Der Frühling hat gerade erst richtig angefangen, da stehen schon die ersten Bäume in Flammen: Am letzten Sonntag im April geriet ein steiler Hang in einem Waldgebiet nahe Stuttgart in Brand. Seit Dienstag herrscht fast überall in Baden-Württemberg mindestens eine mittlere bis hohe Waldbrandgefahr.
Risiko für Waldbrände: Wenig Regen, trockene Böden
Besonders betroffen sind Orte rund um den Bodensee, etwa rund um Sigmaringen oder bei Biberach. Das liegt laut SWR-Umweltredakteurin Janina Schreiber daran, dass es den ganzen April über hier vergleichsweise wenig geregnet hat. Die Böden seien dementsprechend trocken und das werde sich in dieser Woche wohl kaum noch ändern. Deshalb sei auch am langen Wochenende rund um den 1. Mai mit erhöhter Waldbrandgefahr zu rechnen.
Waldbrandsaison hat begonnen
Ungewöhnlich ist das nicht. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes geht typischerweise zwischen März und Oktober eher nach oben. Dann ist Waldbrandsaison. Das belegt auch die Statistik: Zwei Drittel aller Waldbrände in Deutschland entstehen im Frühjahr.
Die Situation aktuell hat auch damit zu tun, dass es im vergangenen Winter weniger geregnet hat als gewöhnlich. Auch der April war regenarm und eher sonnig. Außerdem sind noch nicht alle Bäume komplett dicht mit Blättern bewachsen - die Sonne kann dann ungehindert auf den Waldboden scheinen. Dort liegt jetzt um diese Jahreszeit eine dicke Schicht aus altem Laub, Ästen und Pflanzenresten, die noch nicht verrottet sind. Diese Schicht wird dann nach ein paar Tagen Sonne und Wärme knochentrocken und kann leicht in Brand geraten.
Richtiges Verhalten bei Trockenheit im Wald: Nicht rauchen, parken oder grillen
Um die Gefahr nicht weiter zu erhöhen, gibt es Regeln, die man beachten sollte, erklärt SWR-Umweltredakteurin Nadine Gode. Zum Beispiel ist das Rauchen in vielen Wäldern grundsätzlich verboten. Vom 1. März bis 31. Oktober gilt das Rauchverbot in der Regel zusätzlich schon in 100 Metern Entfernung zum Waldrand, denn Bodenbrände breiten sich bei Dürre sehr schnell aus.
Wer am langen Wochenende einen Ausflug plant, sollte nicht zu nah am Wald parken - und nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen. Die heißen Katalysatoren am Unterboden eines Autos können nämlich schon reichen, um trockene Gräser oder Gestrüpp zu entzünden. Auch dürfen wichtige Rettungswege für die Feuerwehr nicht versperrt werden.
Ferner liegt auf der Hand, dass man kein offenes Feuer im Wald machen sollte. Das bedeutet: weder Lagerfeuer anzünden noch grillen. Oft gibt es ausgewiesene Grill- oder Feuerplätze. Bei hoher Waldbrandgefahr ist es aber auch dort oftmals nicht mehr erlaubt.
Mannheim und Heidelberg verbieten öffentliches Grillen ab Gefahrenstufe 4
In Mannheim und Heidelberg ist öffentliches Grillen - selbst auf ausgewiesenen Plätzen - ab Waldbrandgefahrenstufe 4 verboten. Dieses Verbot greift somit vielerorts schon. In Freiburg entscheidet das Forstamt je nach Lage, wann Grill- und Feuerstellen gesperrt werden. Auch Baden-Baden weist darauf hin, dass bei erhöhter Gefahr Einschränkungen möglich sind. In der Region Stuttgart haben die Landkreise für den Maifeiertag bis jetzt keine Beschränkungen geplant, ergaben Anfragen des SWR. Auch in der Landeshauptstadt dürfen die Menschen einem Sprecher zufolge an den gekennzeichneten Grillplätzen und Feuerstellen ohne Einschränkungen grillen.
Diese Beispiele zeigen: Eine einheitliche Regel gibt es nicht. Wie hoch das lokale Risiko ist, lässt sich am Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes ablesen. Illegales Grillen kann teils empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.
Was tun, wenn es im Wald brennt?
Wichtig ist, sich zunächst selbst in Sicherheit zu bringen. Erst danach sollte man den Notruf 112 wählen. Dort sollte man möglichst genaue Informationen weitergeben: Wo brennt es genau? Was genau brennt - am Boden, oder in den Baumkronen? Sind Menschen oder Gebäude in der Nähe des Feuers? Wenn möglich, sollte man nach Absetzen des Notrufs erreichbar und vor Ort bleiben, damit man die Einsatzkräfte zum Brandort führen kann. Das BW-Landwirtschaftsministerium empfiehlt außerdem die App "Hilfe im Wald": Damit kann man seinen Standort im Wald direkt an die Rettungskräfte übermitteln.