Während die einen noch genüsslich am Frühstückstisch ihren Kaffee geschlürft haben, waren andere seit Stunden auf den Beinen, um letzte Handgriffe in den Wahllokalen zu tätigen. 7,7 Millionen Wahlberechtigte dürfen landesweit ihre Stimme abgeben und für so einige ist bereits eingeplant, ab 18 Uhr den Wahlausgang am Fernseher zu verfolgen.
Und für die anderen? Für die ist es teilweise auch einfach ein normaler Sonntag. Beim TC Heilbronn stehen zum Beispiel wie gewohnt Verbandsspiele auf dem Plan. Da ging es teilweise vom Wahllokal direkt auf den Tennisplatz. Oder die Stimme wird abgegeben, während die eigenen Kinder den Ball übers Netz schlagen. Selbst für einen 18-Jährigen, der gerade noch zum ersten Mal sein Kreuzchen für eine Landtagswahl machen durfte, steht jetzt erst einmal das Tennismatch im Vordergrund. Aufregung vor dem Wahlergebnis? Ist jedenfalls nicht anzumerken.
Politischer Sonntag - im Wahllokal und in der Kirche
Der Ruf nach politischer Beteiligung hallt am frühen Morgen auch durch die Kirchen. Die Landtagswahl als Thema der Sonntagspredigt? Nein, nicht unbedingt, sagt der katholische Pfarrer Manuel Hammer aus Heilbronn-Böckingen. Dennoch hat er seine Gläubigen ausdrücklich zur Nutzung ihres Wahlrechts ermutigt - und das auch schon am Sonntag zuvor.
"Wir haben einen ökumenischen Gottesdienst für verfolgte Christen begangen, [...] und haben an jene Christen gedacht, die in ihren Heimatländern oft genug nicht die Möglichkeit haben, ihr Parlament und die Regierung frei zu wählen", so Hammer.
Für Christen müsse es also ein wichtiges Anliegen sein, die Demokratie zu schützen und "mit dem eigenen Kreuzchen auf dem Wahlzettel" zu fördern, sagt der Pfarrer. Da pflichten ihm auch andere Kirchenvertreter bei, wie beispielsweise der katholische Dekan Ingo Kuhbach aus Mulfingen (Hohenlohekreis). Er ruft ebenfalls zur Stimmabgabe auf, eine Wahlempfehlung für Parteien gibt es von ihm aber nicht - abgesehen von humorvollen Spitzen etwa in seiner Faschingspredigt.
Landtagswahl 2026: Erstes Mal Zwei‑Stimmen‑Wahlrecht
Außerdem sei die Kombination von Kirchgang und Wahllokal sicher auch ein guter Grund für einen kleinen Spaziergang am Sonntagvormittag. "Und vielleicht scheint ja sogar ein bisschen die Sonne", sagt Pfarrer Hammer mit einem kleinen Augenzwinkern und hofft, dass möglichst viele seiner Gottesdienstbesucher einen Schlenker auf dem Heimweg machen.
Die können übrigens 2026 erstmals bei einer Landtagswahl in Baden‑Württemberg zwei Stimmen vergeben: Eine Stimme direkt für eine Person im jeweiligen Wahlkreis. Wer also die meisten Stimmen erhält, zieht direkt in den Landtag ein. Eine zweite Stimme hat man für die Landesliste einer Partei. Damit stimmen die Wählerinnen und Wähler maßgeblich über die Sitzverteilung im Parlament und damit über die politische Balance im Land ab.
Doch wissen die alle schon, wo sie ihr Kreuzchen setzen? Umgehört in der Heilbronner Innenstadt:
Die Unterschiede sind groß: Bei einer Befragten ist die Wahl schon lange entschieden, es wird diesselbe Partei wie immer. Andere sind bis zuletzt am Taktieren, statt einer kleinen Partei wird es doch lieber die größere, da seien die Chancen besser. Wiederum ein Mann meint, dass die aktuelle weltpolitische Lage seine Entscheidung beeinflusst hat. Und eine Befragte ist sich zumindest "zu 85 Prozent sicher", welcher Partei oder welchem Kandidaten sie ihre Stimme gibt.
Alle Direktkandidaten der sechs Wahlkreise Landtagswahl 2026: Die Übersicht der Kandidaten für Heilbronn-Franken
Wer steht in Heilbronn-Franken bei der Landtagswahl auf welchem Stimmzettel für welchen Wahlkreis? Die Übersicht.
Noch keine Zeit gehabt zu wählen? Was Sie heute wissen müssen
Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet. Wer noch nicht gewählt hat, kann seine Stimme also bis dahin noch abgeben. Auch Briefwählerinnen und Briefwähler, die ihre Unterlagen noch zu Hause haben, können diese auch am Sonntag noch in den Rathaus‑Briefkasten werfen.