So erlebte der Heilbronner Andreas Hüttner den Wirbel

Merz und Pinocchio: Wie ein Facebook-Post einen Rentner ins Rampenlicht rückte

Ein Facebook-Post um Kanzler Merz und Pinocchio und Andreas Hüttner aus Heilbronn stand plötzlich im Mittelpunkt eines Strafverfahrens - und im Scheinwerferlicht der Medien.

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Stand

Nach einem "Pinocchio"-Kommentar über Bundeskanzler Merz auf Facebook sah sich der Heilbronner Andreas Hüttner plötzlich mit einem Ermittlungsverfahren konfrontiert - und mit einem Medienrummel. Sogar Autogramme musste er geben. Nichtsdestotrotz: Wochenlang bangt er um mögliche Konsequenzen. Seit wenigen Tagen ist das Verfahren nun eingestellt. Jetzt will er sein ruhiges Rentnerleben weiter genießen.

Belastend: Mögliche Straftat nach "Politiker-Paragrafen"

"Das war schon belastend", sagt Andreas Hüttner über die vergangenen Wochen. Vor ihm liegt ein Mäppchen mit Dokumenten der Staatsanwaltschaft Heilbronn. Der Vorwurf: eine mögliche Straftat nach § 188 Strafgesetzbuch, dem sogenannten "Politiker-Paragrafen".

Ende Januar erhielt Hüttner das erste amtliche Schreiben der Kriminalpolizei. "Ich war sehr erstaunt, verwundert eigentlich. Ich habe das gar nicht glauben können", sagt er. Zuerst glaubte er an einen Scherz. Doch der Brief war echt.

Ein spontaner Facebook-Kommentar

Auslöser war ein Facebook-Post, in dem Hüttner einen Besuch von "Pinocchio in Heilbronn" ankündigte - eine Anspielung auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Der Post sei humorvoll gemeint gewesen.

Das war keine Beleidigung, das war Satire. Deswegen habe ich von vornherein nicht verstanden, warum ich überhaupt ein Strafverfahren bekomme.

Schreiben der Staatsanwaltschaft Heilbronn. Verfahren Beleidigung Pinocchio wird eingestellt-
Andreas Hüttner sei schon seit Kindestagen ein Pinocchio-Fan und habe aus seinem Italienurlaub ein Souvenir der langnasigen Puppe mitgebracht. Dass der Vergleich zu einem Ermittlungsverfahren führen würde, hätte er nie gedacht.

Doch die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigungen gegen Personen des politischen Lebens ein. Hüttner recherchierte die möglichen Strafen im Internet und war schockiert: "Wenn man liest, was da alles auf einen zukommen kann, das ist schon gesalzen."

Plötzliche Bekanntheit

Seit einer Verschärfung im Jahr 2021 drohen bei bestimmten Tatbeständen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Hüttner legte Einspruch ein, wie er selbst sagt. Wochenlang hörte er nichts von den Behörden. Erst nachdem der Fall öffentlich wurde, nahm die Angelegenheit Fahrt auf. "Dass das so eine Welle wird, hätte ich nie gedacht."

Die Geschichte um seinen Pinocchio-Post landete bundesweit in den Schlagzeilen und ging viral. In den sozialen Medien erhielt Hüttner breite Unterstützung, wie er sagt: "99,9 Prozent standen hinter mir." Beim Fussballclub VfR Heilbronn, wo er auch Gründungsmitglied ist, durfte Hüttner am vergangenen Samstag sogar limitierte Erinnerungskarten ausfüllen und Autogramme geben. Dennoch ist ihm der Wirbel um seine Person unangenehm, er wolle nicht im Mittelpunkt stehen.

Verfahren eingestellt

Vor wenigen Tagen kam die Erleichterung schwarz auf Weiß: Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts ein. Warum die Staatsanwaltschaft einlenkte? Hüttner vermutet, dass der öffentliche Druck eine Rolle spielte.

"Ich bin froh, wenn mein normales Leben wieder beginnt", sagt der Rentner über den Wirbel um seine Person. Und wie sieht er den Politiker, den er nach eigenen Angaben satirisch als Pinocchio bezeichnet hat? "Ich glaube, Herr Merz ist ein lustiger Mensch, ein Sauerländer, der vielleicht drüber schmunzelt."

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SWR

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