Mit einem verletzten Wildtier haben die Polizeibeamten schon auf der Anfahrt gerechnet. Doch statt eines ausgewachsenen verletzten Fuchses wartete am Einsatzort nahe Kreßberg (Kreis Schwäbisch Hall) ein kleiner, putzmunterer Babyfuchs auf die Polizei - neugierig, erstaunlich zutraulich und offenbar kerngesund. Im Netz sorgt der tierische Einsatz der Polizei allerdings für Diskussionen; nämlich darüber, wie man sich bei jungen Wildtieren eigentlich richtig verhält.
Babyfuchs auf dem Arm sorgt für Diskussionen im Netz
Auf dem Foto posiert die junge Polizeibeamtin mit dem flauschigen Fuchs auf dem Arm - fast wirkt er wie ein Plüschtier. Doch genau dieser Facebook-Post löste eine lebhafte Diskussion aus. Was die einen unglaublich süß finden, regt die anderen Userinnen und User zu Kritik an. Besonders häufig wurde dabei eine Frage diskutiert: Darf man einen jungen Fuchs überhaupt anfassen?
"Ich habe noch gelernt: nicht anfassen, weil das Muttertier auf Grund des menschlichen Geruchs den Welpen dann gegebenenfalls abstößt und nicht mehr versorgt", schreibt ein User. Ein anderer entgegnet direkt: "Haaaallllooooo, schaut Euch doch mal das Foto an, sie hat Handschuhe an."
Wann sollte man eingreifen und wann lieber nicht?
Wie man sich bei aufgefundenen Wildtier-Babys tatsächlich richtig verhält, ist allerdings oft nicht eindeutig. Denn viele Jungtiere wirken auf den ersten Blick hilflos, obwohl die Mutter oft ganz in der Nähe ist oder später zurückkehrt, erklärt Sabine Baumert aus Weinsberg (Kreis Heilbronn). Seit 25 Jahren nimmt sie in ihrer Fuchsbaby-Päppel-Station jedes Jahr zwischen acht und zwölf Jungtiere auf - aktuell versorgt sie acht kleine Füchse.
Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen Tiere tatsächlich Hilfe benötigen - etwa bei Verletzungen oder auffälligem Verhalten. Oder, wenn die Mutter verstorben ist. Ziel sei es immer, die Tiere aufzupäppeln und später wieder auszuwildern.
Es ist Tierschutzarbeit für Tiere, die keinen optimalen Start ins Leben hatten und nicht überlebensfähig in der Natur sind.
Expertin zum Fall Kreßberg: "Füchse in der Regel nicht zutraulich"
Auch den aktuellen Fall aus Kreßberg hat die Expertin verfolgt. Eine pauschale Bewertung falle allerdings schwer. Grundsätzlich gelte bei jungen Wildtieren zunächst: beobachten statt sofort eingreifen. Denn Jungfüchse entfernen sich teilweise schon früh vom Bau und werden später wieder von der Mutter eingesammelt. Erst wenn ein Tier offensichtlich krank, verletzt oder über längere Zeit alleine ist, sollte gehandelt werden.
Dass der kleine Fuchs aus dem Polizeieinsatz besonders zutraulich gewesen sein soll, sieht Baumert durchaus kritisch. "Wenn sich ein Jungtier einfach anfassen lässt, ist das nicht unbedingt normales Verhalten", erklärte die Expertin. Trotzdem sei jeder Fall individuell zu bewerten.
Aktuell befindet sich der Babyfuchs aus Kreßberg im Tierheim. Dort wird der kleine Fuchs nun weiter versorgt. Für die Beamten war es auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung. Auf Facebook schildert die Polizei den tierischen Einsatz selbst mit einem Augenzwinkern: "Solche Momente gehören auch dazu und zeigen, wie vielseitig unser Alltag im Einsatz ist - manchmal eben auch überraschend tierisch."