Die reaktivierte Tiefflugzone LFA 7 stellt Segelflieger auf der Ostalb seit Ende November vor neue Herausforderungen. Ein Fluglehrer warnt vor brenzligen Momenten, wenn sich Hobbyflieger und Kampfjetpiloten zu nah kommen. Wie läuft das ab, wenn Hobbyflieger und Bundeswehr-Jets sich den Luftraum teilen?
Hobbyflieger über Kampfjets: "Das erzeugt Blutdruck"
Bernd Schmid ist ein alter Hase in der Luft: Seit mehr als 50 Jahren sitzt er schon im Cockpit eines Segelflugzeugs, seit fast 40 Jahren bildet er außerdem Nachwuchspiloten aus. Den Himmel über der Ostalb, besonders rund um den Flugplatz Aalen-Elchingen, kennt er wie seine Westentasche. Doch mit der reaktivierten Tiefflugzone "Low Flying Area 7" (kurz LFA 7) hat sich einiges verändert - vor allem für Hobbyflieger wie ihn.
"Wenn wir im Segelflugzeug schnell unterwegs sind, kommen wir auf etwa 200 Kilometer pro Stunde", erklärt Schmid. "Aber das ist nichts im Vergleich zu einem Jet, der knapp unter Schallgeschwindigkeit fliegt." Die Geschwindigkeitsdifferenz sei enorm - und genau das mache es riskant. Im schlimmsten Fall komme ihm ein Kampfjet entgegen. Dann bleibt kaum Zeit zum Überlegen. "In Bruchteilen von Sekunden muss man reagieren", sagt Schmid. "Das erzeugt Blutdruck", scherzt der erfahrene Flieger.
Segelflieger und Kampfjet - Tieffluggebiet sorgt für Gefahrenpotenzial
Solche Situationen seien aber natürlich nicht der Alltag. Ein Segelflugzeug fliegt in der Regel in einer Höhe zwischen 1.000 und 3.000 Metern. Das Tieffluggebiet, die LFA 7, ermöglicht es den Jets der Bundeswehr, in einer Tiefe von bis zu 75 Metern ihre Übungen durchzuführen. Laut Bernd Schmid besteht aber dennoch eine Gefahr, sich in die Quere zu kommen.
Zum Beispiel beim Start oder wenn aufgrund der Wetterbedingungen eine Landung außerhalb des Flugplatzes notwendig ist. "Da konzentriert man sich auf die Landung, damit man den Segelflieger heil runterbringt", erklärt Bernd Schmid. "Da hat man den Kopf vielleicht noch zu zehn Prozent frei, um zu gucken, ob da noch was unterwegs ist, was auf einen zufliegt."
Bundeswehr: Tiefflug muss "unbedingt trainiert werden"
Laut einem Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr werde alles unternommen, um eine Gefährdung des zivilen Flugbetriebs auszuschließen. "Ziel des Tiefflugs - speziell in den LFA - ist es, möglichst unentdeckt unter der Luftverteidigung des Gegners agieren zu können. Selbstverständlich steigt mit abnehmender Flughöhe auch das Risiko für die Luftfahrzeuge und ihre Besatzungen. Daher muss der Tiefflug unbedingt trainiert werden", so der Sprecher weiter.
Grundsätzlich sei an Wochentagen von sieben bis 17 Uhr - außer an Feiertagen - "mit militärischem Flugbetrieb zu rechnen". Laut des Bundeswehr-Sprechers werden die Tiefflüge nach Sichtflugregeln durchgeführt und in der Regel durch die taktische Radarüberwachung (GCI) am Boden unterstützt. "Dabei halten sich in diesem Luftraum alle Luftfahrzeuge, militärisch wie zivil, gleichberechtigt auf", so der Sprecher weiter. Luftfahrzeuge, die sich einander nähern, haben dann nach festgelegten Regeln auszuweichen.
Rund um Ellwangen und Crailsheim wird es laut Tiefflüge von Kampfjets wieder erlaubt: Früherer Pilot erklärt, warum sie wichtig sind
Die Bundeswehr darf wieder Tiefflüge üben - bis auf 80 Meter Höhe. Betroffen ist auch die Gegend rund um Crailsheim und Ellwangen. Ein früherer Kampfpilot schildert, warum solche Flüge wichtig sind.
Flugplatz Aalen-Elchingen reagiert auf Tiefflüge der Bundeswehr
Die Hobby-Flieger auf dem Flugplatz in Aalen-Elchingen wollen trotzdem auf Nummer sicher gehen und haben freiwillig einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. In mehreren der Segelflieger wurden Warnsysteme nachgerüstet, die anzeigen, wenn ein Jet sich in der Nähe befindet. Kostenpunkt: rund 10.000 Euro in Summe für mehrere Segelflugzeuge. In Zukunft wollen sie sogar noch weitergehen und Geräte verbauen, die es auch den Jets ermöglichen, die Segelflieger zu orten.
Der Flugplatz hat zusätzlich auch eine Tiefflugschutzzone bei der Deutschen Flugsicherung beantragt. Diese soll dafür sorgen, dass die Kampfjets rund um den Flugplatz Aalen-Elchingen keine Tiefflüge mehr machen dürfen. Bernd Schmid ist es aber wichtig zu betonen, dass es bislang eine "friedliche Koexistenz" mit der Bundeswehr gibt. Diese wünscht er sich auch für die Zukunft.