Der Mainhardter (Kreis Schwäbisch Hall) Getränkehersteller Aqua Römer lässt zurzeit eine 0,33 Liter Dose mit einem isotonischen Getränk abfüllen - untypisch für die Marke, die sonst vor allem Mineralwasser und Schorlen in Mehrwegflaschen verkauft. Mit der "Aqua Römer Schwabenbrause" sollen vor allem VfB-Stuttgart-Fans angesprochen werden. Schon der Preis von rund vier Euro pro Liter lässt vermuten, dass es weniger ums reine Durstlöschen geht, sagt Martina Boehm dem SWR. Die Professorin leitet den Studiengang Wein, Technologie, Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn.
Heute seien fast alle Lebensmittel und Drogerieartikel - so genannte Fast Moving Consumer Goods (FMCG) - leicht austauschbar. Das gelte ganz besonders für Mineralwasser. Fast niemand könne einzelne Wassermarken direkt in einer Blindverkostung identifizieren, so Boehm. Umso wichtiger seien für die Brunnen starke Marken. Die seit 2021 bestehende Kooperation des Mainhardter Unternehmens mit dem VfB Stuttgart zielt darauf ab, eine Wassermarke mit Fußballbegeisterung aufzuladen. Zur anvisierten Absatzmenge für die "Schwabenbrause" hält sich Aqua Römer bedeckt. Auch dazu, wo die Dose genau abgefüllt wird, denn sie kommt nicht vom Stammsitz.
Absatzgebiet und VfB-Fan-Region decken sich
Insgesamt sind Sportvereine seit jeher begehrte Partner für Brauereien und Brunnen. Nicht nur, weil der Ausschank im Stadion oder bei Veranstaltungen viel Absatz verspricht. Erfrischung hat nach dem Sport eine besondere Bedeutung. Dazu kommt das gesundheitsfördernde Image des Sports.
Der Getränkemarkt in Deutschland sei immer noch sehr regional zerklüftet, erklärt DHBW-Professorin Martina Boehm. So decken sich bei regionalen Anbietern meist das Absatzgebiet des Getränkeherstellers und das Einzugsgebiet des Vereins. Aqua Römer verkaufe seine Produkte alle maximal im Umkreis von 300 Kilometern rund um Mainhardt, teilte Marketingleiterin Ilona Jordan dem SWR auf Anfrage mit.
Warum eine Dose und Zitronengeschmack?
Ein ISO-Getränk mit Zitronengeschmack klingt nicht wie eine große Innovation. Aber die gebe es ohnehin extrem selten auf dem Getränkemarkt, sagt die Professorin. Ziel sei es auch nicht gewesen, eine neue Sorte zu kreieren, sondern ein Gefühl der Liebe der Fans zum VfB und ihrer schwäbischen Heimat zu transportieren, so Jordan: Heißt, weniger ein großer Durstlöscher, eher ein Merchandise-Artikel für die Fan-Vitrine.
Dass sich Aqua Römer bei der Schwabenbrause für eine Dose und nicht für eine Flasche entschieden hat, hat vermutlich praktische Gründe. Dosen kann das Unternehmen sehr gut gestalten, erklärt Martina Boehm. Bei Flaschen sei das deutlich schwieriger. Die Dose konterkariere auch nicht die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens, meint Ilona Jordan. Denn sie habe eine hohe Recyclingrate, verbrauche in diesem Prozess wenig Energie und sei leicht und platzsparend.
Was sagt der VfB zur "Schwabenbrause"?
Laut VfB Stuttgart findet das Getränk bei den Fans einen "sehr großen Anklang". Der Verein würde sich sehr darüber freuen, wenn die Schwabenbrause zu einem "neuen Kultgetränk der VfB-Familie" wird, so ein Sprecher.