Sonntagabend noch schnell Milch holen oder frühmorgens frische Brötchen besorgen - was in vielen Dörfern lange undenkbar war, könnte bald Normalität sein. In der Region Heilbronn-Franken setzen Mini-Supermärkte ohne Personal bereits auf genau das Prinzip "smart shoppen". Das neu auf den Weg gebrachte Ladenöffnungsgesetz des baden-württembergischen Landtags soll ihnen nun den entscheidenden Schub geben.
ORTkauf: "Der Sonntag ist für uns entscheidend"
Erst einmal soll es klare Regeln für kleine, personallose Läden geben: Sie sollen demnach an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr öffnen dürfen - auch sonntags und nachts. Voraussetzung: Die Verkaufsfläche darf maximal 150 Quadratmeter groß sein und angeboten werden dürfen ausschließlich Waren des täglichen Bedarfs. Weil in diesen Läden kein Personal arbeitet, bleibt der verfassungsrechtlich verankerte Schutz von Sonn- und Feiertagen gewahrt, heißt es.
Ein Unternehmen, das von der geplanten Neuregelung profitiert, ist das Start-up ORTkauf mit Sitz in Schwäbisch Hall. Gründer und Geschäftsführer Christoph Sarnowski betreibt bereits mehrere autonome Mini-Supermärkte in der Region Heilbronn Franken, unter anderem in Schwäbisch Hall-Tüngental, am Breitenauer See (Kreis Heilbronn) oder auch in Weißbach (Hohenlohekreis). Weitere Standorte sind geplant wie etwa in Erlenbach (Kreis Heilbronn) und auch in Niedernhall (Hohenlohekreis) und - sollte das Gesetz tatsächlich kommen - noch zwei weitere im Raum Heilbronn.
Sarnowski begrüßt den Gesetzentwurf. "Das ist das Ergebnis monatelanger Arbeit", sagte er im SWR-Interview. Vor allem die uneingeschränkte Sonntagsöffnung sei für das Geschäftsmodell überlebenswichtig. Der Sonntag sei für autonome Läden der umsatzstärkste Tag, betonte Sarnowski. "Ohne diesen Tag wäre ein wirtschaftlicher Dauerbetrieb kaum möglich."
Gesetzentwurf für kürzere Öffnungsdauer Supermarkt ohne Personal: Schwäbisch Haller Start-up kritisiert neue Sonntagsöffnungszeit
Supermärkte ohne Personal sollen sonntags nur noch acht Stunden lang öffnen dürfen, anstatt rund um die Uhr. Ein Betreiber aus Schwäbisch Hall kritisiert den Gesetzentwurf.
Schluss mit der rechtlichen Grauzone
Frühere Gesetzentwürfe hatten noch stark eingeschränkte Sonntagsöffnungen vorgesehen - etwa Öffnungen nur zwischen 7 und 23 Uhr, maximal acht Stunden am Sonntag und nicht während der Hauptgottesdienstzeiten. Das bisherige Ladenöffnungsgesetz kannte die Betriebsform der Selbstbedienungs-Supermärkte nicht. Sie bewegten sich in Baden-Württemberg bislang schlicht in einer rechtlichen Grauzone.
Für Betreiber der autonomen Mini-Supermärkte hatte das unter anderem bedeutet, hohe Investitionen ohne verlässliche Planungssicherheit zu tätigen. Deshalb bedeute das neue Gesetz aus Sicht von ORTkauf vor allem eines: Rechtssicherheit: Nur wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen verlässlich seien, könnten autonome Smart-Stores langfristig investieren, betont Sarnowski.
Jeder Unternehmer möchte natürlich [...] sein Unternehmen wachsen sehen. Das konnten wir bislang nicht.
Sarnowski hatte sogar erwogen, die Ausweitung seines Unternehmens in Baden-Württemberg zu stoppen und sich stärker auf Bayern zu konzentrieren. Zwei Filialen befinden sich dort aktuell in der Eröffnungsphase. Nun orientiert sich der aktuelle Gesetzentwurf am bayerischen Ladenöffnungsgesetz - mit klarer 24/7-Regelung ohne zeitliche Begrenzungen.
Ergänzung statt Konkurrenz - Modell mit Zukunft?
Sollte das Gesetz wie geplant verabschiedet werden, hat Sarnowki mit ORTkauf ambitionierte Pläne. Statt wie ursprünglich vorgesehen, drei neue Filialen in seinem "Heimatbundesland" Baden-Württemberg zu eröffnen, sollen es nun sechs werden.
Autonome Smart-Stores seien kein Ersatz für den klassischen Einzelhandel, sagt er, sondern eine Ergänzung dort, wo herkömmliche Supermärkte sich längst zurückgezogen haben. Das neue Ladenöffnungsgesetz sei "ausgewogen, praxistauglich und zukunftsorientiert". Voraussetzung sei allerdings, dass das Gesetz am Ende auch durchgeht. Sarnowski verweist auf Klagen in anderen Bundesländern, unter anderem aus kirchlichen Interessengruppen, ist aber zuversichtlich.
Nicht nur ORTkauf setzt übrigens auf das Konzept der autonomen Mini-Supermärkte. Auch im Kreis Heilbronn finden sich ähnliche Modelle, etwa von der Franchisekette Tante-M, die kürzlich eine Filiale in Neckarsulm-Dahenfeld (Kreis Heilbronn) eröffnet hat.