Seit dem Jahreswechsel fehlen fast überall in der Region zwischen Karlsruhe und Bühl die gewohnten Altkleidercontainer. Gesetzlich sind nun die Kommunen für die Entsorgung der Alttextilien in der Pflicht. Eine Umfrage bei den Kommunen zeigt: Überall wird das Problem unterschiedlich angegangen.
DRK und Co. bauen Textil-Container ab Weniger Container für Altkleider: Wohin mit gebrauchten Klamotten?
Verbände warnen: Das Sammeln gebrauchter Kleidung ist mittlerweile ein riesiges Verlustgeschäft. Wohin mit den überflüssigen Klamotten, wenn es weniger Container gibt?
Landkreis Rastatt: Neue Standorte für Altkleidercontainer
Der Landkreis Rastatt hat auf die neue Situation reagiert und versucht, kurzfristig Abhilfe zu schaffen: 56 zusätzliche Altkleidercontainer soll es geben. 16 neue Sammelcontainer werden erstmals auch an drei Deponien in Durmersheim, Gernsbach und Rastatt neu aufgestellt. Außerdem erhalten die Wertstoffhöfe in Bühl-Vimbuch und die Entsorgungsanlage "Hintere Dollert" in Gaggenau-Oberweier zusätzlich zu den bereits vorhandenen jeweils 20 neue Sammelcontainer.
Die Wege für die Bürger werden weiter, und die Kosten der Entsorgung trägt am Ende der Gebührenzahler.
"Klar ist, die Wege zur Sammelstelle etwa für die Bürger aus Lichtenau oder Bühlertal werden weiter. Wir wollen aber versuchen, in diesem Sommer noch ein erweitertes Angebot für den südlichen Landkreis auf die Beine zu stellen", so Claudia Gärtner. Im Moment konzentriere man sich zuerst auf den nördlichen Landkreis Rastatt mit dem Murgtal.
Die Abfall-Expertin hofft aber, dass die Kleidercontainer nicht zugemüllt werden. Denn das Ziel sei, dass die Menschen auch in Zukunft gerne ihre Altkleider abgeben - gefragt seien aber nur saubere, tragbare und intakte Textilien. "Zerschlissene und verschmutzte Kleider müssen nach wie vor in die Mülltonne", so Gärtner. "Aber das ist leider bundesweit überall falsch kommuniziert worden."
Landkreis Karlsruhe: Wertstoffhöfe sind Abgabestellen
Im Landkreis Karlsruhe verweist man auf die Wertstoffhöfen der Kommunen: Dort können Alttextilien und Schuhe verpackt in Plastiksäcken zu den jeweiligen Öffnungszeiten abgegeben werden. Die gesammelten Altkleider würden dann in den "BEQUA"-Kleiderbörsen in Ettlingen und Bruchsal verkauft, so Matthias Krüger vom Landratsamt Karlsruhe.
Manfred Peter von der Kolpingfamilie Waldbronn-Busenbach bedauert den Abzug der Kleidercontainer. "Solange noch was mit Alttextilien zu verdienen war, hatten wir auch gute Erlöse. Das Geld war wichtig für uns, zum Beispiel für Fortbildungskurse und Seminare. Dieses Geld wird uns künftig fehlen."
Baden-Baden: Altkleidercontainer bleiben vorerst stehen
In Baden-Baden bleiben laut Stadtwerke erst mal alle 53 Altkleidercontainer bis Ende Februar stehen. "Wir haben gemeinsam mit den Betreibern der Altkleidercontainer, DRK Bühl + Baden-Baden, Kolping und der Firma Terec GmbH eine Einigung erzielt, so dass die Altkleidercontainer bis Ende Februar in Baden-Baden weiterhin bestehen werden. Danach werden wir je nach Marktsituation gemeinsam mit den bisherigen Anbietern eine neue Lösung finden", so die Stadtwerke.
Vermüllte Sammelstellen und zu hohe Kosten
Der DRK-Kreisverband Bühl-Achern hatte Ende 2025 die Reißleine gezogen und beschlossen, aus dem System auszusteigen und sämtliche Sammelcontainer bis Ende Januar 2026 abzubauen. Auch bei der Kolpingfamilie Waldbronn-Busenbach (Landkreis Karlsruhe) das gleiche Bild: In der Gemeinde Waldbronn fehlen seit neuestem sämtliche Altkleidercontainer.
Die Gründe dafür sind vielschichtig: Vermüllung der Sammelstellen, immer höheren Entsorgungskosten, schlechte Materialqualität bei Billigmode durch den "Fast-Fashion-Trend" und sinkende Erlöse machen das Geschäft mit den Altkleidern unrentabel für die Sammel-Organisationen.
Textilien und Altkleider: Neue EU-Verordnung
Dazu kam zum 1.1.2025 eine neue EU-Richtlinie, nach der alte, verwertbare Textilien nicht mehr einfach über den Restmüll entsorgt und verbrannt werden dürfen, sondern in den Recycling-Kreislauf zurückgegeben werden müssen. Doch das sorgte für Verwirrung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich nun fragen: Wohin denn mit meinen alten Klamotten? Die meisten werden künftig weitere Wege zum nächsten Altkleidercontainer in Kauf nehmen müssen.