Überflutete Straßen, Wasser im Schulkeller und Badeverbote

Damals und heute: Zwei Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser am Bodensee und in Oberschwaben

Anfang Juni 2024 hat ein Hochwasser viele Gebiete im Bodenseeraum überschwemmt. Die Gemeinde Meckenbeuren war besonders stark betroffen. Wie es damals aussah und wie heute.

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Stand

Von Autor/in Moritz Kluthe

In diesen Tagen ist es am Bodensee sehr warm für diese Jahreszeit und die Pegelstände am See und den Flüssen sind laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ungewöhnlich niedrig. Vor gut zwei Jahren sah das völlig anders aus: Dauerregen sorgte für ein Jahrhunderthochwasser, das Straßen, Schulen und Wohnhäuser in der Region Bodensee-Oberschwaben überflutete. Besonders hart traf es den Meckenbeurener Ortsteil Kehlen. Ein Vergleich in Bildern aus den überfluteten Gebieten und wie es heute dort ausschaut:

Anfang Juni 2024 überschwemmte das Hochwasser die Festhalle und die Grundschule von Kehlen, einem Teilort von Meckenbeuren.
Festhalle und Schule in Kehlen standen damals unter Wasser. Die Schussen überschwemmte im Juni 2024 Teile von Meckenbeuren. Besonders betroffen war der Teilort Kehlen. picture alliance/dpa | Felix Kästle Bild in Detailansicht öffnen
Wilhelm-Schussen-Grundschule in Kehlen steht unter Wasser
Bei der Wilhelm-Schussen-Grundschule drang das Wasser auch ins Kellergeschoss ein. Pressestelle Kreisfeuerwehrverband Bodenseekreis Bild in Detailansicht öffnen
Wilhelm-Schussen-Grundschule in Kehlen im Mai 2026
Zwei Jahre später sind die Schäden von damals außen am Schulgebäude nicht mehr zu erkennen. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Hochwasser an Festhalle und Sportplatz in Kehlen im Juni 2024
2024 überschwemmte das Hochwasser auch die Karl-Brugger-Halle und den Sportplatz davor. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen
Festhalle und Sportplatz in Kehlen im Mai 2026
Jetzt kommen auch der Parkplatz und der Sportplatz wieder zum Vorschein. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Die ganze Nacht hindurch haben Bagger viele Tonnen Kies aufgeschüttet, um das Regenrückhaltebecken abzusichern.
Schlimmeres verhindert wurde in Leutkirch, dank des Regenrückhaltebeckens im Ortsteil Urlau. Kräfte von Feuerwehr und THW sicherten damals den Damm ab. So wurde eine Überschwemmung des Teilorts verhindert. Alfred Knödler Bild in Detailansicht öffnen
Regenrückhaltebecken Urlau bei Leutkirch im Mai 2026
Zwei Jahre später ist am Regenrückhaltebecken Ebbe angesagt. Wolfgang Wanner Bild in Detailansicht öffnen
Pegelstand vor Konstanz am 9. Juni 2024
Auch der Bodensee hatte vor zwei Jahren deutlich mehr Wasser. Der Bodenseepegel an der Imperia-Statue in Konstanz stand am 9. Juni 2024 bei fast fünf Metern. Bild in Detailansicht öffnen
Pegel vor Konstanz am 28. Mai 2026
Knapp zwei Jahre später steht der Pegel am 28. Mai 2026 bei 3,10 Meter, fast zwei Meter weniger. Laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg fehlen nur noch wenige Zentimeter zum historischen Minimalwert. Der lag bei 3,01 Meter. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Hoher Bodenseepegel im Juni 2024 an der alten Rheinbrücke in Konstanz
Die Stützen der alten Rheinbrücke waren beim Hochwasser im Juni 2024 fast nicht mehr zu sehen. H. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Alte Rheinbrücke in Konstanz im Mai 2026 bei Niedrigwasser im Bodensee.
Ende Mai 2026 ist deutlich mehr Platz für größere Boote unter der Rheinbrücke in Konstanz. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Konstanzer Stadtgarten im Juni 2024 bei Hochwasser
Der Bodensee war damals bis auf wenige Zentimeter an den Konstanzer Stadtgarten herangerückt. H. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Konstanzer Stadtgarten bei Niedrigwasser im Mai 2026
Zwei Jahre später dagegen ist der Pegel des Bodensees so niedrig, dass man auf den Grund blicken kann. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Hochwasser im Bodensee vor Uhldingen im Bodenseekreis
Ab Ende Juni 2024 erreichte die Bodenseeregion ein weiteres Hochwasser. Anfang Juli 2024 war der Bodensee, etwa in Uhldingen-Mühlhofen (Bodenseekreis), unweit der Pfahlbauten, auch deutlich über das Ufer getreten. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Uhldingen Ende Mai 2026. Keine Überschwemmungen am Ufer und Pfahlbauten stehen frei.
Zwei Jahre später, Ende Mai 2026, ist der Kiesstrand am Ufer wieder frei - und auch die Pfähle der Pfahlbauten. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen

Schule und Festhalle in Kehlen standen unter Wasser

Die Schäden allein an den öffentlichen Gebäuden in Kehlen beliefen sich auf rund 1,44 Millionen Euro, so die Gemeinde Meckenbeuren. Damals hatte der Pegel der Schussen in Meckenbeuren das Rekordniveau von 4,87 Meter erreicht. In den Straßen stand das Wasser bis zu 40 Zentimeter hoch. Nach dem Hochwasser 2021 in Kehlen hatte die Gemeinde Vorkehrungen getroffen und einen Schutzdamm errichtet. Ende Mai 2024 hielt dieser den Wassermassen aber nicht lange stand - der Pegel übertraf den bisherigen Höchststand deutlich.

So floss Wasser - wie 2021 - ins Untergeschoss der Wilhelm-Schussen-Schule und die benachbarte Karl-Brugger-Halle. Der Sportplatz stand komplett unter Wasser. Die Gemeinde Meckenbeuren richtete vorübergehend Notunterkünfte im Bildungszentrum ein. Zuvor hatte die Gemeinde etwa 1.300 Menschen in besonders gefährdeten Gebieten empfohlen, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Aufräumarbeiten, besonders in Kehlen, dauerten lange. Seitdem ist einiges in Sachen Hochwasserschutz passiert.

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Das Hochwasser erreichte auch weitere Teile Oberschwabens und der Bodenseeregion. Der Dauerregen hatte zu Pegelständen geführt, wie sie statistisch gesehen nur einmal in mehr als hundert Jahren erreicht werden. Etwa in den Donaunebenflüssen Umlach in Ummendorf, Rottum in Laupheim (beide Kreis Biberach) und Wurzacher Ach in Leutkirch-Reichenhofen (Kreis Ravensburg). Im Landkreis Sigmaringen waren Gemeinden im Einzugsbereich der Ablach von Hochwasser betroffen, etwa Sauldorf, Meßkirch, Krauchenwies und Mengen sowie die Donaunebenflüsse bei Bad Saulgau und Herbertingen.

Damm von Rückhaltebecken bei Leutkirch-Urlau drohte zu brechen

Glimpflich kam der Raum Leutkirch davon, dank des Hochwasserrückhaltebeckens in Leutkirch-Urlau, das Wasser der Eschach aufnahm. Jedoch nachdem es vollgelaufen war, drohte ein Damm zu brechen. Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr dichteten den Damm mit Kies und Sandsäcken ab.

Wegen des Hochwassers wurde auch das Landesturnfest im Schussental abgebrochen. Dazu hatten sich der Schwäbische Turnerbund und die beteiligten Schussentalgemeinden Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt und Berg entschieden. In Wangen im Allgäu hatte das Hochwasser Auswirkungen auf die Landesgartenschau. Sie musste vorrübergehend schließen.

Einschränkungen durch Hochwasser im Bodensee

Durch das Hochwasser einiger Zuflüsse wie Schussen und Rotach war auch der Pegel des Bodensees erhöht. So stand der Pegel Konstanz am 6. Juni 2024 bei 4,93 Meter. Damit war die erste Hochwasser-Vorwarnstufe laut einem Sprecher der Stadtwerke Konstanz um zehn Zentimeter überschritten. Weil der Einfahrwinkel für die Fähre zwischen Meersburg und Konstanz zu steil war, konnten Besitzer von tiefergelegten Autos nicht mit der Fähre mitfahren. Große Mengen Treibholz waren zudem eine Gefahr für die Schifffahrt. Einige Bodenseegemeinden verhängten Badeverbote, weil die Zuflüsse Schadstoffe in den See einbrachten.

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Nur wenige Wochen später richteten Ende Juni 2024 weitere Überschwemmungen in der Region Schäden an - unter anderem an einem Campingplatz in Markdorf (Bodenseekreis) und dem Theater "Färbe" in Singen (Kreis Konstanz). Auch Oberteuringen (Bodenseekreis) war besonders von Hochwasser betroffen, wo Straßen unter Wasser standen. Im Hegau bremsten die Unwetter den Bahnverkehr aus.

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Moritz Kluthe
SWR-Redakteur Moritz Kluthe Autor Bild

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