"Ach, das sieht ja toll aus!" Ute Karcher aus Bischweier (Landkreis Rastatt) strahlt, als sie ihr altes Radio in neuem Glanz entdeckt. Peter Keßner freut sich. Der Musiktruhen-Doktor hat ganze Arbeit geleistet. Größtes Problem bei diesem Patienten: Die Sender ließen sich nicht mehr verstellen. Eineinhalb Tage hat Keßner an dem guten Stück gebastelt.
Musiktruhen: Reparieren aus Leidenschaft
Peter Keßner ist 60 Jahre alt, fit und sportlich aktiv und hat nebenbei noch ein großes Hobby: Er kann alte Musiktruhen, wie sie in den 50er- und 60er-Jahren üblich waren, reparieren und ihnen neues Leben einhauchen. Erfolgsquote: etwa 60 Prozent. Manchmal muss nur ein Stecker getauscht werden. Andere Patienten sind anspruchsvoller.
Auch Ute Karchers Radio von 1957/58 gehörte einst ihren Eltern. Es stammt aus einer Zeit, in der solche Geräte ein kleines Vermögen kosteten und die ganze Familie sich um sie versammelte. "Meine Eltern würden sich freuen", strahlt sie. "Und alle Lämple funktionieren wieder."
Das Heilemachen ist etwas ganz Besonderes und macht viel Spaß.
Privates Museum in Staig-Harthausen Radios, gestapelt bis zur Decke: Die irre Sammlung von Werner Hauf
Was mit einem kleinen Radio begann, wurde zur Leidenschaft: Werner Hauf besitzt über 1.300 historische Radios - liebevoll katalogisiert, gestapelt bis zur Decke. Ein Besuch in seinem Museum.
Mit der Zeit gehen: Altes Radio mit neuem Bluetooth
Wenn es technisch möglich ist, versieht Peter Keßner die alten Geräte mit Bluetooth. So können sich die Radioliebhaber mit ihrem Handy verbinden und so Playlisten oder sonstige Musik auf den alten Empfängern abspielen. Ute Karchers Radio stand 30 Jahre herum. Auch ihr Gerät kann sich jetzt mit Bluetooth verbinden. Für die Reparatur muss sie übrigens nur das Bluetoothmodel von 30 Euro bezahlen.
Jedes Radio ist ein Überraschungsei und hat seine eigene Geschichte.
Peter Keßner geht es um die Freude am Reparieren, nicht um den Gewinn. Seine Einnahmen durch die Musiktruhen spendet er. Schon früh sei ihm das Reparieren in die Wiege gelegt worden, sagt er. Der gelernte Fernmeldehandwerker hat Nachrichtentechnik studiert. Bei der Suche nach einer Nähmaschine für seine Mutter stieß er auf eine Musiktruhe. Reparieren konnte er sie nicht - aber sie war der Startschuss für sein neues Hobby.
Auch Kaffeemühlen-Sammler Günther Fiebelkorn wurde durch eine zufällige Begegnung zu seinem Hobby inspiriert:
Frisch gemahlener Kaffee: Der Duft der Vergangenheit 1.200 Kaffeemühlen: Wie Günter Fiebelkorns Sammelleidenschaft begann
Wenn Günter Fiebelkorn aus Bretten Kaffee mahlt, wird er sofort in seine Kindheit versetzt. Der Sammler hat 1.200 Kaffeemühlen im ganzen Haus nach einem eigenen System sortiert.
Alte Musiktruhen: Geduld ist gefragt
Seine Frau Tanja schmunzelt, wenn es um das Reparieren geht. "Das ist sein Ding, er macht das unglaublich gerne", sagt sie. "Manchmal höre ich ihn in seinem Zimmer fluchen und dann weiß ich 'Oh, da hat etwas nicht geklappt'." Seine Schätze findet er bei Kleinanzeigen und fährt deshalb auch gerne mal hundert Kilometer. Oder aber die Geräte finden zu ihm - durch Bekannte und andere Kunden.
Sein Lieblingsstück steht in seinem Wohnzimmer und ist eine Musiktruhe - oder auch ein sogenanntes Phonomöbel. Das Gerät ist mit Plattenspieler, Radio und Bluetooth ausgestattet. Und Mitte der 60er-Jahre gebaut worden. Palisanderholz ist in dem Möbel verbaut. Dieses Möbel hat es geschafft: ein zweites Leben beim Musiktruhen-Doktor. Peter Keßner grinst. Gerade ist der nächste Kunde gekommen - mit einem Radio, "das brummt". Keßner nimmt es vorsichtig entgegen. Die nächste Überraschung wartet auf ihn.