Gernsbach (Kreis Rastatt) muss sparen. Bürger und Stadtverwaltung sind sich da einig. Trotzdem sorgt das im April vorgestellte Zukunftspaket 2030 für Empörung in der Bevölkerung, vor allem in den Ortsteilen. Unter anderem stehen drei von vier Freibädern auf der Kippe, eine Schule, ein Kino und mehrere Festplätze.
Emotionale Sitzung: Gemeinderat beschließt Zukunftspaket
Am Mittwochabend hat der Gemeinderat das umstrittene Sparpaket mehrheitlich beschlossen, allerdings nicht mit deutlicher Mehrheit. Die Stadthalle war voll besetzt. Die Sitzung war emotional, immer wieder gab es Zwischenrufe und Applaus, aber auch Buh-Rufe. Viele nutzten die Bürgerfragestunde, um kritisch nachzuhaken. Da hieß es zum Beispiel: Man verstehe, dass gespart werden müsse, aber nicht auf diese Art und Weise.
Bürgermeister Julian Christ (SPD) betonte: die aktuelle finanzielle Situation erfordere klare Schritte. Ein Antrag der CDU, die Abstimmung zu vertagen, scheiterte knapp. Auf Grundlage des Beschlusses sollen jetzt Gespräche mit betroffenen Vereinen und Initiativen gestartet werden. Auch Gemeinderäte sprachen von einer schwierigen Entscheidung. Man müsse aber auch Verantwortung für die Stadt tragen und den Haushalt auf den Weg bringen, hieß es zum Beispiel.
Sparpaket: Bürger in Gernsbach fühlen sich übergangen
Dass die Schulden gesenkt werden müssen, hatte der Gemeinderat bereits im Dezember 2025 einstimmig entschieden. Zu der generell schwierigen finanziellen Lage der Kommunen in Baden-Württemberg kommt im Fall Gernsbach noch dazu, dass jeder Ortsteil eine eigene Infrastruktur hat. Das sorgt für zusätzliche Mehrkosten, so Bürgermeister Christ im Vorfeld der Sitzung.
Wie genau die Sparmaßnahmen jedoch aussehen, hatten Bürgerinnen und Bürger dann am 20. April erfahren, also 16 Tage vor der Entscheidung des Gemeinderats.
Da gab es kein Telefonat, da gab es keine Gespräche im Vorfeld, gar nichts. Und das ist auch die große Enttäuschung, die man dann in sich trägt.
Das Freibad in Lautenbach ist eines der Freibäder, die künftig nicht mehr von der Stadt finanziert werden sollen. Ein Schock für die etwa 250 Mitglieder der Schwimmbadinitiative Lautenbach, die sich um das Bad kümmern und in Vorbereitung auf das 100-jährige Jubiläum derzeit einen Volleyballplatz bauen. Ob sich das noch lohnt, ist gerade allerdings nicht sicher.
Vereine können die Schwimmbäder nicht selbstständig erhalten
Die Stadt will die Bäder nicht offiziell schließen, sondern den Vereinen zur Übernahme anbieten. Sie sollen aber nicht mehr als städtische Einrichtungen betrieben werden. Ein regelmäßiger Betriebskostenzuschuss ist allerdings ausgeschlossen. Ohne diesen, sagt Matthias Mörmann von der Schwimmbadinitiative Lautenbach, "kommt es gleich zu einer Schließung."
Das Bürgerhaus und das Schwimmbad, das ist praktisch das Letzte, was wir hier [in Lautenbach] noch haben.
Freibäder könnten schließen - auch andere Ortsteile betroffen
Auch die Freibäder Reichental und Obertsrot sind Teil der Einsparungen. "Das Ehrenamt wird hier mit Füßen getreten", sagt Robert Klumpp vom Förderverein Schwimmbad Reichental. Die Stadt habe seit Jahren keinen Einblick mehr in die Betriebszahlen der Freibäder gegeben.
Wie soll sich ein Verein vorbereiten auf irgendetwas, wenn er überhaupt keine Zahlen bekommt?
Das Unverständnis ist besonders groß, weil die Stadt erst vergangenes Jahr ein neues Arbeits-Gebäude für die Bademeister auf dem Gelände für rund 150.000 Euro finanziert habe, so Robert Klumpp. Am Samstag soll es eingeweiht werden, drei Tage nach dem entscheidenden Gemeinderatsbeschluss.
Kino und Festplätze in Gernsbach vom Sparkurs betroffen
Die Grundschule Staufenberg könnte laut Sparpaket mittelfristig in die Grundschule Gernsbach eingegliedert werden. Aber nur, wenn es in drei aufeinander folgenden Schuljahren nicht mehr als zwölf Einschulungen gibt.
Außerdem soll das Kino geschlossen werden, wenn das derzeitige Pachtverhältnis beendet ist. Die Festplätze in Lautenbach, Hilpertsau und Reichental sollen künftig auch nicht mehr als kommunale Einrichtung genutzt werden.
Das Geld soll stattdessen mittelfristig zur Sanierung mehrerer Hallen verwendet werden. Zum Beispiel für die Ebersteinhalle in Obertsrot sowie das Bürgerhaus in Lautenbach und die Turn- und Festhalle in Reichental.
So war die Stimmung in Gernsbach vor der Abstimmung im Gemeinderat:
Bürger sollen nach der Entscheidung über das Sparpaket Gehör finden
Am Wochenende hatten etwa 400 Menschen gegen die Sparmaßnahmen der Stadt demonstriert. Eine Anhörung der Betroffenen ist aber erst im Nachgang des Beschlusses eingeplant. Bürgermeister Julian Christ beruft sich auf demokratische Prozesse: "Die Bürgerinnen und Bürger haben den Gemeinderat dieser Stadt gewählt und auch den Bürgermeister, der mit ihm Entscheidungen trifft."
Den Unmut über die Art und Geschwindigkeit der Planungen kann der Bürgermeister nachvollziehen. Emotional verstehe er das absolut, sagt Julian Christ. Man wolle gemeinsam mit den Vereinen Lösungen suchen. Einen regelmäßigen Betriebskostenzuschuss könne man sich mit dem städtischen Haushalt allerdings nicht leisten.