Mit den heißen Sommertagen stellt sich in Baden-Württemberg erneut die Frage: Wann gibt es Hitzefrei an Schulen? Während die Temperaturen über die 30-Grad-Marke klettern, diskutieren Eltern, Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte über die Regelungen zum Thema Hitzefrei. Doch wie genau funktioniert das eigentlich in Baden-Württemberg?
Keine einheitliche Festlegung von Hitzefrei für Schulen in BW
In Baden-Württemberg gibt es keine gesetzlich festgelegte Temperatur, ab der automatisch Hitzefrei erteilt wird. Das Kultusministerium gibt lediglich Empfehlungen aus, am Ende soll die Schulleitung entscheiden. Wenn es um 11 Uhr vormittags im Schatten mindestens 25 Grad hat, soll Hitzefrei gegeben werden können - frühestens aber nach der vierten Schulstunde. Benachbarte Schulen sollen sich möglichst abstimmen. Die Empfehlung gilt nicht für berufliche Schulen und die Oberstufe an Gymnasien.
Die Entscheidung hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern zum Beispiel auch von den Betreuungsangeboten, den verfügbaren Lehrkräften und ob die Schüler abgeholt werden können.
Das sagt das Kultusministerium zu Hitzefrei
Wie das Kultusministerium auf SWR-Anfrage mitteilt, werde die Anzahl von Hitzefrei-Tagen an Schulen nicht erfasst. Schulen müssen laut Ministerium aber weiterhin die Kinder im Blick behalten, deren Eltern berufstätig sind und bei Hitzefrei nicht die Betreuung des Kindes garantieren können. Daher seien die Schulen an die Zeiten für Ganztagsschulen gebunden.
Grundsätzlich trage jede Lehrkraft die pädagogische Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Schülerinnen und Schüler, heißt es aus dem Kultusministerium. Laut Ministerium stehen dabei deren Wohlergehen und Gesundheit im Vordergrund.
GEW fordert Sanierungsoffensive
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist der Ansicht, dass Hitzefrei immer nur eine Notlösung und zu keinem Dauerzustand werden kann. Wichtig sei eine Sanierungsoffensive, um Kita- und Schulgebäude "fit für den Klimawandel" zu machen. Neue Schulden dürften kein Tabu sein, wenn es darum gehe, in gute Bildung zu investieren. "Dazu gehören Klassenzimmer, in denen gelernt und nicht nur geschwitzt werden kann", so die Gewerkschaft.
VBE-Landesvorsitzender kritisiert Hitzefrei-Richtlinien
Oliver Hintzen, Rektor der Johann-Belzer-Schule in Weisenbach (Kreis Rastatt) und stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), fordert landesweit feste Vorgaben für Hitzefrei. Orientieren könne man sich dabei an den Richtlinien für Arbeitsstätten: "Die sind klarer. Die müsste man verpflichtend einführen, nicht nur als Empfehlung." Es heiße immer, Schulen seien keine Bürogebäude, so Hintzen, "dabei sind wir drinnen und arbeiten."
Die Politik müsse das Thema angehen, fordert Hintzen: "Alle Maßnahmen bisher sind kontraproduktiv." Für die kommende Woche hat Hintzen eine eigene Maßnahme entschieden: Statt Unterricht zu machen, geht er mit den Schülerinnen und Schülern ins Freibad. "Wenn es zu warm wird, werden die Kinder einfach unkonzentriert", meint Hintzen
Bauart des Schulgebäudes spielt Rolle bei Entscheidung über Hitzefrei
Aber auch die Art des Schulgebäudes spielt eine Rolle bei der Entscheidung. Besonders in älteren Schulgebäuden ohne moderne Klimatisierung oder ausreichende Beschattung kann die Hitze schnell zu einer gesundheitlichen Belastung werden.