Forschende der Goethe-Universität Frankfurt am Main haben über Jahre hinweg stark erhöhte Werte des Gases Schwefelhexafluorid (SF6) an einer Messstation im Taunus in der Luft gemessen. Der Studie zufolge sollen die Werte immer dann besonders hoch gewesen sein, wenn der Wind aus Richtung Süden kam. Demnach könnte das Chemiewerk von Solvay in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) für die Emissionen verantwortlich sein. Auch das baden-württembergische Umweltministerium sieht in den Messergebnissen einen klaren Hinweis auf den Verursacher.
Chemieunternehmen bestätigt Leck nicht
Solvay gibt offiziell einen Ausstoß von 56 Kilogramm des Treibhausgases pro Jahr an. Die Forscherinnen und Forscher aus Frankfurt schätzen den tatsächlichen Wert jedoch auf rund 30 Tonnen. Das Chemieunternehmen erklärt, Maßnahmen zur Überwachung der Emissionen umgesetzt zu haben, bestätigt ein mögliches Leck aber nicht.
Das Unternehmen teilte dem SWR schriftlich mit, dass "die Methodik der Studie nicht ausreicht, um zu beweisen, dass die Emissionen von einer einzelnen Anlage stammen".
Umweltministerium: Studie reicht "verwaltungstechnisch" noch nicht aus
Das baden-württembergische Umweltministerium bestätigt, dass Solvay das Treibhausgas SF6 herstellt und recycelt. Auf SWR-Anfrage heißt es, dass die Suche nach anderen großen Emittenten in dem Messgebiet "bisher erfolglos" gewesen sei. "Es kommt de facto nur Solvay als Emittent in Frage", so das Ministerium in einer schriftlichen Stellungnahme.
Gegenüber "ZDF heute" hieß es aus dem Umweltministerium jedoch auch, die Studie sei "leider nicht geeignet, anlagenscharf den Nachweis über die Verursachung der Emissionen zu führen". Auch andere Behörden wie das hessische Umweltministerium und das Umweltbundesamt werten die Ergebnisse als ernstzunehmenden Hinweis.
Verwaltungstechnisch reichten die Messergebnisse nicht aus, Solvay zum jetzigen Zeitpunkt in Haftung zu nehmen, so das Ministerium weiter. Das Regierungspräsidium Stuttgart habe die Firma aufgefordert, Lecks zu suchen, abzustellen und angeordnet, durch Messungen vor Ort nachzuweisen, dass diese auch gewirkt haben.
Zuerst hatten "DER SPIEGEL" und das ZDF berichtet.
Solvay bereits in der Vergangenheit in der Kritik
Der Chemiekonzern steht nicht zum ersten Mal wegen klimaschädlicher Emissionen in der Kritik. Seit vielen Jahren leitet Solvay die Chemikalie Trifluoressigsäure (TFA) mit behördlicher Genehmigung in den Neckar ein. Die sogenannte "Ewigkeitschemikalie" gilt als fortpflanzungsgefährdend. Nach jahrelanger Kritik von Forschenden und Expertinnen und Experten will Solvay die Produktion am Standort Bad Wimpfen nun bis Anfang 2026 einstellen.