Diskussion um Merz-Aussage

In diesen Branchen arbeiten Syrerinnen und Syrer in Baden-Württemberg

Merz sorgt mit der Aussage, dass 80 Prozent der Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren sollen, für Diskussionen. Was würde das für den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bedeuten?

Teilen

Stand

Von Autor/in Jenny Beyen

27.720 - So viele Syrerinnen und Syrer arbeiten in Baden-Württemberg nach aktuellem Stand in sozialversicherungspflichtigen Jobs. 84 Prozent davon Männer, 16 Prozent Frauen. Das zeigen Zahlen der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit (BA Baden-Württemberg).

Mehr als die Hälfte von ihnen nehmen eine "qualifizierte Tätigkeit" wahr, sprich, sie sind als Fachkräfte beschäftigt (rund 46 Prozent) oder üben eine Experten- oder Spezialistentätigkeit aus (knapp 8 Prozent).

Laut dem, was Friedrich Merz am Montag nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa geäußert hat, plant er, dass in den nächsten Jahren 80 Prozent der insgesamt mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren sollen.

Rückkehr nach Syrien für "signifikante Zahl der Kriegsflüchtlinge"

Merz sagt, die Zahl stamme von al-Scharaa, der bestreitet das. Klar ist aber laut Regierungssprecher Stefan Kornelius: Für eine "signifikante Zahl der Kriegsflüchtlinge" sei der Schutzgrund entfallen, die Rückkehr in die Heimat stehe bevor.

Doch was würde das für den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bedeuten, wenn vier Fünftel der hier lebenden Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurückkehren würden? Welche Branchen wären besonders betroffen? Und wie wirkt sich das auf den sowieso schon bestehenden Fachkräftemangel aus?

Merz-Aussage in der Diskussion Kehren Syrer aus Baden-Württemberg jetzt alle zurück in ihre Heimat?

Ein Großteil der Flüchtlinge soll nach Syrien zurückkehren, fordert Merz nach dem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Al-Scharaa. Ist das realistisch?

Syrische Ärzte und Pfleger haben "erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung"

Quantitativ gesehen ist das Verhältnis der Syrerinnen und Syrer zur Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland zwar gering. Deutschlandweit arbeiten die meisten von ihnen aber in sogenannten Engpassberufen. Das sind Berufe, in denen viel Personal gebraucht wird, aber wenig zur Verfügung steht. Dazu gehört etwa das Gesundheitswesen - also Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern und Altenheimen.

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft bilden syrische Ärzte die größte Gruppe unter ausländischen Ärzten in Deutschland. "Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung", sagte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Syrer arbeiten auch oft in Hotels, Restaurants und im Handwerk.

In Baden-Württemberg sind die meisten der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Syrerinnen und Syrer im verarbeitenden Gewerbe (15,6 Prozent), im Handel (13,3 Prozent) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (11,2 Prozent) tätig. Das zeigt eine Auswertung der BA Baden-Württemberg.

In welchen Berufen arbeiten Syrer und Syrerinnen in Baden-Württemberg?

Dazu gehören auch Pflegeberufe, in denen es Fachkräftemangel gibt, genauso wie im Gastgewerbe. "Würden die Syrerinnen und Syrer dort nicht mehr arbeiten, würde sich der Fachkräftemangel in diesen Branchen verschärfen", heißt es von der BA Baden-Württemberg.

Arbeitsmarkt wäre "empfindlich" getroffen

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt mit Blick auf Deutschland vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels. "Wenn tatsächlich 80 Prozent der syrischen Geflüchteten in ihre Heimat zurückkehren, wird das den Arbeitsmarkt empfindlich treffen", sagte Angelina Hackmann, DIW-Arbeitsmarktexpertin am Dienstag.

Baden-Württemberg liegt laut der Regionaldirekten Baden-Württemberg der BA mit auf den Spitzenplätzen bei der Beschäftigung von Syrerinnen und Syrern im Bundesländervergleich. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage und weiterem Zuzug sei die Arbeitslosigkeit von Syrerinnen und Syrern zuletzt zurückgegangen. Arbeitslose Syrer seien jünger als der Durchschnitt der arbeitslosen Menschen. Mit Blick auf die Demografie könnten sie ein wichtiger Hebel zur Fachkräftesicherung sein.

Merz-Aussage in der Diskussion Kehren Syrer aus Baden-Württemberg jetzt alle zurück in ihre Heimat?

Ein Großteil der Flüchtlinge soll nach Syrien zurückkehren, fordert Merz nach dem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Al-Scharaa. Ist das realistisch?

Forum Geflüchtete Syrer – Müssen sie zurück?

Der Druck auf syrische Geflüchtete, in ihre alte Heimat zurückzukehren, wird größer. Innenminister Dobrindt hat eine „Abschiebeoffensive“ angekündigt. Doch was erwartet Rückkehrer in Syrien? Welche Zukunft hat das Land?

Forum SWR Kultur

2017: Ankunft in Deutschland – 2025: Deutsche Staatsbürgerschaft Die beeindruckende Karriere des aus Syrien stammenden Arztes Tarek Alhomsi

Der syrische Arzt Tarek Alhomsi kommt 2017 in die Pfalz und startet seine beeindruckende Karriere. Heute arbeitet er als Sportmediziner und ist Mannschaftsarzt vom SV Sandhausen.

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RLP

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Theresa Rauffmann
Autor/in
Jenny Beyen

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!