Der Plan zweier Kontrahenten, den Vion-Schlachthof in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) zu übernehmen, geht weiter. Westfleisch mit Sitz in Münster hat jetzt in dem Streit um die Übernahme der Standorte in Süddeutschland, darunter Crailsheim, den Druck erhöht. So ging ein Brief an die Landwirtinnen und Landwirte im Raum Schwäbisch Hall.
Darin heißt es, Westfleisch sei sofort zu Übernahmegesprächen mit Vion bereit. Die Premium Food Group, ehemals Tönnies, blockiere aktuell aber eine rasche Lösung. Derweil läuft eine Klage der Premium Food Group vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht gegen die Entscheidung des Bundeskartellamts, das im Juni der Premium Food Group die Übernahme untersagt hatte. Die hiesigen Landwirte sind in Sorge.
Die Landwirtschaft in Süddeutschland braucht jetzt schnellstmöglich eine zuverlässige Perspektive.
Westfleisch kritisiert: Premium Food Group akzeptiert Kartellamtsentscheid nicht
Westfleisch sei bereit, sofort in Übernahmegespräche mit Vion einzusteigen, steht in dem Brief. Allerdings sei Vion vertraglich noch bis zum kommenden Jahr "exklusiv an die Premium Food Group gebunden". Westfleisch beanstandet die "Hängepartie", die dadurch entsteht, dass die Premium Food Group den Kartellamtsentscheid nicht akzeptiert. Das verlängere die Unsicherheit der Landwirtschaft um mindestens sechs Monate und verhindere eine schnelle, "zukunftssichere Lösung" für die Bauern, steht im Brief.
Über die Kommunikation von Westfleisch sei man mehr als verwundert, so die Reaktion der Premium Food Group. Sie kann sich weiter vorstellen, auch einen Antrag auf Ministererlaubnis zu stellen, um die Vion-Standorte mit Crailsheim übernehmen zu können. Der Konzern spricht von "klaren Konzepten sowie Investitions- und Zukunftsplänen für die Übernahme der Standorte". Bei dem Brief von Westfleisch an die Landwirtschaft hätte das Unternehmen unterschlagen, "mit dem Schlachthof in Augsburg selbst bereits im größeren Stile in Süddeutschland aktiv" und damit bereits heute ein "aktiver Wettbewerber im Süden" zu sein.
Kartellamt will dominierende Marktposition verhindern
Das Kartellamt hatte damals entschieden: Mit einer Übernahme hätte die Premium Food Group aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen neben der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen auch bei Rindern eine dominierende Position erlangt. Die Übernahme hätte die Marktposition "bedenklich bestärkt".
Der Bauernverband Schwäbisch Hall - Hohenlohe - Rems verfolgt das Hin und Her derweil mit Sorge. Für den Vorsitzenden Jürgen Maurer sind Zukunftsinvestitionen in den Standort das Allerwichtigste: Man habe weder bei Vion noch bei Westfleisch oder bei Tönnies "Aktien drinnen".
Für uns ist es sehr, sehr wichtig, dass der Standort weiterbetrieben wird.
Die kurzen Transportwege seien von Bedeutung. Würde es nicht gelingen, den Schlachthof zu halten, ginge auch die Tierhaltung zurück.