Nach Einschätzung der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm stehen der Autozuliefererbranche im Unterland schwierige Jahre bevor. Bis 2029 könnten etwa 5.000 Jobs wegfallen. Die Gewerkschaft fordert neue Strategien für den Wandel. Es seien herausfordernde Zeiten, sagte der langjährige Gewerkschafter Rudolf Luz dem SWR.
Der derzeitige kommissarische erste Bevollmächtige der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm nennt den geschätzten Abbau von rund 5.000 Stellen bei Autozulieferen in der Region "bedrückend".
Es ist natürlich eine geschätzte Zahl. Aber es macht deutlich, wie tiefgreifend der Umbruch in der Automobilindustrie auch bei uns ist und welche Dramatik wir momentan auch in vielen Betrieben erleben.
Stellenabbau: Große und kleine Unternehmen streichen Jobs
Die IG Metall hat auf SWR-Anfrage die Zahlen zusammengerechnet, welche Betriebe zuletzt Stellen abgebaut und welche neue Streichungen angekündigt haben. So komme die Zahl von rund 5.000 Beschäftigten zustande.
Es seien Zahlen etwa vom Getriebespezialisten Magna, von Thyssen Krupp im Raum Heilbronn, aber auch von Bosch in Abstatt und dem Wärmepumpenhersteller Daikin in Güglingen (beide Kreis Heilbronn) mit enthalten. Auch der Autobauer Audi streicht in seinem Werk in Neckarsulm (ebenfalls Kreis Heilbronn) Stellen außerhalb der Produktion.
Gewerkschaft fordert Zukunftskonzepte
Was der erfahrene Gewerkschafter hart kritisiert, ist der seiner Ansicht nach schnelle Reflex der Unternehmen zum Stellenabbau. Die Unternehmen würden ihrer sozialen Verantwortung nicht ausreichend gerecht.
Die Unternehmen machen immer die einfache Rechnung: am Ende muss der Gewinn stimmen und die Variable, die sie haben, ist das Personal.
Der 68-Jährige fordert von den Firmen Zukunftskonzepte und neue Ideen. Beim Autozulieferer Bosch etwa, der tausende Stellen abbauen will, erkenne er derzeit kein Zukunftsmodell. Und das verunsichere die Menschen, sagte Luz. Auch die Bundesregierung sei hier mit ihrer Industriepolitik gefragt. Die Arbeitnehmerverteter seien in diesen Zeiten ganz besonders gefordert, Lösungen mit den Firmen zu finden - etwa mit Zukunftstarifverträgen.
Gewerkschafter will klare Elektrostrategie
Rudolf Luz sieht vor allem das Hin und Her bei der Elektromobiltiät kritisch. Die anhaltenden Diskussionen über das Verbrenner-Aus verunsichere die Kundinnen und Kunden. Viele wüssten nicht, ob sie jetzt einen Verbrenner oder ein Elektroauto kaufen sollten.
Dieses Hick-Hack, rein in die Kartoffel, raus aus der Kartoffel, hilft uns nicht. Wir brauchen eine klare Strategie. Ich sage deutlich, die Zukunft gehört der Elektromobilität.
Den IG-Metall-Funktionär treibt die Sorge um, dass gerade chinesische Autobauer mit ihren Elektroautos den europäischen Markt erobern. Die deutsche Automobilindustrie müsse selbst wieder zu einem Innovationsführer auch in diesem Bereich werden. "Wenn wir das nicht tun, sind wir langfristig eher die Verlierer", vermutet Luz. Und die Politik fordert er auf, für eine klare und stabile Förderung zu sorgen, um Kaufanreize zu schaffen.
Trotz Umbruch: IG Metall setzt auf Zukunft und Standortsicherung
Dem Autobauer Audi mit seinem Werk in Neckarsulm traut er die erfolgreiche Transformation zu. Audi sei nach wie vor eine starke Marke. "Wir helfen uns nicht, wenn wir an der Verbrennertechnologie festhalten. Wir laufen Gefahr, dass wir in fünf bis sechs Jahren mit unseren Fahrzeugen technologisch nicht mehr wettbewerbsfähig sind", so Luz weiter.
Trotz Krisenstimmung richtet Rudolf Luz auch den Blick nach vorne. Es gehe jetzt darum, Beschäftigung und Standorte langfristig zu sichern und teils neu auszurichten. Denn die Autoindustrie habe viel Wohlstand mit guten Verdiensten in die Region gebracht. Und das solle auch in Zukunft so bleiben.
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