Nach dem Schuss auf eine Taube in der Wertheimer Innenstadt (Main-Tauber-Kreis) fordert der Stadtteilbeirat einen verantwortungsvollen Umgang mit dem dortigen Taubenproblem. Das Abschießen der Tiere durch Privatpersonen sei keine Lösung. Insbesondere seien Schüsse mit einem Luftgewehr im Stadtgebiet inakzeptabel und könnten Menschen, Tiere und Sachwerte gefährden. Wer vergangene Woche auf die Taube geschossen hat, ist weiterhin unklar. Die Polizei sucht dringend Zeugen, die Angaben zum Schützen machen können.
Angeschossene Taube fiel zwischen Gäste
Der Vorfall hatte sich am vergangenen Montagabend am Wertheimer Marktplatz ereignet. Eine Taube war kurz nach 20 Uhr schwer verletzt von einem Dach in den Innenhof eines Biergartens gestürzt und auf einem Tisch gelandet, an dem Gäste saßen. Bei der Untersuchung des Tieres wurde ein Projektil gefunden, das vermutlich aus einem Luftgewehr stammt. Außerdem hatte sich die Taube beim Sturz einen Flügel gebrochen. Laut Polizei soll die Taube überlebt haben.
Altstadt von Wertheim: Seit Jahren Beschwerden über zu viele Tauben und zu viel Taubenkot
Seit Jahren gibt es in der Wertheimer Innenstadt ein Problem mit Tauben. Vor allem Altstadtbewohner beschweren sich über zu viele Tiere und zu viel Taubenkot. Mit einem Taubenhaus, das ehrenamtlich betreut wird, versucht die Stadt das Problem in den Griff zu bekommen. Dazu wurde vor eineinhalb Jahren in Bahnhofsnähe ein alter Bauwagen umfunktioniert. Ziel ist eine tierschutzgerechte Regulierung der Taubenpopulation. Bislang seien sechs bis acht Tiere dort, sagt Jens Rögener, Umweltbeauftragter der Stadt. Kritiker sehen das Projekt deshalb schon als gescheitert an. Doch Rögener winkt ab: "Tauben sind sehr standorttreu", erklärt er und fordert, man müsse dem Taubenhaus nur noch ein wenig Zeit geben.
"Gut vorangekommen" sei die Stadt inzwischen mit dem Schließen von wilden Taubenschlägen an Häusern, so Rögener. Jeden Mittwoch tourt der Umweltbeauftragte durch Wertheim, geht Hinweisen nach Rückzugsorten der Vögel nach und spürt wilde Brutplätze auf. Einige Dutzend Quartiere seien bereits "überprüft und geklärt" worden. Bei privaten Immobilien stoße man allerdings häufig auch an Grenzen.
Stadtteilbeirat appelliert: Tauben nicht füttern
Aber statt eigenmächtig gegen die Tiere vorzugehen, hat jetzt auch der Stadtteilbeirat Innenstadt die Wertheimer aufgerufen mitzuhelfen: Niststellen, offene Dachstühle, ungesicherte Gebäudebereiche und bekannte Futterstellen sollten gemeldet werden. Dadurch könnten Problembereiche erfasst und gezielt Maßnahmen eingeleitet werden. Besonders wichtig sei, das Füttern der Tiere zu unterlassen. Das verschärfe das Problem. Und es verzögere den Erfolg des Taubenhaus-Projektes, sagt auch der städtische Umweltbeauftragte. "Solange die Tauben in der Stadt gefüttert werden, lernen sie nicht, dass es ihr Futter am Taubenhaus gibt."