Gerade im Herbst häufen sich auch in der Region Heilbronn-Franken die Unfälle. Erst am vergangenen Mittwoch ist ein Auto wegen Aquaplanings auf der A81 bei Großrinderfeld (Main-Tauber-Kreis) ins Schleudern geraten und rutschte in den Gegenverkehr. Dabei könnte laut der Kreisverkehrswacht in Heilbronn ein Fahrsicherheitstraining helfen, solche Unfälle zu vermeiden. Doch der Geschäftsstellenleiterin Bianca Mann zufolge machen das noch viel zu wenige.
SWR-Reporterin Aleyna Tas war beim Training dabei und erklärt, warum eine Teilnahme wichtig sein kann:
Fahrsicherheitstraining: Kontrolle üben zur Unfallvermeidung
Allerdings sei nicht Aquaplaning die häufigste Unfallursache, so Bianca Mann, sondern Ablenkung und der falsche Umgang mit dem Fahrzeug. Zu schnelles oder zu gemütliches Fahren, "dann klingelt das Handy oder man schaut auf das Navi, man kommt leicht in den Grünstreifen, erschrickt und verreißt das Lenkrad". Panik - ein typisches Muster, das oft im Gegenverkehr ende.
Im Fahrsicherheitstraining lernen die Teilnehmenden deshalb, wie sie in solchen Momenten ruhig bleiben und richtig reagieren. Auch wenn das Fahrzeug aufgrund von Nässe ins Schleudern gerät. "Wir trainieren das Vollbremsen, das Lenken, den Umgang mit der Elektronik und das Verhalten, wenn das Auto ausbricht", sagt Mann. Nur wer das erlebt habe, könne im Ernstfall sicher handeln.
Andre Szopa hat schon einmal an einem Fahrsicherheitstraining mitgemacht und bestätigt das. Daher nimmt er auch immer wieder für seine Firma am Training teil. Dem SWR erzählt er, erst vor Kurzem sei er in eine Aquaplaning-Situation geraten und habe intuitiv das umgesetzt, was er im Training gelernt habe. Dadurch habe er verhindern können, dass er auf die andere Spur kommt.
Es macht immer Sinn. Egal ob Dienstfahrzeug oder Privatauto, [...] man ist einfach sicher unterwegs.
Zu wenige kennen die Angebote auf dem Verkehrsübungsplatz
Umso trauriger sei es, dass viele gar nicht wüssten, dass es überhaupt ein Fahrsicherheitstraining gibt, findet Bianca Mann. Hauptsächlich seien es Firmen, die ihre Mitarbeitenden schicken - wie die von Andre Szopa. Auch hier sei aber noch Luft nach oben. Denn immerhin könnten Firmen sich das Fahrsicherheitstraining von der Berufsgenossenschaft bezahlen lassen. "Das wissen ganz viele Firmen gar nicht", so Mann weiter.
Wieder Unfälle auf regennassen Autobahnen Aquaplaning: Auto überschlägt sich auf A81 bei Möckmühl
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Dauerregen. Auf der A6 und vor allem der A81 hat das erneut zu mehreren Aquaplaning-Unfällen geführt - letztere ist immer wieder betroffen.
Auch sei der Männeranteil deutlich höher. Es gibt aber auch reine Frauenkurse, erklärt Bianca Mann, falls sich Frauen in einer Männergruppe unwohl fühlen. Neben dem Fahrsicherheitstraining kann man auf dem Verkehrsübungsplatz aber auch als Fahranfängerin und Fahranfänger üben oder schon während man den Führerschein macht.
"Von O bis O": Viele fahren zu lange mit Sommerreifen
Neben zu hoher Geschwindigkeit, Ablenkung beim Fahren sowie Panik wie etwa bei Aquaplaning nennt Fahrsicherheitstrainerin Bianca Mann einen ebenfalls weitverbreiteten Fehler im Straßenverkehr: Die falschen Reifen. 80 Prozent der Autofahrer seien derzeit noch mit Sommerreifen unterwegs.
Eine Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland in der Form allerdings nicht. Der ADAC empfiehlt daher die Faustregel "Von O bis O", was für "Von Oktober bis Ostern" steht. Auch Bianca Mann empfiehlt, im Oktober schon mit Winterreifen unterwegs zu sein. Allwetterreifen seien zwar eine Alternative, reichten aber bei starkem Regen und niedrigen Temperaturen nicht aus.
Ein weiterer Hinweis: Schon die richtige Einstellung des Fahrersitzes und des Lenkrads kann sich positiv auf die Fahrsicherheit auswirken. Auch das prüft Bianca Mann mit den Teilnehmenden in ihrem Kurs. Das ist allerdings von Fahrer zu Fahrer und Fahrzeug zu Fahrzeug verschieden.
Aquaplaning und Straßenzustand: Immer wieder Unfälle auf der A81
Auf der A81 kommt es immer wieder zu Unfällen bei Regen. Dort können sich vor allem bei starkem Regen Wassermengen in Spurrillen sammeln - mit der Folge, dass Fahrzeuge aufschwimmen und ins Schleudern geraten. Auch deshalb stand die Autobahn zwischen Stuttgart und Würzburg schon häufig in der Kritik. Auch der Heilbronner Fahrlehrer Giovanni Marino bemängelt den seiner Ansicht nach zu schlechten Straßenzustand. Besonders die A81 werde zu rund 80 Prozent von Lkw genutzt. Dadurch entstünden tiefe Spurrillen.
Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war 2020 bei Möckmühl (Kreis Heilbronn) in einen Unfall verwickelt, als ein anderes Auto wegen Aquaplaning die Kontrolle verlor. Er und seine Mitfahrer blieben unverletzt, das einjährige Kind des Unfallverursachers starb eine Woche später im Krankenhaus.