Eine Umfrage unter 1.000 Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführern von Unternehmen mit Sitz in Deutschland hat ergeben: knapp 60 Prozent gehen davon aus, dass in Deutschland bis 2030 Arbeitsplätze abgebaut werden. Woanders in Europa, beispielsweise Ungarn, sollen allerdings neue Jobs dazu kommen.
Arbeit wird nach Ungarn verlagert
Seit 50 Jahren produziert das Unternehmen Kaco in Kirchardt (Kreis Heilbronn) Dichtungen für die Automobilindustrie. Seit einigen Jahren werden nicht nur die Maschinen weniger, auch mehr als 150 Arbeitsplätze sind am deutschen Standort weggefallen. Denn der Kostendruck in der Branche ist immens.
Ein Großteil des Rohgummis aus Kirchardt wird nicht mehr hier weiterverarbeitet, sondern jede Woche mit Lkw nach Ungarn transportiert. Hier produziert Kaco deutlich günstiger als in Deutschland - vor allem wegen niedrigerer Personalkosten.
Problem: Hohe Arbeitskosten in Deutschland
Im Schnitt liegen die Arbeitskosten in Ungarn pro geleisteter Stunde im verarbeitenden Gewerbe bei 15,60 Euro. In Deutschland sind es mehr als 3-mal so viel: 49,50 Euro. Die reguläre Arbeitszeit in Ungarn beträgt 40 Stunden. In Deutschland sind es laut IG-Metall-Tarifvertrag 35 Stunden.
So sehr die Sozialpartner zum Wohlstand beigetragen haben, so problematisch ist das mittlerweile geworden, im internationalen Wettbewerb. Keine Frage: Der Tarifvertrag, so gut er ist, wird mittlerweile zum Problem.
Kaco hat angekündigt, Ende August 2026 den Arbeitgeberverband Südwestmetall zu verlassen. In den kommenden Monaten soll mit den Arbeitnehmervertretern ein Haustarifvertrag abgeschlossen werden.
Produktion woanders, Forschung in Deutschland
Experten und Expertinnen sehen in der Abwanderung von deutscher Produktion nach Osteuropa allerdings auch eine Chance. Anita Wölfl vom Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo sagt, die deutsche Automobilindustrie könne so verstärkt in Bereiche investieren, in denen sie Wettbewerbsvorteile hätten - darunter Forschung, Entwicklung und Innovationen.
Auch bei der Kaco teilt man diesen Gedanken. Während allein im laufenden Jahr vier Produktionsanlagen von Deutschland nach Ungarn verlagert wurden, soll die hauseigene Entwicklungsabteilung in Baden-Württemberg bleiben.
Entwicklung ist das Herzstück. Das hat Deutschland drauf, die Kreativität ist im internationalen Vergleich top, würde ich sagen. Das dürfen wir uns keinesfalls nehmen lassen.
Wie viele Arbeitsplätze die Entwicklung in Zukunft bei Kaco in Kirchardt sichern wird, ist unklar. Aber eins scheint sicher: Eine komplette Abkehr vom Industrie-Standort Deutschland ist den Angaben zufolge nicht geplant.