den Gleisen. Fahrgäste rufen um Hilfe.
Schwierige Bergungsarbeiten: Hunderte Kräfte in unwegsamem Gelände
Für drei Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Der 32 Jahre alte Lokführer, ein 36-jähriger Auszubildender der Zuggesellschaft aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie eine 70 Jahre alte Reisende aus dem Kreis Sigmaringen überleben das Unglück nicht.
36 Fahrgäste werden teils schwer verletzt. Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und weitere Rettungskräfte kämpfen sich durch das unwegsame Gelände mit steilen Böschungen und aufgeweichten Böden. Sie holen Menschen aus den verbeulten Waggons, stundenlang, und sorgen dafür, dass die Verletzten in Krankenhäuser kommen. Die Feuerwehr leuchtet das Gelände dafür aus. Im Einsatz sind Hunderte von Kräften.
Länger als gedacht: Strecke bleibt knapp fünf Monate lang gesperrt
Bis die Unfallstelle untersucht werden kann, dauert es drei Tage. Erst dann sind die Wrackteile des Zuges geborgen. Und auch die Strecke selbst bleibt länger gesperrt als ursprünglich gedacht, knapp fünf Monate. Bis Mitte Dezember können zwischen Herbertingen (Kreis Sigmaringen) und Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) keine Züge fahren.
Die Bahn musste die Gleise im Bereich der Unfallstelle auf einer Länge von rund 300 Metern erneuern. Damit wurden fast 700 Meter Schiene und rund 500 Betonschwellen ausgetauscht. Zudem mussten auch Signalkabel ausgetauscht werden. Auch die Hänge wurden gesichert.
Gedenkgottesdienst nach dem Unglück und Beginn der Aufarbeitung
Die Anteilnahme nach dem Unglück war groß. Viele Menschen in Riedlingen zeigten sich bestürzt, auch Bürgermeister Marcus Schafft. Einige Tage nach dem Unglück gab es deshalb in der Klosterkirche Zwiefalten (Kreis Reutlingen) einen Gedenkgottesdienst für die Opfer. Rund 500 Menschen kamen, darunter viele Einsatzkräfte, Politiker wie der damalige Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sowie Bahnchef Richard Lutz.
Ich weiß auch, dass einige Kameraden sehr lange - wahrscheinlich bis heute - Probleme haben und sich weitere Hilfe gesucht haben, um das Ganze zu verarbeiten.
Noch heute, fast ein Jahr danach, beschäftigt das Zugunglück viele Einsatzkräfte. Einige hätten sich Hilfe gesucht, um die Erlebnisse zu verarbeiten, so Stadtbrandmeister Stefan Kuc von der Feuerwehr Riedlingen.
Untersuchung zur Unglücksursache abgeschlossen
Die Aufarbeitung des Unglücks dauert weiter an. Nach dem Unfall sicherten Experten der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung BEU Daten aus dem Fahrtenschreiber sowie weitere Spuren vor Ort, zum Beispiel an den Schienen. In ihrem Abschlussbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, kommen sie zu dem Schluss, dass der Hangrutsch ursächlich für das Zugunglück war.
Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Ravensburg laufen derzeit noch die strafrechtlichen Ermittlungen. Man warte auf ein geologisches Gutachten, so ein Sprecher der Behörde. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Unglück ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Das ist bei nicht-natürlichen Todesfällen üblich.