Über 10 Jahre diskutiert, jetzt Realität

Aus zwei mach eins: Erweiterung Nationalpark Schwarzwald kommt zum 1. Januar 2026

Zum neuen Jahr werden die beiden bislang getrennten Teile des Nationalparks Schwarzwald vereint. Für die Natur eine Chance, für Anwohner einer Herausforderung.

Teilen

Stand

Von Autor/in Heiner Kunold

Seit der Gründung des Nationalparks wird sie diskutiert: die sogenannte Erweiterung des Nationalparks im nördlichen Schwarzwald. Jetzt wird das, was Umweltexperten schon lange fordern, Realität. Die beiden seit Gründung des Parks getrennten Teile werden durch ein Mittelstück verbunden.

Jahrelange Diskussionen über Erweiterung Nationalpark Schwarzwald

Der Erweiterung des Nationalparks waren jahrelange politische Auseinandersetzungen vorausgegangen. Außerdem hatte es langwierige Verhandlungen mit der Waldgenossenschaft Murgschifferschaft gegeben. Am Ende einigten sich die Beteiligten darauf, dass die Murgschifferschaft ihren Wald zwischen den beiden Nationalparkteilen gegen ein anderes Waldstück östlich der Murg tauscht.

Einziger Nationalpark in BW eine Spur größer

Unterm Strich wächst der erste und einzige Nationalpark in Baden-Württemberg damit um rund 1.200 Hektar. Das neue Gebiet zwischen der Murg im Osten und Hundsbach im Westen soll zunächst komplett Management- und Entwicklungszone bleiben. Auch die neuen Anwohner im Schönmünztal und im Langenbachtal haben das Versprechen der Landesregierung erhalten, dass ihre Täler dauerhaft Managementzone bleiben.

Karte zur Erweiterung Nationalpark Schwarzwald: Nach über zehn Jahren sollen die zwei Nationalparkteile zusammengelegt werden.
Nach über zehn Jahren sollen die zwei Nationalparkteile im Nordschwarzwald zusammengelegt werden. Pressestelle Nationalpark Schwarzwald

Nationalpark: Versprechen der Landesregierung an die Anwohner

Dieses Versprechen aus dem baden-württembergischen Umweltministerium ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, mit dem die Landesregierung den Anwohnern entgegenkommt. Ohne diese Zusagen wäre vermutlich gar keine Annäherung zwischen dem Nationalpark und seinen Anwohnern möglich gewesen.

Aber es waren nicht nur die Versprechen aus Stuttgart. Der Nationalpark selbst und seine Mitarbeiter waren in den vergangenen Wochen und Monaten gezielt auf ihre neuen Nachbarn zugegangen. Es gab regelmäßige Treffen und Gespräche. Und es scheint, als ob hier etwas in Bewegung geraten sei.

Tote Bäume vor der Haustür? Skepsis vor der Zukunft

Bei vielen überwiegt noch die Skepsis. Zum Beispiel bei Martin Zepf. Er ist Hotelier im Langenbachtal und er möchte vor allem keine Bilder von abgestorbenen Bäumen vor seiner Haustüre sehen. An das Versprechen der Landesregierung, dass sein Tal weiter bewirtschaftet wird, glaubt er noch nicht ganz. Die Zukunft werde es weisen, sagt Zepf.

Wenn das jetzt hier anders kommen sollte, dann sind wir natürlich optimistisch und zuversichtlich, aber wir leben in der Hoffnung.

Hotelier Martin Zepf vom Hotel Forsthaus Auerhahn in Hinterlangenbachtal
Martin Zepf vom Hotel Forsthaus Auerhahn im Hinterlangenbachtal steht der Nationalparkerweiterung noch kritisch gegenüber.

Nationalparkerweiterung: Vertrauen muss langsam wachsen

Mehr Vertrauen in die Nationalparkerweiterung haben dagegen Christine Günter und Bernd Hein gefasst. Die Ortsvorsteherin von Schönmünzach-Schwarzenberg und ihr Stellvertreter haben sich regelmäßig mit den Nationalparkleuten getroffen.

Die Gespräche, die wir geführt haben, sind auf einem guten Weg. Und jetzt müssen wir gucken, ob das auch so kommt, wie es versprochen worden ist.

Das sind neue und versöhnliche Töne in der Auseinandersetzung um die Nationalparkerweiterung. Von Umdenken auf beiden Seiten war in letzter Zeit häufiger die Rede. Und auch der Nationalpark musste sich öffnen und Zugeständnisse machen. Damit ist zuletzt klar geworden, dass Naturschutz und die Anwohner gleich wichtig sind. Und dass die neuen Nachbarn auch wirklich gehört werden.

Christine Günter, Ortsvorsteherin in Schönmünzach-Schwarzenberg, sieht die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald positiv.
Christine Günter, Ortsvorsteherin in Schönmünzach-Schwarzenberg, sieht die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald positiv.

Naturschützer: Erweiterung Nationalpark war lange überfällig

Dass der Park überhaupt mit zwei Teilen gestartet ist, sei den politischen Verhältnissen in den Gründungsjahren geschuldet gewesen. Naturschutzfachlich hat die Trennung jedenfalls noch nie Sinn ergeben, sagt zum Beispiel Charlie Ebel. Der Chef-Ranger kennt das Erweiterungsgebiet ganz genau. Er hat hier vor Jahrzehnten schon seine Abschlussarbeit im Biologiestudium geschrieben.

Was Nationalparkerweiterung bedeuten könnte, macht Ebel an einem einfachen Beispiel klar: So leben derzeit etwa 50 von vielleicht 100 Auerhähnen, die es im Schwarzwald überhaupt noch gibt, am Rande des südlichen Teils des bisherigen Nationalparks. Wenn ihre Population überleben soll, braucht sie mehr Platz, muss sich ausdehnen können. Und das funktioniere nur in einem größeren und durchgängigen Nationalpark, sagt Ebel.

Wir haben hier einen Schwerpunkt im Südteil, in dem viele Tiere leben. Wir würden uns wünschen, dass wir auch nach Norden ähnliche Populationen aufbauen. Da ist diese Brücke sehr wertvoll.

Der Auerhahn im Nationalpark Schwarzwald. Mit der Erweiterung hat er eine bessere Überlebenschance.
Der Auerhahn im Nationalpark Schwarzwald. Mit der Erweiterung hat er eine bessere Überlebenschance. Pressestelle Nationalpark Schwarzwald

Gerade das abgelegene und wunderbar ruhige Gebiet um den Schurmsee sei ideal geeignet für die scheuen Vögel. Der Karsee ist eine Besonderheit im Nordschwarzwald. Einer von wenigen überhaupt noch existierenden Karseen aus der letzten Eiszeit. Ein wildes Stück Natur, findet Charlie Ebel, das den Nationalpark hervorragend ergänzen kann.

Chef-Ranger Charlie Ebel im Nationalpark Schwarzwald
Chef-Ranger Charlie Ebel im Nationalpark Schwarzwald

Ein großer Nationalpark bietet sichere Lebenschancen

Auch andere Tiere und Pflanzen könnten von einem einheitlichen und vergrößerten Nationalpark profitieren. Seltene Arten wie der Dreizehenspecht etwa brauchen ebenfalls mehr Platz, um überleben zu können. Dazu kommen viele Insekten und Käferarten, die zum Beispiel im Totholz leben und nur ganz kleine Wanderbewegungen machen. In einem durchgängigen Nationalpark könnten sie sich langsam ebenfalls neue Lebensräume erschließen, die es in aufgeräumten Wirtschaftswäldern bisher eher selten gegeben hat.

Baden-Württemberg

Rund 1.300 Hektar mehr Fläche BW-Landtag entscheidet: Nationalpark im Schwarzwald soll größer werden

Lang wurde debattiert, nun hat der Landtag die endgültige Entscheidung getroffen: Der Nationalpark im Schwarzwald wird größer. Unumstritten ist der Vorgang aber nicht.

Ruhestein

Welt-Ranger-Tag am 31.Juli Was eine Rangerin im Nationalpark Schwarzwald macht

Nadine Berger arbeitet als Rangerin im Nationalpark Schwarzwald. Als "Polizei des Waldes" läuft sie kilometerweit, damit die Natur frei und unberührt bleibt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!