Seit der Gründung des Nationalparks wird sie diskutiert: die sogenannte Erweiterung des Nationalparks im nördlichen Schwarzwald. Jetzt wird das, was Umweltexperten schon lange fordern, Realität. Die beiden seit Gründung des Parks getrennten Teile werden durch ein Mittelstück verbunden.
Jahrelange Diskussionen über Erweiterung Nationalpark Schwarzwald
Der Erweiterung des Nationalparks waren jahrelange politische Auseinandersetzungen vorausgegangen. Außerdem hatte es langwierige Verhandlungen mit der Waldgenossenschaft Murgschifferschaft gegeben. Am Ende einigten sich die Beteiligten darauf, dass die Murgschifferschaft ihren Wald zwischen den beiden Nationalparkteilen gegen ein anderes Waldstück östlich der Murg tauscht.
Einziger Nationalpark in BW eine Spur größer
Unterm Strich wächst der erste und einzige Nationalpark in Baden-Württemberg damit um rund 1.200 Hektar. Das neue Gebiet zwischen der Murg im Osten und Hundsbach im Westen soll zunächst komplett Management- und Entwicklungszone bleiben. Auch die neuen Anwohner im Schönmünztal und im Langenbachtal haben das Versprechen der Landesregierung erhalten, dass ihre Täler dauerhaft Managementzone bleiben.
Nationalpark: Versprechen der Landesregierung an die Anwohner
Dieses Versprechen aus dem baden-württembergischen Umweltministerium ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, mit dem die Landesregierung den Anwohnern entgegenkommt. Ohne diese Zusagen wäre vermutlich gar keine Annäherung zwischen dem Nationalpark und seinen Anwohnern möglich gewesen.
Aber es waren nicht nur die Versprechen aus Stuttgart. Der Nationalpark selbst und seine Mitarbeiter waren in den vergangenen Wochen und Monaten gezielt auf ihre neuen Nachbarn zugegangen. Es gab regelmäßige Treffen und Gespräche. Und es scheint, als ob hier etwas in Bewegung geraten sei.
Tote Bäume vor der Haustür? Skepsis vor der Zukunft
Bei vielen überwiegt noch die Skepsis. Zum Beispiel bei Martin Zepf. Er ist Hotelier im Langenbachtal und er möchte vor allem keine Bilder von abgestorbenen Bäumen vor seiner Haustüre sehen. An das Versprechen der Landesregierung, dass sein Tal weiter bewirtschaftet wird, glaubt er noch nicht ganz. Die Zukunft werde es weisen, sagt Zepf.
Wenn das jetzt hier anders kommen sollte, dann sind wir natürlich optimistisch und zuversichtlich, aber wir leben in der Hoffnung.
Nationalparkerweiterung: Vertrauen muss langsam wachsen
Mehr Vertrauen in die Nationalparkerweiterung haben dagegen Christine Günter und Bernd Hein gefasst. Die Ortsvorsteherin von Schönmünzach-Schwarzenberg und ihr Stellvertreter haben sich regelmäßig mit den Nationalparkleuten getroffen.
Die Gespräche, die wir geführt haben, sind auf einem guten Weg. Und jetzt müssen wir gucken, ob das auch so kommt, wie es versprochen worden ist.
Das sind neue und versöhnliche Töne in der Auseinandersetzung um die Nationalparkerweiterung. Von Umdenken auf beiden Seiten war in letzter Zeit häufiger die Rede. Und auch der Nationalpark musste sich öffnen und Zugeständnisse machen. Damit ist zuletzt klar geworden, dass Naturschutz und die Anwohner gleich wichtig sind. Und dass die neuen Nachbarn auch wirklich gehört werden.
Naturschützer: Erweiterung Nationalpark war lange überfällig
Dass der Park überhaupt mit zwei Teilen gestartet ist, sei den politischen Verhältnissen in den Gründungsjahren geschuldet gewesen. Naturschutzfachlich hat die Trennung jedenfalls noch nie Sinn ergeben, sagt zum Beispiel Charlie Ebel. Der Chef-Ranger kennt das Erweiterungsgebiet ganz genau. Er hat hier vor Jahrzehnten schon seine Abschlussarbeit im Biologiestudium geschrieben.
Was Nationalparkerweiterung bedeuten könnte, macht Ebel an einem einfachen Beispiel klar: So leben derzeit etwa 50 von vielleicht 100 Auerhähnen, die es im Schwarzwald überhaupt noch gibt, am Rande des südlichen Teils des bisherigen Nationalparks. Wenn ihre Population überleben soll, braucht sie mehr Platz, muss sich ausdehnen können. Und das funktioniere nur in einem größeren und durchgängigen Nationalpark, sagt Ebel.
Wir haben hier einen Schwerpunkt im Südteil, in dem viele Tiere leben. Wir würden uns wünschen, dass wir auch nach Norden ähnliche Populationen aufbauen. Da ist diese Brücke sehr wertvoll.
Gerade das abgelegene und wunderbar ruhige Gebiet um den Schurmsee sei ideal geeignet für die scheuen Vögel. Der Karsee ist eine Besonderheit im Nordschwarzwald. Einer von wenigen überhaupt noch existierenden Karseen aus der letzten Eiszeit. Ein wildes Stück Natur, findet Charlie Ebel, das den Nationalpark hervorragend ergänzen kann.
Ein großer Nationalpark bietet sichere Lebenschancen
Auch andere Tiere und Pflanzen könnten von einem einheitlichen und vergrößerten Nationalpark profitieren. Seltene Arten wie der Dreizehenspecht etwa brauchen ebenfalls mehr Platz, um überleben zu können. Dazu kommen viele Insekten und Käferarten, die zum Beispiel im Totholz leben und nur ganz kleine Wanderbewegungen machen. In einem durchgängigen Nationalpark könnten sie sich langsam ebenfalls neue Lebensräume erschließen, die es in aufgeräumten Wirtschaftswäldern bisher eher selten gegeben hat.