In diesen Tagen ist es am Bodensee sehr warm für diese Jahreszeit und die Pegelstände am See und den Flüssen sind laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ungewöhnlich niedrig. Vor gut zwei Jahren sah das völlig anders aus: Dauerregen sorgte für ein Jahrhunderthochwasser, das Straßen, Schulen und Wohnhäuser in der Region Bodensee-Oberschwaben überflutete. Besonders hart traf es den Meckenbeurener Ortsteil Kehlen. Ein Vergleich in Bildern aus den überfluteten Gebieten und wie es heute dort ausschaut:
Schule und Festhalle in Kehlen standen unter Wasser
Die Schäden allein an den öffentlichen Gebäuden in Kehlen beliefen sich auf rund 1,44 Millionen Euro, so die Gemeinde Meckenbeuren. Damals hatte der Pegel der Schussen in Meckenbeuren das Rekordniveau von 4,87 Meter erreicht. In den Straßen stand das Wasser bis zu 40 Zentimeter hoch. Nach dem Hochwasser 2021 in Kehlen hatte die Gemeinde Vorkehrungen getroffen und einen Schutzdamm errichtet. Ende Mai 2024 hielt dieser den Wassermassen aber nicht lange stand - der Pegel übertraf den bisherigen Höchststand deutlich.
So floss Wasser - wie 2021 - ins Untergeschoss der Wilhelm-Schussen-Schule und die benachbarte Karl-Brugger-Halle. Der Sportplatz stand komplett unter Wasser. Die Gemeinde Meckenbeuren richtete vorübergehend Notunterkünfte im Bildungszentrum ein. Zuvor hatte die Gemeinde etwa 1.300 Menschen in besonders gefährdeten Gebieten empfohlen, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Aufräumarbeiten, besonders in Kehlen, dauerten lange. Seitdem ist einiges in Sachen Hochwasserschutz passiert.
Dämme saniert, Gefahrenkarten erstellt Jahrhunderthochwasser 2024: Was sich seither beim Hochwasserschutz getan hat
Vollgelaufene Keller, überschwemmte Straßen - vor zwei Jahren traf ein Jahrhunderthochwasser die Region Bodensee-Oberschwaben. Was hat sich seitdem beim Hochwasserschutz getan?
Das Hochwasser erreichte auch weitere Teile Oberschwabens und der Bodenseeregion. Der Dauerregen hatte zu Pegelständen geführt, wie sie statistisch gesehen nur einmal in mehr als hundert Jahren erreicht werden. Etwa in den Donaunebenflüssen Umlach in Ummendorf, Rottum in Laupheim (beide Kreis Biberach) und Wurzacher Ach in Leutkirch-Reichenhofen (Kreis Ravensburg). Im Landkreis Sigmaringen waren Gemeinden im Einzugsbereich der Ablach von Hochwasser betroffen, etwa Sauldorf, Meßkirch, Krauchenwies und Mengen sowie die Donaunebenflüsse bei Bad Saulgau und Herbertingen.
Damm von Rückhaltebecken bei Leutkirch-Urlau drohte zu brechen
Glimpflich kam der Raum Leutkirch davon, dank des Hochwasserrückhaltebeckens in Leutkirch-Urlau, das Wasser der Eschach aufnahm. Jedoch nachdem es vollgelaufen war, drohte ein Damm zu brechen. Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr dichteten den Damm mit Kies und Sandsäcken ab.
Wegen des Hochwassers wurde auch das Landesturnfest im Schussental abgebrochen. Dazu hatten sich der Schwäbische Turnerbund und die beteiligten Schussentalgemeinden Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt und Berg entschieden. In Wangen im Allgäu hatte das Hochwasser Auswirkungen auf die Landesgartenschau. Sie musste vorrübergehend schließen.
Einschränkungen durch Hochwasser im Bodensee
Durch das Hochwasser einiger Zuflüsse wie Schussen und Rotach war auch der Pegel des Bodensees erhöht. So stand der Pegel Konstanz am 6. Juni 2024 bei 4,93 Meter. Damit war die erste Hochwasser-Vorwarnstufe laut einem Sprecher der Stadtwerke Konstanz um zehn Zentimeter überschritten. Weil der Einfahrwinkel für die Fähre zwischen Meersburg und Konstanz zu steil war, konnten Besitzer von tiefergelegten Autos nicht mit der Fähre mitfahren. Große Mengen Treibholz waren zudem eine Gefahr für die Schifffahrt. Einige Bodenseegemeinden verhängten Badeverbote, weil die Zuflüsse Schadstoffe in den See einbrachten.
Oberteuringen und Singen besonders betroffen Unwetter am Bodensee: Aufräumarbeiten laufen, Bahnstrecke wieder befahrbar
Nach den schweren Unwettern am Mittwoch laufen die Aufräumarbeiten in der Region Bodensee-Oberschwaben. Die Bahnstrecke zwischen Singen und Engen (Kreis Konstanz) ist inzwischen wieder befahrbar.
Nur wenige Wochen später richteten Ende Juni 2024 weitere Überschwemmungen in der Region Schäden an - unter anderem an einem Campingplatz in Markdorf (Bodenseekreis) und dem Theater "Färbe" in Singen (Kreis Konstanz). Auch Oberteuringen (Bodenseekreis) war besonders von Hochwasser betroffen, wo Straßen unter Wasser standen. Im Hegau bremsten die Unwetter den Bahnverkehr aus.