Die Crailsheimerinnen und Crailsheimer (Kreis Schwäbisch Hall) haben am Sonntag die Wahl: Drei Kandidaten stehen auf dem Stimmzettel. Gesucht wird der kommende Oberbürgermeister. Auch Amtsinhaber Christoph Grimmer (parteilos) tritt wieder an.
Crailsheim wächst: Verglichen mit 1975 gibt es dort 45 Prozent mehr Menschen, berichtet das Statistische Landesamt. Mittlerweile hat die Stadt knapp 36.000 Anwohnerinnen und Anwohner. Das macht Crailsheim zu einer der am stärksten wachsenden Städte in Baden-Württemberg.
In der zweitgrößten Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall tut sich einiges: Der Bahnhof soll nach langer Zeit endlich barrierefrei werden. BÜRGER, einer der größten Arbeitgeber Crailsheims, hat ein Rekordjahr hinter sich. Das Großprojekt neues Hallenbad nähert sich dem Ende - und das in einer Zeit, in der andere Kommunen Bäder eher schließen als eröffnen.
Die örtliche Braumanufaktur Engel wurde zur Brauerei des Jahres gekürt. Der Volksfestplatz, Veranstaltungsort des Fränkischen Volksfests, bekommt ein neues Gesicht mit mehr Grün. Beim örtlichen Vion-Schlachthof hingegen ist noch offen, wie es weitergeht. Die Diskussion um eine eigene Kulturhalle schwelt im Walhkampf weiter.
Doch welche dieser Punkte beschäftigen die Bürgerinnen und Bürger besonders, was ist für sie für die Wahlentscheidung wichtig?
Sicherheitsgefühl in Crailsheim: Da ist Luft nach oben
Beispielsweise das Sicherheitsgefühl, da ist noch Luft nach oben, findet eine junge Frau in der Innenstadt. Vor vier Jahren ist sie hergezogen, da sei es noch nicht so schlimm gewesen. Doch mittlerweile fühle sie sich unsicher, wenn sie abends rausgehe. Auch eine Gruppe von älteren Frauen bestätigt: Nachts, da möchten sie nicht alleine unterwegs sein.
Seit Juni gibt es in Crailsheim die City-Streife, eine private Sicherheitsfirma, die den kommunalen Ordnungsdienst unterstützt und vor allem am Wochenende in der Stadt unterwegs ist. Seither ist es schon etwas besser geworden, findet ein junger Mann. Aber für ein sicheres Nachtleben bräuchte es noch mehr Sicherheits-Leute.
Engpass beim Ordnungsdienst City-Streife soll in Crailsheim das Sicherheitsgefühl erhöhen
Die Stadt Crailsheim setzt bei ihrer neuen City-Streife auf eine private Sicherheitsfirma. Die Stadt Heilbronn leistet sich das schon seit einigen Jahren.
Das Projekt City-Streife ist vorläufig auf ein Jahr angelegt, dann muss der Gemeinderat entscheiden, wie es weitergeht.
Verkehr in der Innenstadt: Geteilte Meinungen, keine Lösung
Ein häufiges Thema: der Verkehr in der Innenstadt. Nur, ob die Autos aus dem Zentrum besser herausbleiben, oder doch lieber schneller durchfahren sollten - da gehen die Meinungen auseinander. Für einige gibt es zu viele Bereiche mit Tempo 30, die würden den Verkehr nur ausbremsen. Einer anderen Frau wären dagegen weniger Autos deutlich lieber.
Doch wie eine mögliche Umsetzung aussehen könnte? Die temporäre Fußgängerzone jedenfalls hat nicht geholfen, findet sie. Da waren dann trotzdem noch viele Roller und Fahrräder unterwegs, dass sie am Ende auf den Gehweg ausweichen musste.
Hübscher könnte die Innenstadt aber auf jeden Fall noch werden, da sind sich viele Passanten einig. Und was ihnen besonders fehlt: Das Angebot für Jugendliche sei deutlich zu klein. Stattdessen gibt es zu viele Friseursalons und Brillengeschäfte, moniert ein junger Mann.
Hangar oder doch eigene Kulturhalle?
Was viele Befragten vermissen: eine eigene Kulturhalle für Crailsheim. Aktuell gibt es den Hangar als Veranstaltungsort. Mit dem ist aber gerade eine Gruppe älterer Frauen sehr unzufrieden. Andere Städte hätten schöne Konzerthäuser, warum nicht Crailsheim? Gerade wenn es regnet, sei die Akustik im Hangar mangelhaft, teilweise verstehe man die Leute auf der Bühne kaum - wie erst vor Kurzem, als die drei OB-Kandidaten zur Bürgerfragestunde antraten.
Andere Bürgerinnen und Bürger wiederum verteidigen die Entscheidung der Stadt, die Halle zu kaufen und für Veranstaltungen zu nutzen. Was ein junger Mann viel wichtiger findet als eine Kulturhalle: dass die HAKRO Merlins ihre Spielstätte zurück in die Innenstadt verlegen. Denn die Basketballer spielen in der Arena Hohenlohe in Ilshofen (Kreis Schwäbisch Hall) - trotz "Crailsheim" im Namen.
Umbau des Volksfestplatzes
Direkt nach dem Fränkischen Volksfest gingen die weiteren Umbauarbeiten auf dem Volksfestplatz los. Jetzt werden dort unter anderem Bäume gepflanzt. Doch ob das sein müsste, da finden sich in der Crailsheimer Innenstadt mehr Gegner als Befürworter.
Bäume gibt es schließlich drumherum genug, meint eine Frau. Da brauche es auf dem Platz nicht noch mehr. Eine andere junge Frau ist derselben Meinung: Der Platz wird als Parkplatz und für das Volksfest benötigt, das Geld für den Umbau wäre anderswo besser aufgehoben. Die Umbauarbeiten dauern noch bis 2027 an.
Großprojekt nähert sich dem Ende: Hallenbad mit Maultaschen-Heizung
Einer der ersten größeren Termine des neuen Oberbürgermeisters dürfte die Einweihung eines Großprojekts im Frühjahr 2026 sein: Dann ist die Eröffnung des neuen Hallenbads geplant. Rund 24 Millionen Euro kostet der Neubau, der zum größten Teil auf ganz besondere Weise beheizt wird. Und zwar mit Abwärme vom nahegelegenen Werk der Firma BÜRGER, bekannt unter anderem für ihre Maultaschen.
2024 nahm BÜRGER seine neue Kältezentrale in Crailsheim in Betrieb. Die Abwärme, die dort beim Kühlen entsteht, soll bis zu zwei Drittel der Heizleistung im neuen Hallenbad übernehmen.
Trotz vieler Themen: Längst nicht jeder geht wählen
Hört man sich auf der Straße um, gibt es aber auch einige Menschen, die erst gar nicht vorhaben, am Sonntag an die Urne zu gehen. Die Gründe sind unterschiedlich: kein Interesse an der weiteren Entwicklung, frisch zugezogen und noch nicht informiert genug. Oder sie können mit allen drei Kandidaten auf dem Stimmzettel nichts anfangen. Bei der vergangenen Wahl 2017 lag die Wahlbeteiligung bei 39,1 Prozent.
So geht es nach der Wahl weiter
Am Sonntag um 18 Uhr schließen die Wahllokale. Falls keiner der drei Bewerber die 50-Prozent-Hürde knackt, gibt es eine Stichwahl. Die ist für den 30. November angesetzt. Die Amtszeit des bisherigen Oberbürgermeisters endet dann offiziell am 31. Januar 2026.
2017 war keine solche Stichwahl notwendig. Christoph Grimmer sicherte sich direkt die Mehrheit mit 56,9 Prozent.