DRK und Co. bauen Textil-Container ab

Weniger Container für Altkleider: Wohin mit gebrauchten Klamotten?

Verbände warnen: Das Sammeln gebrauchter Kleidung ist mittlerweile ein riesiges Verlustgeschäft. Wohin mit den überflüssigen Klamotten, wenn die Container abgebaut werden?

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Von Autor/in Michael Herr, Geli Hensolt, Lutz Heyser

Wo können wir unsere Altkleider stattdessen abgeben?
Wiederverwertung von Textilien: Kommunen zuständig
Was kann man selbst tun, um Klamottenmüll zu reduzieren?
Warum gibt es immer weniger Altkleidercontainer von Hilfsorganisationen?
Was ist aus den dubiosen Kleidersammlern geworden?
Warum steckt der Altkleidermarkt in der Krise?
Spätestens 2028 soll die "erweiterte Herstellerverantwortung" eingeführt werden. Was heißt das?

Gemeinnützigen Organisationen fällt es immer schwerer, mit Altkleidersammlungen Geld einzunehmen. Rund 20 Prozent der Container, die Malteser, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Diakonie und andere bislang deutschlandweit betrieben haben, seien mittlerweile abgebaut worden, heißt es vom Dachverband der gemeinnützigen Sammler "Fairwertung".

Auch im Südwesten dünnt das System aus. In Baden-Württemberg haben die Malteser 40 ihrer einst 525 Container von der Straße geholt. Im Hohenlohekreis hat das DRK bereits den Großteil seiner Sammelstellen abgebaut. Auch in der Region Neckar-Alb funktioniert die bisherige Verwertung von Altkleidern über Container nach Angaben des DRK nicht mehr, viele Container wurden schon abgebaut, weil sie überquellen.

Das Problem betreffe demnach viele Gemeinden, heißt es vom DRK: Es gebe einfach zu viel gespendete Kleidung. Die Firmen, die die Kleidung bislang verwertet haben, kämen mit den Mengen nicht mehr zurecht - und zahlen deshalb nichts mehr für die Textilien. 

Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in Rheinland-Pfalz, wo das DRK zum Beispiel in der Region Trier an manchen Orten keine Container mehr betreibt.

Wo können wir unsere Altkleider stattdessen abgeben?

Gut 60 Prozent der in Deutschland gesammelten Altkleider kommt auf den Second-Hand-Markt - ein Spitzenwert in Europa. Auch wenn es keine Container mehr in der Gegend gibt: Solche hochwertigen Textilien nehmen die Hilfsorganisationen weiterhin an.

Ansprechpartner finden sich an den Standorten der Einrichtungen in den Regionen. Die Klamotten werden dann zum Beispiel für einen guten Zweck in Caritas-Läden verkauft. Auch Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser freuen sich über hochwertige Spenden.

Wem dieser Weg zu weit ist, für den kommt vielleicht eine Paketspende infrage. Die Deutsche Kleiderstiftung nimmt Schuhe und Kleidung in gutem Zustand an. Weil gerade derart viele Spenden eingehen, ist ein portofreier Versand von Paketspenden derzeit nicht möglich. Zusendungen auf eigene Kosten würden demnach aber gerne entgegengenommen.

Klamotten in gutem Zustand kann man auch einfach verkaufen - bei Verkaufsplattformen im Netz oder analog an Second-Hand-Shops. Auch Filialen großer Textilhandelsketten wie H&M nehmen oft gebrauchte Kleidung an. Zum Dank gibt es häufig einen Gutschein oder einen Rabatt auf den nächsten Einkauf.

Wiederverwertung von Textilien: Kommunen zuständig

19 Kilogramm an Textilien kauften Menschen in der EU im Schnitt zuletzt pro Jahr - ein Rekordwert. Bei vielen Klamotten handelt es sich allerdings um niederwertige Fast-Fashion-Produkte, die auch im passablen Zustand nur schwer für den Second-Hand-Markt taugen. Wohin also mit solcher Kleidung, wenn es immer weniger Altkleidercontainer gibt?

Die Antwort: Darum wird sich die Politik kümmern müssen. Seit Jahresbeginn ist eine neue EU-Richtlinie in Kraft, die vorschreibt, dass Textilien in der EU wiederverwertet werden müssen.

Für die Sammlung der Kleider sorgten in Deutschland bisher zu großen Teilen die gemeinnützige Organisationen. Sollte dieses System jetzt an seine Grenzen stoßen, muss die Kommunalpolitik einspringen.

In der Region Trier ist das bereits beschlossene Sache: Der Zweckverband Abfallwirtschaft der Stadt will in Zukunft zweimal im Jahr Textilien vor der Haustür abholen. Die Kosten dafür könnten über steigende Müllgebühren aufgebracht werden.

Trotz der neuen Richtlinie: Öl- und farbverschmierte sowie zerschlissene Kleidung gehört weiterhin in den Restmüll. Solch kaputte Kleidung kann nicht weiterverwendet werden.

Laut Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Kleidersammelverbands "Fairverwertung", ist das auch die nachhaltigere Lösung. Wenn derart kaputte Klamotten bei den Altkleidern landen, müssen sie nämlich erst aussortiert werden - und landen im Anschluss doch im Müll.

Was kann man selbst tun, um Klamottenmüll zu reduzieren?

Weniger Kleidung kaufen - und auf Qualität achten. Hochwertige Klamotten halten länger als "Ultra Fast-Fashion". Und beim Qualitätsstiefel lohnt sich auch eher eine Reparatur als beim Billigturnschuh.

Wenn viele Menschen das berücksichtigen, kommen langfristig weniger Klamotten in Umlauf - und das Recyclingproblem wird kleiner.

Warum gibt es immer weniger Altkleidercontainer von Hilfsorganisationen?

Die Altkleider, die Malteser, Caritas oder DRK sammeln und die in den eigenen Geschäften nicht verkauft werden können, geben die Sozialverbände an Sammelunternehmen weiter, die die Textilien weiterverkaufen, auch ins Ausland.

Allerdings lohnt sich dieses Geschäft offenbar immer weniger. Branchenriesen unter den Textilverwertern - wie Texaid Deutschland und Soex - haben Insovenz angemeldet.

Der Markt für gebrauchte Textilien steckt in einer Krise. Das bekommen auch die Hilfsorganisationen zu spüren: Derzeit erhalten die Malteser laut eigener Aussage für eine Tonne Altkleider von den Verwertern je nach Region 10 bis 20 Euro. Um zumindest kostendeckend arbeiten zu können, müssten sie 200 Euro erhalten. Wertvolle Einnahmen, die den Hilfsorganisationen fehlen, um soziale Projekte zu finanzieren.

Was ist aus den dubiosen Kleidersammlern geworden?

Wer seine gebrauchte Kleidung für wohltätige Zwecke spenden wollte, musste früher genau aufpassen: An vielen Orten stellten nämlich dubiose Geschäftemacher ebenfalls Container auf, um mit dem Second-Hand-Hype Geld zu verdienen.

Seit der Markt in der Krise steckt, ist es damit aber weitgehend vorbei, erklärt Thomas Ahlmann von "Fairwertung". "Man sollte weiterhin aufpassen, wo man seine Kleider abgibt. Das Problem ist aber definitiv kleiner geworden", sagt er. Wo es kaum mehr Geld zu verdienen gibt, sind die dubiosen Sammler als erstes verschwunden.

Warum steckt der Altkleidermarkt in der Krise?

Ein großer Markt für Altkleider ist Osteuropa – seitdem Russland die Ukraine angegriffen hat, sind die Märkte dort teilweise weggebrochen. Ein großes Problem ist aus Sicht des Dachverbands "Fairwertung" auch, dass in den Containern immer häufiger Billigmode landet, die zum Weiterverkauf ungeeignet ist.

Außerdem landen seit Jahresbeginn noch mehr Altkleider in den Sammlungen als zuvor. Thomas Ahlmann vom Dachverband macht dafür auch eine missverständliche Berichterstattung verantwortlich. Viele Menschen glaubten, sie dürften auch verschlissene Kleidung nicht mehr über den Hausmüll entsorgen.

Die Sammelmengen steigen also - und Rendite ist kaum mehr zu machen. Kein Wunder, dass sich viele Akteure aus der Branche zurückziehen.

Spätestens 2028 soll die "erweiterte Herstellerverantwortung" eingeführt werden. Was heißt das? 

Modehersteller wie H&M oder Zara müssen ab 2028 eine Gebühr bezahlen, mit der Recycling oder Entsorgung finanziert werden sollen. Die Hilfsorganisationen setzen darauf, dass sie dann für den Sammelaufwand entlohnt werden und das Altkleidergeschäft wieder lukrativer wird.

Doch drei weitere Jahre können DRK und Co. nach eigener Einschätzung nicht mehr warten. Der Dachverband fordert deshalb, dass die gemeinnützigen Sammler von Gebühren befreit werden - und fordern übergangsweise eine Beteiligung an den Sammlungskosten durch die Kommunen.

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