Die Temperaturen fallen weiter, die Nächte werden immer kälter: Das ist vor allem für wohnungslose Menschen ein Problem. Seit dem 1. November hat deshalb wieder der sogenannte Erfrierungsschutz der Aufbaugilde Heilbronn geöffnet. Das Projekt im Freibad Neckarhalde bietet hilfesuchenden Menschen einen warmen Platz für die Nacht.
Wie jedes Jahr läuft das Angebot von November bis Ende März. Insgesamt gibt es 16 Betten im Erfrierungsschutz: zwölf für Männer und vier für Frauen. Jeden Abend sind zwei Ehrenamtliche vor Ort und weisen freie Betten zu. Dort finden die Menschen von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens einen sicheren und warmen Übernachtungsplatz.
Erfrierungsschutz Heilbronn: Bedarf steigt jedes Jahr und Menschen müssen abgewiesen werden
Der Erfrierungsschutz hat zwar erst seit Kurzem wieder geöffnet. Trotzdem gab es schon einige Übernachtungen, erzählt Hans-Martin Klenk von der Heilbronner Aufbaugilde. Bisher wären immer noch Betten frei gewesen.
In der Regel spricht sich das Angebot anfangs erst noch herum. Erfahrungsgemäß rechnet er damit, dass sie bald wieder voll ausgelastet sind. Dann müsse man - wie in den letzten Jahren auch - wahrscheinlich wieder Menschen abweisen. Denn der Bedarf nehme immer weiter zu. Klenk beobachte vor allem einen Anstieg bei jüngeren Menschen, die beispielsweise von zu Hause rausgeflogen sind.
Auch immer mehr Menschen über 65 Jahren würden sich bei der Heilbronner Aufbaugilde melden. Das Unterstützungszentrum hilft dann, wenn Menschen ihre Wohnung verlieren oder kurz davor stehen. Letztens sei beispielsweise eine 71-jährige Frau da gewesen, berichtet der Leiter der Aufbaugilde. Sie hätte wegen Eigenbedarf ihre Wohnung verlassen müssen. "Der Wohnungsmarkt ist eben sehr angespannt", erzählt er. "Da merke ich schon, dass ältere Mitmenschen Probleme haben, eine neue Wohnung zu suchen."
Projekt Erfrierungsschutz funktioniert nur dank Ehrenamtlichen
Insgesamt 25 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützen beim Erfrierungsschutz - fünf mehr als noch im letzten Jahr. Die Ehrenamtlichen kämen alle aus sehr unterschiedlichen Gruppen, so Klenk. Rentner seien dabei, Berufstätige oder auch Studenten, eine bunte Mischung. Ohne sie ginge nichts. Sie seien aus seiner Sicht deshalb "echt ein riesiges Geschenk".
Auch die Dankbarkeit von Seiten der wohnungslosen Menschen zeige sich aktuell besonders. "Gerade jetzt im Erfrierungsschutz habe ich gehört, dass die Übernachtungsgäste zurzeit richtig dankbar und höflich sind. Sie freuen sich einfach, dass sie dieses Angebot bekommen", erzählt der Leiter der Heilbronner Aufbaugilde.
Die Freude sei schon groß über eine warme Dusche, ein Kleidungsstück, einen Schlafsack oder ein warmes Essen. "Da wird man auch selber beschenkt", sagt Klenk. Denn am Ende sei geteilte eben auch doppelte Freude.