Beim Girls' und Boys'Day sollen Jugendliche Berufe kennenlernen, in denen ihr Geschlecht bislang unterrepräsentiert ist. In Workshops und Kurz-Praktika geht es darum, Klischees über sogenannte typische "Männer- und Frauenberufe" abzubauen.
Viele Unternehmen und Betriebe in Baden-Württemberg beteiligen sich an diesem Donnerstag. Aber wie zukunftssicher sind verschiedene Berufsbereiche eigentlich?
Beliebte Ausbildungsberufe in Baden-Württemberg
Junge Frauen im Südwesten wählen besonders oft kaufmännische oder Gesundheitsberufe, zum Beispiel Kauffrau für Büromanagement oder medizinische Fachangestellte. Das sagt Timo Psotta, Bereichsleiter Berufseinstieg bei der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Arbeitsagentur. In der akademischen Ausbildung dominieren bei ihnen Fächer wie Psychologie, Medizin oder Soziale Arbeit.
Junge Männer dagegen streben nach wie vor stark in technische Bereiche. Beliebte Ausbildungsberufe sind laut Psotta Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker, an Hochschulen beliebt sind hier Fächer wie Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik.
Hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit bei Männerberufen
Doch gerade solch eher technische Berufe könnten sich in Zukunft stark verändern. Laut dem "JobFuturomat", einem Online-Tool des Instituts für Arbeit und Berufsforschung, könnten bis zu 80 Prozent der Tätigkeiten in diesen "typisch männlichen" Berufen - also etwa eines Mechanikers - potenziell durch Maschinen und Roboter ersetzt werden.
Anders sieht es dagegen bei Berufen aus, in denen bisher nach wie vor mehr Frauen arbeiten, wie Erzieherin oder Altenpflegerin. Hier kommt das Online-Tool zu dem Ergebnis: nicht automatisierbar.
Denn diese Berufe erfordern zwischenmenschliche Interaktion, Empathie und Kommunikationsfähigkeit - alles Aufgaben, die von Maschinen nicht einfach übernommen werden können.
Automatisierung bedeutet nicht das Ende eines Berufs
Dass eine Tätigkeit potenziell automatisiert werden kann, bedeutet aber noch nicht, dass dieser Beruf tatsächlich verschwinden wird, erklärt Katharina Grienberger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Hohe Automatisierungswahrscheinlichkeiten bedeuten ja nicht, dass es den Beruf in Zukunft nicht mehr geben wird. Es bedeutet vielmehr, dass es in dem Beruf einfach viele Veränderungen geben könnte.
In vielen Berufen werden nicht alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft - sei es aus ethischen, rechtlichen oder finanziellen Gründen. Ein Beispiel sei der Beruf des Bäckers, der laut Grienberger bereits seit vielen Jahren zu 100 Prozent automatisierbar wäre - der aber nach wie vor als Handwerksberuf bestehe, weil die Kunden handgebackenes Brot eben sehr schätzen.
Berufsberater: Interessen stehen im Vordergrund
Die Zukunftsfähigkeit von Berufen genau vorher zu sagen, war und ist also schwierig. Deshalb versuchen Berufsberater vor allem herauszufinden, welche Interessen, Stärken und Fähigkeiten Jugendliche haben - und junge Menschen zu ermutigen, sich frei von Rollenbildern auszuprobieren.
Ziel müsse es sein, Klischees und Vorurteile in Richtung bestimmter Berufsgruppen aufzubrechen, sagt Timo Psotta von der baden-württembergischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur.
"Es geht darum, sich an die Entwicklungen anzupassen"
Ratsam ist demnach darüber hinaus, einen Ausbildungsberuf zu wählen, für den viele Stellen ausgeschrieben sind - und der Zukunftsperspektive hat. Das bedeutet Psotta zufolge aber nicht, von technischen Berufen abzusehen.
Man hätte ja vor Kurzem noch gesagt, die IT-Berufe sind Berufe mit absoluter Zukunft. Das halte ich auch nach wie vor für gegeben - auch wenn die KI natürlich gerade ganz massiven Einfluss hat. Es geht darum, sich an die neuen Entwicklungen anzupassen.
Zu wissen, welche Berufe potenziell automatisiert werden könnten, würde laut Psotta allerdings helfen, sich besser auf Veränderungen im Berufsfeld vorzubereiten. Psotta ist überzeugt: Wer einen Beruf wähle, der zu ihren oder seinen Stärken und Interessen passe, könne sich eher an mögliche Veränderungen anpassen.
Handwerk gewinnt an Attraktivität Steigende Ausbildungszahlen im Handwerk in BW - Aus Angst vor Künstlicher Intelligenz?
Immer mehr junge Menschen in Heilbronn-Franken entscheiden sich fürs Handwerk. Während KI klassische Jobs verändert, gelten praktische Berufe als sicher und zukunftsfähig.
Beruf Erzieher? Gute Verdienstmöglichkeiten und KI-resistent
Beim Girls' und Boys'Day könne auch ein Umdenken in manchen Köpfen angestoßen werden - so sieht es Alexandra Lüderssen, Berufsberaterin in Rheinland-Pfalz.
"Wenn man sich zum Beispiel den Erzieher anschaut, der ist ja gleichgestellt mit einem Techniker oder Meister - das kann man den Jungs erzählen", sagt sie. Auch die Verdienst- oder Weiterbildungsmöglichkeiten seien mitunter besser - und: "Ich finde auch, die Frauenberufe sind sehr KI-resistent."