Zwei Tote, ein Schwerverletzter - und ein Angeklagter, der sich wegen Mordes verantworten muss: Am Donnerstag ist am Landgericht Heilbronn der Prozess um die tödlichen Schüsse von Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) fortgesetzt worden. 14 Zeugen waren geladen, unter ihnen der Mann, der den Pausenraum rechtzeitig verlassen konnte, bevor die tödlichen Kugeln fielen.
Mutmaßlicher Todesschütze von Bad Friedrichshall: Kollegen sagen vor Landgericht aus
Zunächst schilderte der 49-jährige Zeuge, wie er die Tat am 7. Januar 2025 erlebte. Damals starben zwei Brüder, mit denen er nach eigenen Angaben gut befreundet war, ein weiterer Mann wurde schwer verletzt.
Er sei in der Firma Hänel im Stadtteil Kochendorf zur Arbeit gewesen und habe die Pause zusammen mit drei Kollegen in einem Pausenraum verbracht, erzählte er. Er habe gerade auf sein Handy geschaut, als er im Augenwinkel eine vermummte Person zur Tür hereinkommen sah - eine Waffe direkt auf seinen Kollegen gerichtet.
In nur wenigen Sekunden habe sich alles abgespielt: Er sah den Schützen und konnte gerade noch rechtzeitig unter einen Tisch und dann durch eine Tür in eine Umkleide flüchten. Da soll auch schon der erste Schuss gefallen sein, berichtete der 49-Jährige.
Weiter erzählte der Mann, er sei dann durch die Werkshalle gerannt und habe Kollegen zugerufen, dass sie flüchten sollen. Der 49-Jährige hat dann auch selbst einen Notruf abgesetzt. Der wurde vor Gericht auch abgespielt. Schon beim Notruf stellte er Vermutungen an, um wen es sich bei dem Schützen handeln könnte. Vor Gericht sagte der Zeuge, anhand der Statur habe er sofort erkannt, um wen sich handele.
Schon vor der Tat Spannungen mit mutmaßlichem Täter
Der 49-Jährige berichtete weiter, dass der mutmaßliche Täter bereits vor der Tat aufgefallen sei. Er und weitere Zeugen sagten aus, er soll schon immer sehr ruhig und in sich gekehrt gewesen sein und auch nicht viel über sich preisgegeben haben. Gespräche habe es nur über die Arbeit gegeben und auch dabei sei er immer kurz angebunden gewesen.
Laut Zeugenaussagen soll schon Wochen vor der Tat aufgefallen sein, dass der damals 52-jährige Kollege immer abwesend wirkte und seine Augen "leer" waren. Zudem sei er wütend gewesen, wenn er beispielsweise ständig andere Maschinen hätte bedienen müssen. Außerdem soll er einen Kollegen laut Zeugenaussage körperlich angegangen haben. Der Kollege soll damals auf eine Anzeige verzichtet haben, weil er Angst vor dem Angeklagten hatte.
Außerdem habe der Angeklagte im vergangenen Jahr eine Abmahnung bekommen, berichten die Zeugen weiter. Mobbing sei im Unternehmen eigentlich nie ein Thema gewesen.
13 weitere Verhandlungstage stehen an - 119 Zeugen werden gehört
Die Staatsanwaltschaft Heilbronn wirft dem Angeklagten zweifachen Mord sowie versuchten Mord vor. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Im Prozess soll zudem geklärt werden, ob dem mutmaßlichen Täter eine besondere Schwere der Schuld nachgewiesen werden kann. In diesem Fall wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.
Noch 13 weitere Verhandlungstage stehen auf dem Plan. Insgesamt werden 119 Zeugen gehört. Das Urteil wird Mitte Dezember erwartet.